
Palazzo Barbaran da Porto: Palladios städtisches Meisterwerk
Der Palazzo Barbaran da Porto in der Contrà Porti 11 in Vicenza gilt als echtes Glanzlicht der Renaissance-Architektur. 1569 von Meisterarchitekt Andrea Palladio entworfen und zwischen 1570 und 1575 erbaut, hält das Bauwerk einen ganz besonderen Rekord: Es ist der einzige große Stadtpalast, den Palladio zu Lebzeiten vollständig vollenden konnte. In Auftrag gegeben vom vicentinischen Adligen Montano Barbarano, gehört die Residenz seit 1994 als Teil der Stätte „Vicenza und die palladianischen Villen im Veneto“ zum UNESCO-Welterbe.
Maßarbeit auf verwinkeltem Grund
Statt auf der grünen Wiese zu planen, stand Palladio vor der kniffligen Aufgabe, mehrere bereits bestehende Häuser der Familie Barbarano zu einer einzigen, herrschaftlichen Residenz zu verschmelzen. Und kaum waren die ersten Baupläne fertig gezeichnet, verkomplizierte sich das Ganze noch weiter: Barbarano kaufte kurzerhand ein Nachbarhaus hinzu. Dieser späte Zukauf zwang Palladio dazu, seinen gesamten Entwurf mitten im Prozess noch einmal umzuwerfen.
Die auffälligste Folge dieser spontanen Erweiterung ist das asymmetrische Hauptportal, das deutlich versetzt an der Fassade sitzt. Um die schrägen, unregelmäßigen Mauern der Altbauten geschickt zu kaschieren und gleichzeitig das darüberliegende Piano Nobile zu tragen, konstruierte Palladio im Erdgeschoss ein monumentales Atrium mit vier Säulen. Ein genialer Schachzug, der im Inneren die perfekte Illusion von Symmetrie erzeugt. Drei bis heute erhaltene Entwurfszeichnungen Palladios in London belegen eindrucksvoll, wie sich der Grundriss mit jedem neu erworbenen Quadratmeter dramatisch weiterentwickelte.
Manieristische Fassade und opulente Pracht
Von der Straße aus präsentiert sich der Palazzo Barbaran da Porto mit einer imposanten, zweigeschossigen Schauseite. Unten ionische Halbsäulen, oben korinthische, gekrönt von markant vorkragenden Gebälken. Anders als Palladios frühere, spürbar schlichtere Steinfassaden zeigt sich dieser Bau überreich verziert mit feinem Stuck und kunstvollen Girlanden, ganz im Sinne der manieristischen Ästhetik der Spätrenaissance.
Der Wechsel von der engen, schattigen Gasse hinein in das rhythmisch von Säulen gegliederte Atrium, das den Blick in den Innenhof freigibt, ist ein Meisterstück räumlicher Inszenierung. Auch im Inneren ließ Barbarano sich keineswegs lumpen: Namhafte Künstler aus Venedig und Verona wurden engagiert, um die Räume mit prächtigen Fresken und Stuckaturen auszustatten. In den Prunksälen kannst du Meisterwerke der Maler Battista Zelotti, Anselmo Canera und Andrea Vicentino bewundern, meisterhaft ergänzt durch skulpturale Details von Lorenzo und Agostino Rubini.
Palladio Museum und Forschungszentrum
An der Contrà Porti gelegen, einer traditionsreichen Prachtstraße voller gotischer und Renaissance-Paläste gleich nördlich der Piazza dei Signori, ist das Gebäude bis heute ein pulsierender Kulturtreffpunkt. Es beherbergt das Palladio Museum, das Originalzeichnungen, maßstabsgetreue Holzmodelle und Multimedia-Installationen zu Palladios bahnbrechenden Ideen präsentiert.
Darüber hinaus dient der Palazzo als Hauptsitz des Centro Internazionale di Studi di Architettura Andrea Palladio (CISA Palladio). Mit einer spezialisierten Fachbibliothek, internationaler Architekturforschung, Tagungen und wechselnden Ausstellungen stellt die Institution sicher, dass dieser Palast ein lebendiges Zentrum für Architekturbegeisterte aus aller Welt bleibt.
FAQ
Wann wurde der Palazzo Barbaran da Porto erbaut?
Der Palast wurde 1569 von Andrea Palladio entworfen und zwischen 1570 und 1575 für den vicentinischen Adligen Montano Barbarano errichtet.
Warum liegt das Hauptportal nicht in der Mitte?
Das asymmetrische Portal ist das Resultat einer kurzfristigen Grundstückserweiterung. Nachdem Palladio die ursprünglichen Pläne fertiggestellt hatte, kaufte der Bauherr ein Nachbarhaus dazu, weshalb der Architekt den Entwurf anpassen und das Portal versetzen musste.
Was befindet sich heute im Palazzo Barbaran da Porto?
Heute beherbergt der Palazzo das Palladio Museum mit originalen Architekturzeichnungen und Holzmodellen. Zudem ist er der Hauptsitz des Centro Internazionale di Studi di Architettura Andrea Palladio (CISA Palladio).



