
Kathedrale von Modena: Ein romanisches UNESCO-Meisterwerk
Die Kathedrale Santa Maria Assunta und San Geminiano, meist einfach Kathedrale von Modena genannt, gilt als absoluter Höhepunkt der europäischen Hochromanik. Direkt an der Piazza Grande gegenüber dem Palazzo Comunale gelegen, begannen die Bauarbeiten im Jahr 1099. Das Bemerkenswerte daran: Die Initiative ging von den Bürgern der Stadt selbst aus, in einer Phase, als der Bischofsstuhl gerade verwaist war. Um ihr neues religiöses Herzstück zu errichten, bedienten sich die Bauleute ungeniert an den verschütteten Ruinen der antiken römischen Stadt Mutina und holten Marmor und Steinplatten direkt aus der Erde.
Meisterhafte Baumeister und antike Relikte
Baumeister Lanfranco entwarf das ursprüngliche Bauwerk, während der Bildhauer Wiligelmo die wegweisenden Steinskulpturen und die ausdrucksstarken biblischen Friese an der Außenfassade meißelte. Der marmorne Vorbau der Hauptfassade ruht auf zwei steinernen Löwen, echten römischen Artefakten, die man im Mittelalter beim Ausheben der Fundamente entdeckte. Zwischen dem späten 12. und dem 14. Jahrhundert verpasste die Baumeistergilde der Maestri Campionesi dem Bauwerk einige gotische Akzente, darunter die große zentrale Fensterrose und die Kreuzrippengewölbe.
Überraschende mittelalterliche Steinmetzkunst
An den Außenseiten der Kathedrale entfaltet sich ein faszinierendes mittelalterliches Bilderbuch. Das Nordportal, die sogenannte Porta della Pescheria, entstand etwa zwischen 1120 und 1140. Seine Türgewände zeigen den Zyklus der zwölf Monate anhand von Bauern bei ihrer jahreszeitlichen Arbeit. Darüber, im Archivoltenbogen, taucht plötzlich „Artus de Bretania“ auf, eine der frühesten bekannten monumentalen Darstellungen der Artussage in ganz Europa. Weit oben am Dachgesims hocken Nachbildungen grotesker Mischwesen dort, wo einst die originalen Skulpturen eines antiken Bestiariums saßen, die heute geschützt im Dommuseum verwahrt werden.
Das Kirchenschiff und die Krypta des heiligen Geminianus
Im Inneren empfängt dich im dreischiffigen Langhaus eine gedämpfte, andächtige Atmosphäre, sanft erhellt durch hoch gelegene romanische Lanzettfenster. Von dort geht es hinab in eine kühle Krypta mit flachen Gewölben, gestützt von schlanken Marmorsäulen. Im Jahr 1106 wurden die Gebeine des Stadtpatrons Geminianus im Beisein von Gräfin Mathilde von Canossa und Papst Paschalis II. in diese neu vollendete Krypta überführt. Bis heute dient der Dom als aktiver Bischofssitz der Erzdiözese Modena-Nonantola. Er ist täglich für Besucher geöffnet, wobei Besichtigungen während der Gottesdienste und am jährlichen Festtag des heiligen Geminianus am 31. Januar kurzzeitig pausieren.
FAQ
Gehört die Kathedrale von Modena zum UNESCO-Welterbe?
Ja, die Kathedrale von Modena wurde 1997 zusammen mit dem benachbarten Torre Civica (Torre Ghirlandina) und der Piazza Grande in das UNESCO-Welterbe aufgenommen.
Wann ist die Kathedrale von Modena für Besucher geöffnet?
Die Kathedrale ist täglich geöffnet, dienstags bis sonntags in der Regel von 7:00 bis 19:00 Uhr, montags mit getrennten Öffnungszeiten am Vormittag und Nachmittag. Während liturgischer Feiern sind touristische Besichtigungen ausgesetzt.
Was ist die Porta della Pescheria?
Die Porta della Pescheria ist das Nordportal der Kathedrale, das zwischen 1120 und 1140 geschaffen wurde. Berühmt ist es für eine der frühesten bekannten monumentalen Darstellungen der Artussage in Europa sowie für Darstellungen der bäuerlichen Arbeiten im Jahreslauf.



