
Palazzo da Schio: Vicenzas Ca' d'Oro
Bevor Andrea Palladio Vicenza mit klassischem Stein neu erfand, funkelte der Palazzo da Schio mit echtem Blattgold als stadteigene venezianisch-gotische „Ca' d'Oro“. Prominent am Corso Andrea Palladio gelegen, erinnert diese historische Residenz bis heute an den spätmittelalterlichen venezianischen Einfluss auf der zentralen Flaniermeile der Stadt.
Ein venezianisches Meisterwerk in Vicenza
Mit seiner markanten venezianisch-gotischen Fassade sticht der Palazzo da Schio deutlich aus der ansonsten palladianisch geprägten Architektur Vicenzas hervor. Die oberen Stockwerke bezaubern durch spitzbogige Dreipassfenster mit vier Bahnen, sogenannte Quadriforien, verziert mit zierlichen Säulen und filigranem Steinmetzwerk. Der Spitzname „Ca' d'Oro“ geht sowohl auf diese Ästhetik als auch auf die einstige Vergoldung zurück, die Kapitelle, Fensterrahmen und dekorative Fassadendetails erstrahlen ließ.
Das Erdgeschoss setzt dazu einen spannenden architektonischen Kontrast und greift plastische Elemente der Frührenaissance auf. Ein reich verziertes Eingangsportal aus rotem Marmor zeigt lombardische Reliefs mit Akanthusblättern, Kandelabermotiven und grotesken Fratzen.
Jahrhunderte adliger Geschichte
Der ursprüngliche Bau wurde im 14. Jahrhundert für die adelige Familie Caldogno errichtet. Zwischen 1477 und 1500 erweiterte die Familie Dal Toso das Gebäude um einen Innenhof. Schließlich ging das Palais 1677 an die Familie Da Schio über, als Dorotea Franceschini das Anwesen bei ihrer Heirat mit Graf Nicola di Giulio da Schio als Mitgift einbrachte. Seit fast 350 Jahren befindet sich das Anwesen nun durchgehend in Familienbesitz.
Einst schmückten bunte Fresken die Außenwände, die vermutlich Szenen aus den Kreuzzügen darstellten. Graf Almerico da Schio ahnte ihren Verfall voraus und ließ die Kunstwerke 1865 in einer wegweisenden Fotokampagne festhalten, eine Pioniertat der modernen Denkmalpflege. Diese Dokumentation erwies sich als unbezahlbar, denn bei alliierten Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg wurden die Fresken fast vollständig zerstört. Nach Kriegsende leitete der Architekt Ferdinando Forlati zwischen 1945 und 1949 eine umfassende Restaurierung.
Innenhof und Antiquarium
Hinter dem gewölbten Eingangstor öffnet sich ein ruhiger Steinhof, beherrscht von einer gewaltigen, über hundert Jahre alten Glyzinie, die mehr als 15 Meter emporrankt. Dieser Bereich beherbergt zusammen mit der Eingangshalle ein Lapidarium des 19. Jahrhunderts unter freiem Himmel, ein sogenanntes Antiquarium. Zusammengetragen von Graf Giovanni da Schio, einem Vorreiter der lokalen Archäologie, umfasst die Sammlung römische Meilensteinsäulen aus dem 4. Jahrhundert n. Chr., lateinische Inschriften und einen Marmorsarkophag aus dem 5. Jahrhundert. Die Fundstücke stehen noch immer exakt so arrangiert, wie Giovanni sie im 19. Jahrhundert platziert hat.
Das Gebäude birgt noch tiefere Geheimnisse, denn es ruht unmittelbar auf den Fundamenten des antiken römischen Vicetia entlang der historischen Via Postumia. Im Inneren des Palastes stößt du am Fuße der Prunkstreppe von 1772 auf eine bemerkenswerte Marmorskulpturengruppe von Francesco Leoni, welche die Allegorie von Tapferkeit und Betrug darstellt.
Heutige Nutzung und Zugang
Bis heute dient der Palazzo da Schio der Familie da Schio als privater Hauptwohnsitz. Darüber hinaus beherbergt das Gebäude Ateliers, Kanzleien und einen historischen Weinkeller, in dem die Weine des familieneigenen Guts reifen. Während die oberen Wohnetagen privat bleiben, öffnen sich das Atrium und das Antiquarium im Innenhof für die Öffentlichkeit bei exklusiven Führungen, Tagen des offenen Innenhofs und Kulturveranstaltungen wie Kammerkonzerten.
FAQ
Warum wird der Palazzo da Schio Ca' d'Oro genannt?
Der Spitzname geht auf seinen venezianisch-gotischen Baustil und die einstige Vergoldung zurück, die früher die äußeren Kapitelle, Fensterrahmen und Fassadendetails zierte.
Wem gehört der Palazzo da Schio?
Der Palazzo gehört der Familie da Schio, die ihn als Hauptwohnsitz nutzt. Sie erwarb das Anwesen im Jahr 1677 als Mitgift von Dorotea Franceschini.
Kann man den Palazzo da Schio besichtigen?
Obwohl das Gebäude größtenteils privat bewohnt und beruflich genutzt wird, sind das Atrium und das Antiquarium im Innenhof bei Führungen, speziellen Tagen des offenen Innenhofs und Kulturveranstaltungen wie Kammerkonzerten zugänglich.



