Università Cattolica del Sacro Cuore: Geschichte und Rundgang
Hinter der strengen Ziegelfassade des 20. Jahrhunderts der Università Cattolica del Sacro Cuore verbirgt sich ein gewaltiges Renaissancekloster, das direkt über einer antiken römischen Grabstätte errichtet wurde. Mitten im Zentrum Mailands am Largo Fra Agostino Gemelli 1 bildet der Komplex das akademische und administrative Herz der Universität, wo Jahrhunderte italienischer Architekturgeschichte nahtlos ineinanderfließen.
Mönchische Ursprünge und Meisterwerke der Renaissance
Die Geschichte des Ortes reicht bis ins Jahr 789 zurück, als direkt neben der Basilica di Sant'Ambrogio ein Benediktinerkloster gegründet wurde. Im Jahr 1487 übergab Kardinal Ascanio Sforza die Abtei den Zisterziensern. Ein Jahrzehnt später, 1497, erhielt Hofarchitekt Donato Bramante den Auftrag für eine umfassende Neugestaltung des Komplexes.
Bramante plante ursprünglich vier quadratische Kreuzgänge mit jeweils 60 Metern Seitenlänge, von denen im 16. und 17. Jahrhundert allerdings nur zwei vollendet wurden. Heute sind diese Renaissance-Zwillingsbauten als dorischer und ionischer Kreuzgang bekannt. Sie spiegeln eine bewusste stilistische Geschlechterkodierung der klassischen Architekturtheorie wider: die schlanken, femininen Kurven der ionischen Ordnung als direkter Kontrast zur strengen, maskulinen Wucht der dorischen Säulen.
Vom Militärlazarett zum Universitätscampus
Nach der Auflösung der religiösen Orden unter napoleonischer Herrschaft Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Kloster säkularisiert und in ein Militärlazarett umgewandelt. Als solches diente es bis 1927, als Universitätsgründer Pater Agostino Gemelli das Anwesen kaufte, um einen festen Campus zu schaffen. Am 30. Oktober 1932 wurde das neugestaltete Universitätsgelände feierlich eingeweiht.
Den Außeneingang und die Fassade im Stil des Novecento Italiano entwarfen die Architekten Giovanni Muzio und Pier Fausto Barelli zwischen 1927 und den späten 1940er-Jahren. Die monumentale rote Terrakotta-Ziegelfassade bildet einen markanten Kontrast zum hellen Granitturm, der eine Uhr, eine Glockenlaterne und eine von Giannino Castiglioni geschaffene Christus-König-Statue beherbergt. Als der Komplex bei den alliierten Bombenangriffen auf Mailand im August 1943 schwer beschädigt wurde, leitete Muzio persönlich den jahrelangen, aufwendigen Wiederaufbau.
Antike Geheimnisse und modernes Campusleben
Tritt man durch den modernen rationalistischen Torbogen von der Straße ein, eröffnen sich die riesigen, sonnendurchfluteten doppelstöckigen Renaissance-Bogengänge, die von außen völlig verborgen bleiben. Heute sind diese geschichtsträchtigen Räume fester Bestandteil des studentischen Alltags. Bramantes Kreuzgänge dienen als Durchgang, Treffpunkt und Lernort, während das einstige Mönchsrefektorium heute als Aula Magna fungiert.
Unter dem Pflaster schlummert noch ältere Geschichte. Bei Campuserweiterungen in den 1980er-Jahren stieß man auf Teile einer spätrömischen Nekropole aus dem 1. bis 3. Jahrhundert n. Chr. sowie auf ein großes kreisrundes römisches Ziegelbauwerk. Zusammen mit der benachbarten Basilika bildet der Campus den sogenannten "Ambrogian Cluster", ein Architektur-Ensemble, das den Bogen vom antiken Mediolanum über das höfische Mäzenatentum der Renaissance bis hin zum modernen Städtebau schlägt.
FAQ
Wer entwarf die Architektur der Università Cattolica del Sacro Cuore?
Der Komplex besticht durch die Zwillingskreuzgänge der Renaissance, die 1497 von Donato Bramante entworfen wurden. Die Außenfassade und der Eingang im Stil des Novecento Italiano aus dem 20. Jahrhundert stammen von den Architekten Giovanni Muzio und Pier Fausto Barelli und entstanden zwischen 1927 und den späten 1940er-Jahren.
Was verbirgt sich unter dem Universitätscampus?
Unter dem Universitätsgelände liegen eine spätrömische Nekropole aus dem 1. bis 3. Jahrhundert n. Chr. und ein großes, kreisrundes römisches Ziegelbauwerk, die beide bei Campuserweiterungen in den 1980er-Jahren entdeckt wurden.
Was war der Komplex der Università Cattolica del Sacro Cuore, bevor er zur Universität wurde?
Ursprünglich im Jahr 789 als Benediktinerkloster gegründet, wurde die Anlage in der Renaissance für Zisterziensermönche umgestaltet. Im späten 18. Jahrhundert unter napoleonischer Herrschaft säkularisiert, diente das Areal als Militärlazarett, bis die Universität es 1927 erwarb.
