
Zitadelle Stari Bar: Montenegros antikes Herz
Stari Bar (Alt-Bar) thront auf einem strategischen Hügel, von Klippen natürlich geschützt, und zeugt von Jahrhunderten montenegrinischer Geschichte. Seine Ursprünge reichen bis in die illyrische Zeit zurück, von einer römischen Siedlung entwickelte es sich zu einer befestigten mittelalterlichen Stadt. Heute ist es ein riesiges Freilichtmuseum, dessen Ruinen von einer Vergangenheit erzählen, die von zahlreichen Reichen und entscheidenden Ereignissen geprägt war.
Ein Mosaik der Imperien
Die lange und umkämpfte Geschichte von Stari Bar ist in seine Architektur eingeschrieben. Die Stadt stand unter der Herrschaft der Illyrer, Römer, Byzantiner, der serbischen Nemanjić-Dynastie, der Venezianer und des Osmanischen Reiches, das ab 1571 über 300 Jahre lang regierte. Diese Abfolge von Herrschern hinterließ eine reiche kulturelle und architektonische Synthese. Romanische, gotische, Renaissance- und osmanische Stile sind unter den mehr als 240 Bauwerken innerhalb der Festungsmauern sichtbar.
Wendepunkte der Geschichte
Mehrere Schlüsselereignisse bestimmten den Werdegang von Stari Bar. Im Jahr 1077 wurde Mihajlo Vojislavljević in Bar zum ersten König von Zeta (einem Vorläufer Montenegros) gekrönt, ein bedeutender Moment für die Staatlichkeit der Region. 1571 fiel die Stadt an die Osmanen, was eine lange Periode unter ihrer Herrschaft einleitete. Ein entscheidender Wendepunkt kam während des Montenegrinisch-Osmanischen Krieges von 1876 bis 1878. Montenegrinische Truppen unter der Führung von Fürst Nikolaus I. eroberten die Stadt nach einer langen Belagerung zurück, bei der das Aquädukt der Stadt strategisch zerstört wurde.
Die Lebensader und ihr Ende
Das Aquädukt mit seinen 17 Bögen, ein beeindruckendes Werk osmanischer Ingenieurskunst aus dem 16. bis 17. Jahrhundert, war drei Jahrhunderte lang die Lebensader von Stari Bar. Sein Schicksal ist zentral für die Geschichte der Stadt. 1878 sprengten montenegrinische Truppen das Aquädukt, kappten so die Wasserversorgung und zwangen den osmanischen Kommandanten Ibrahim Bey zur Kapitulation. Nach diesem Ereignis wurde die Stadt weitgehend verlassen. Der endgültige Todesstoß kam am 15. April 1979, als ein Erdbeben der Stärke 6,9 das Aquädukt erneut vollständig zerstörte, was zur endgültigen Aufgabe des Ortes durch die verbliebenen Einwohner führte.
Stari Bar heute
Heute ist Stari Bar eine bedeutende archäologische Stätte und ein mehrere Hektar großes Freilichtmuseum. Obwohl viele Gebäude in Trümmern liegen, laufen aktive Restaurierungs- und Sicherungsarbeiten, und einige Gebäude wurden zu Ausstellungsräumen umfunktioniert. Hier finden kulturelle Veranstaltungen statt, darunter das jährliche Sommerfestival Barski ljetopis (Chronik von Bar). Außerhalb der alten Mauern blüht eine lebendige Gemeinschaft mit traditionellen Restaurants, Cafés und Geschäften. Der Ort ist auch dafür bekannt, dass hier im 12. Jahrhundert die „Chronik des Priesters von Duklja“ verfasst wurde, das älteste bekannte literarische Werk der Südslawen.
FAQ
Warum wurde Stari Bar verlassen?
Stari Bar wurde größtenteils verlassen, nachdem sein Aquädukt während einer Belagerung 1878 zerstört worden war. Die endgültige Aufgabe erfolgte nach einem verheerenden Erdbeben der Stärke 6,9 am 15. April 1979, das das Aquädukt erneut zerstörte und die wichtigste Wasserquelle kappte.
Wofür wird Stari Bar heute genutzt?
Heute ist Stari Bar ein Freilichtmuseum und eine bedeutende archäologische Stätte mit über 240 Bauwerken. Hier finden kulturelle Veranstaltungen statt, und der Bereich direkt vor den Mauern ist ein lebendiges Zentrum mit Geschäften und Restaurants.
Welche Bedeutung hat das Aquädukt von Stari Bar?
Das von den Osmanen erbaute Aquädukt war 300 Jahre lang die lebenswichtige Wasserversorgung der Stadt. Seine Zerstörung war ein historisches Schlüsselereignis: zuerst als militärische Taktik montenegrinischer Truppen 1878 und dann erneut durch das Erdbeben von 1979, was letztendlich zur Aufgabe der Stadt führte.
Gibt es in der Nähe von Stari Bar noch etwas anderes von historischem Interesse?
Ja, im nahegelegenen Dorf Mirovica steht die Stara Maslina, ein Olivenbaum, dessen Alter auf über 2.250 Jahre geschätzt wird. Er gilt als einer der ältesten Bäume Europas und trägt immer noch Oliven.



