
Pulvermagazin und Lapidarium in Stari Bar, Montenegro
Das in der historischen Festung von Stari Bar in Montenegro gelegene Pulvermagazin, auch Barutana genannt, zeugt vom Wandel der Stadt. Einst ein wichtiges Militärlager für Sprengstoff, dient das Gebäude heute dem friedlichen Zweck eines Lapidariums, das steinerne Überreste aus der reichen und vielschichtigen Vergangenheit der Stadt birgt. Es ist ein wesentlicher Bestandteil des Freilichtmuseums Stari Bar, das auf einem Hügel am Fuße des Berges Rumija liegt.
Eine Geschichte von Reichen und Konflikten
Die Ursprünge der Festung Stari Bar gehen auf eine römische Siedlung aus dem 6. Jahrhundert zurück. Ihre Befestigungsanlagen wurden zwischen dem 10. und 18. Jahrhundert erbaut. Die Stadt ging durch die Hände verschiedener Reiche, darunter das Byzantinische, Serbische, Venezianische und Osmanische Reich, von denen jedes seine architektonischen Spuren hinterließ. Der Bau des Pulvermagazins ist mit dieser langen Geschichte verbunden, die eine Mischung aus romanischen, gotischen, Renaissance- und osmanischen Stilelementen aufweist.
Die ursprüngliche Funktion des Gebäudes stand im Zusammenhang mit der Kriegsführung. Ein entscheidendes Ereignis fand während des Montenegrinisch-Osmanischen Krieges von 1877–1878 statt. Montenegrinische Streitkräfte unter der Führung von Mašo Vrbica belagerten die Stadt. Um die osmanische Garnison unter dem Kommando von Ibrahim Bey zur Kapitulation zu zwingen, zündeten die Montenegriner am 5. Januar 1878 eine 225 kg schwere Sprengladung im Aquädukt von Bar. Dieser Akt unterbrach die Wasserversorgung der Stadt, was nur vier Tage später zur Kapitulation der Osmanen führte.
Von der Zerstörung zur Bewahrung
Die Umwandlung des Gebäudes von einem Militärmagazin in ein Lapidarium markiert einen tiefgreifenden Wandel: von einem Ort mit zerstörerischem Potenzial zu einem Ort der historischen Bewahrung. Diese Verwandlung spiegelt die Entwicklung von Stari Bar selbst wider, einer einst strategischen Festung, die heute eine sorgfältig erhaltene archäologische Stätte ist. Der bekannte Archäologe Mladen Zagarčanin war maßgeblich an der Erforschung und Kuratierung des Lapidariums beteiligt und half dabei, die Geschichte des Ortes aufzudecken und zu präsentieren.
Artefakte im Lapidarium
Heute beherbergt das Lapidarium verschiedene archäologische Ausstellungen, die Einblicke in das Leben in Stari Bar in verschiedenen Epochen geben. Zu den wichtigsten Exponaten gehören Steininschriften aus dem frühen 14. Jahrhundert, die aus der ehemaligen St.-Nikolaus-Kirche stammen. Diese Kirche wurde später in eine Moschee umgewandelt und schließlich 1912 durch eine Munitionsexplosion zerstört.
Archäologische Ausgrabungen in der Gegend haben auch eine vielfältige Sammlung von tierischen Überresten zutage gefördert. Dazu gehören Wildschweinknochen, die zusammen mit Pfeilen gefunden wurden und auf Jagdpraktiken hindeuten, sowie große Mengen an Schnecken, Muscheln, Knochen von Haustieren und sogar Überreste von Schildkröten, die im Mittelalter als Gericht verzehrt wurden.
FAQ
Was ist das Pulvermagazin in Stari Bar?
Das Pulvermagazin, oder Barutana, war ein Gebäude in der Festung von Stari Bar, das zur Lagerung von Sprengstoff diente. Inzwischen wurde es in ein Lapidarium umgewandelt, ein Museum, in dem steinerne Artefakte und archäologische Funde aus der Region ausgestellt werden.
Was gibt es heute im Lapidarium zu sehen?
Das Lapidarium stellt verschiedene archäologische Funde aus Stari Bar aus. Zu den bemerkenswerten Stücken gehören Steininschriften aus der St.-Nikolaus-Kirche aus dem frühen 14. Jahrhundert sowie Artefakte aus der römischen, byzantinischen, serbischen, venezianischen und osmanischen Zeit.
Welches wichtige historische Ereignis in Stari Bar steht mit Sprengstoff in Verbindung?
Während der Belagerung von Stari Bar in den Jahren 1877–1878 zündeten montenegrinische Streitkräfte eine Sprengladung im Aquädukt der Stadt. Dadurch wurde die Wasserversorgung der osmanischen Garnison unterbrochen, was sie zur Kapitulation zwang.
Wo befindet sich das Pulvermagazin?
Das Pulvermagazin befindet sich in der Ruinenstadt Stari Bar, einem Freilichtmuseum, das auf einem Hügel etwa 4 Kilometer von der modernen Stadt Bar in Montenegro entfernt liegt.



