
Piazza Grande in Modena: UNESCO-Platz und Essiglager
Betritt die Piazza Grande, Modenas pulsierenden Mittelpunkt, wo sich jahrhundertealte Geschichte vor einer Kulisse architektonischer Meisterwerke entfaltet. Dieses Herzstück des bürgerlichen und religiösen Lebens verbindet den Dom und die Ghirlandina mit dem historischen Mercato Albinelli und dem Viertel rund um den Palazzo Ducale entlang der antiken Via Emilia.
UNESCO-Welterbe im Herzen der Stadt
Im 12. Jahrhundert als Piazza del Duomo angelegt, erhielt der Platz seinen heutigen Namen erst Ende des 17. Jahrhunderts. Eingerahmt wird er von der romanischen Kathedrale im Westen, dem Ghirlandina-Turm im Norden, dem arkadengesäumten Palazzo Comunale im Nordosten und dem Erzbischöflichen Palais. 1997 wurde das gesamte Ensemble aus Piazza Grande, Dom und Turm offiziell zum UNESCO-Welterbe erklärt.
Markttreiben und mittelalterliche Justiz
Jahrhundertelang pulsierte hier Modenas wichtigster Freiluftmarkt, damals bekannt als Piazza delle Erbe. Die Stadtverwaltung herrschte mit strenger Hand: Marktzeiten und Standreihen waren peinlich genau geregelt, unerwünschtes Verhalten strikt untersagt. Doch der Platz war auch eine Bühne für die Justiz. Bei den samstäglichen Märkten gehörten Hinrichtungen, Folterungen und öffentliche Schandstrafen zum festen Programm.
Ein markantes Zeugnis dieser Epoche ist die Pietra Ringadora, ein gewaltiger, drei Meter langer Quader aus rotem Veroneser Kalkstein nahe der Kathedrale. Einst erfüllte er gleich mehrere Zwecke: Rednertribüne, Totenstein zur Identifizierung von Ertrunkenen aus den Kanälen und Schandbühne für Pleitiers. Zahlungsunfähige Schuldner mussten zur Strafe um den Platz ziehen und sich anschließend mit blankem Hintern auf den zuvor mit Terpentin bestrichenen Stein setzen.
Das Essiglager unter dem Dach
Direkt über dem Platz, im Dachgeschoss des Palazzo Comunale, liegt die Acetaia Comunale. In diesem 2003 eingerichteten städtischen Essiglager reift der traditionelle Balsamico in ausgewählten Holzfässern, die Namen wie Secchia, Panaro oder Torre Ghirlandina tragen, ergänzt durch fünf mächtige Mutterfässer, die sogenannten Rezdore.
Die Essigreifung nutzt die extremen Temperaturschwankungen unter dem Dach, brütende Sommerhitze und klirrende Winterkälte, um die langsame Verdunstung, Gärung und Reifung in den Holzfässern anzutreiben. Das edle Endprodukt hält die Stadt als Ehrengeschenk für Staatsgäste zurück, bietet aber freitags, an Wochenenden und Feiertagen auch Führungen und Verkostungen an.
Städtische Symbole und Traditionen
Die Piazza Grande ist geschmückt mit historischen Symbolen wie „La Bonissima“, einer Steinskulptur aus dem 13. Jahrhundert an der Ecke des Palazzo Comunale. Während eine örtliche Legende in ihr eine wohltätige Adlige namens Bona sieht, die die Hungernden speiste, deuten Historiker die Figur eher als Symbol für die offiziellen Marktmaße des Mittelalters.
Bis heute ist der Platz die wichtigste Bühne für die Stadtgemeinschaft und Kulturevents wie das jährliche FestivalFilosofia. Auch im Karneval erwachen hier lebendige Bräuche, wenn der Balkon des Rathauses zum Schauplatz des Sproloquio wird. Bei diesem Spektakel nehmen maskierte Volksfiguren wie Sandrone in traditionellen Stegreifreden die Stadtpolitik aufs Korn.
FAQ
Wo befindet sich die Acetaia Comunale?
Die Acetaia Comunale befindet sich im Dachgeschoss des Palazzo Comunale direkt über der Piazza Grande. Sie nutzt die extremen Temperaturschwankungen unter dem Dach, um den traditionellen Balsamico-Essig reifen zu lassen.
Was ist die Pietra Ringadora?
Die Pietra Ringadora ist ein gewaltiger, drei Meter langer Quader aus rotem Veroneser Kalkstein nahe der Kathedrale. Früher diente er als Rednerbühne, Aufbahrungstisch und Ort öffentlicher Demütigungen für zahlungsunfähige Schuldner.
Wer ist La Bonissima?
La Bonissima ist eine Steinskulptur aus dem 13. Jahrhundert am Palazzo Comunale. Nach lokaler Überlieferung stellt sie eine wohltätige Adlige dar, während Historiker sie mit den Maßeinheiten des mittelalterlichen Marktes verbinden.



