Porta Santi Quaranta: Trevisos venezianisches Tor - Treviso
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Porta Santi Quaranta: Trevisos venezianisches Tor

Treviso, Italy

Am westlichen Ende des Borgo Cavour wacht die Porta Santi Quaranta, eines der wichtigsten historischen Stadttore in den Befestigungsanlagen Trevisos aus dem 16. Jahrhundert. Zusammen mit der Porta San Tomaso im Norden und der mittelalterlichen Porta Altinia im Süden gehört sie zu den einzigen drei erhaltenen Toren des einstigen Bastionenrings, der die Stadt entlang der heutigen Viale Bartolomeo d'Alviano nach Westen abschirmte.

Wehrtechnik und Renaissance-Architektur

Erbaut wurde das Tor zwischen 1516 und 1517 unter der Ägide des venezianischen Podestà Nicolò Vendramin. Es war zentraler Bestandteil der defensiven Generalüberholung unter Leitung von Fra Giocondo, nachdem die Republik Venedig 1509 in der Schlacht von Agnadello während des Kriegs der Liga von Cambrai eine schwere Schlappe erlitten hatte. Um der aufkommenden Artillerie etwas entgegenzusetzen, modernisierte Venedig die Festung Treviso: Der westliche Zugang rückte gut 100 Meter vor das alte mittelalterliche Tor, um den Verkehr aus Padua, Vicenza und Castelfranco scharf im Auge zu behalten.

Der Entwurf des quadratischen Torhauses wird weithin dem venezianischen Architekten und Bildhauer Alessandro Leopardi zugeschrieben. Im Inneren führen kreuzgewölbte Durchgänge unter der einstigen Wachstube hindurch, der Sala d'Arme, die von einem Ziegeldach auf Holzdachstuhl geschützt wird. Drei Durchlässe regelten das Geschehen: ein breiter Mittelbogen für Fuhrwerke und Karren, flankiert von zwei kleineren Pforten für den Fußgängerverkehr. Ursprünglich überquerte man den Festungsgraben über getrennte Zugbrücken für Fuhrwerke und Fußgänger, bevor später eine massive Steinbrücke errichtet wurde.

Die westliche Schaufassade trumpft monumental mit weißem istrischem Muschelkalk auf, gegliedert durch vier Pilaster und ein klassisches Gebälk. Der strahlend helle Stein setzt sich dramatisch von den begrünten Erdwällen, dem Wasser des Grabens und dem schlicht verputzten Mauerwerk der stadtzugewandten Ostseite ab.

Jahrhunderte voller Konflikte und Umbrüche

Im Lauf ihrer Geschichte spiegelte die Porta Santi Quaranta die politischen Erschütterungen der gesamten Region wider. 1797 machten sich französische Besatzungstruppen über die venezianischen Hoheitszeichen her und schlugen dem Markuslöwen an der Westfassade das Gesicht ab. Erst im 19. Jahrhundert wurde eine steinerne Replik angefertigt, um das ursprüngliche Bild wiederherzustellen.

Am 15. Juli 1866 diente das Tor dem Kavallerieregiment der Cavalleggeri di Monferrato während des Dritten Italienischen Unabhängigkeitskriegs als historisches Einfallstor. Mit ihrem Einmarsch wurde Trevisos offizieller Anschluss an das Königreich Italien besiegelt. Nach der italienischen Einigung taufte man das Bauwerk kurzerhand in Porta Cavour um. Ganze 66 Jahre lang blieb dieser Name haften, bis man sich 1932 eines Besseren besann und den historischen Namen wiedereinsetzte.

Inschriften und getilgter Stolz

Ihren Namen verdankt das Tor den Vierzig Märtyrern von Sebaste, römischen Soldaten, die unter Kaiser Licinius den Märtyrertod starben. Eine Widmung, die auf eine nahegelegene historische Kirche zurückgeht, aus der später die Kirche Sant'Agnese hervorging.

Auffallend sind die zwei unterschiedlichen Inschriften: Die Außenfassade empfängt Anreisende mit einer feierlichen lateinischen Widmung (Porta Sanctorum Quadraginta), während der Bogen zur Stadtseite hin den Einheimischen im venezianischen Dialekt entgegentritt (Porta Sancti Quaranta).

Der Stein erzählt auch von venezianischer Machtpolitik und eiserner Disziplin. Nach Vollendung des Tors versuchte Podestà Nicolò Vendramin dreist, das Monument nach sich selbst zu benennen: als „Porta Vendramina“, verewigt in einer Inschrift über dem Portal. Dem mächtigen venezianischen Rat der Zehn stieß diese Zurschaustellung persönlicher Eitelkeit sauer auf. Er ordnete an, den Namen des Podestà kurzerhand wegzumeißeln. Die Hiebspuren dieser staatlich verordneten Tilgung kannst du noch heute im Mauerwerk des südlichen Fußgängerdurchgangs sehen.

Das Tor im heutigen Stadtleben

Heute dient die Porta Santi Quaranta als offenes Stadttor, das den Borgo Cavour mit der baumbestandenen Flaniermeile auf den venezianischen Wällen und der äußeren Ringstraße verbindet. Gleich neben dem Tor wacht auf den Erdwällen seit 2006 der maßstabsgetreue Bronze-Nachguss einer venezianischen Kanone aus dem 16. Jahrhundert.

Die Stadtverwaltung nutzt die obere Sala d'Arme als Ausstellungsraum für wechselnde Schauen zu Bildhauerei, Kunst und Lokalgeschichte. An jedem vierten Sonntag im Monat öffnet die historische Wachstube traditionell für Führungen ihre Pforten, passend zum Trubel auf dem Antiquitätenmarkt im Borgo Cavour.

FAQ

Warum wurde die Porta Santi Quaranta gebaut?

Die Porta Santi Quaranta entstand zwischen 1516 und 1517 im Zuge einer militärischen Modernisierung nach Venedigs Niederlage bei Agnadello 1509. Sie verlegte Trevisos Westtor rund 100 Meter nach außen, um die Routen aus Padua, Vicenza und Castelfranco besser zu kontrollieren.

Woher stammen die Meißelspuren im Fußgängerdurchgang?

Podestà Nicolò Vendramin wollte das Tor nach sich selbst benennen: als Porta Vendramina. Dem venezianischen Rat der Zehn missfiel diese Selbstbeweihräucherung zutiefst, und er ließ den Namen kurzerhand herausmeißeln. Die Spuren dieser Abrechnung sind noch heute im südlichen Durchgang zu sehen.

Wie wird die Sala d'Arme heute genutzt?

Die Sala d'Arme dient als städtischer Raum für wechselnde Kunst- und Geschichtsausstellungen. Für Führungen öffnet sie meist am vierten Sonntag im Monat, zeitgleich mit dem beliebten Antiquitätenmarkt vor der Tür.

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