
Festung San Giovanni: Kotors historische Zitadelle
Die Festung San Giovanni thront auf dem gleichnamigen Berg, rund 280 Meter über Kotor, und krönt die weitläufigen Befestigungsanlagen der Stadt. Obwohl sie uneinnehmbar scheint, offenbart ihre Geschichte eine komplexere Realität: Die Festung und ihre Mauern wurden mindestens 14 Mal eingenommen, unter anderem von den Osmanen und den Briten. Diese vielschichtige Vergangenheit hat sich in ihre Mauern eingeschrieben, von denen aus man einen Panoramablick auf die Bucht von Kotor und die darunter liegende, zum UNESCO-Welterbe gehörende Altstadt hat.
Ein Jahrtausend Militärgeschichte
Die Ursprünge der Befestigungsanlagen auf diesem strategischen Bergrücken gehen auf die Illyrer um 100 v. Chr. zurück. Ein bedeutender Umbau erfolgte im 6. Jahrhundert unter dem byzantinischen Kaiser Justinian I., der die grundlegenden Verteidigungsstrukturen errichtete. Die prägendste Epoche begann 1420 mit der venezianischen Herrschaft. Fast vier Jahrhunderte lang, bis 1797, bauten die Venezianer die Festung umfassend aus und verstärkten sie. So schufen sie die meisten der heute sichtbaren Bauten, vor allem, um der ständigen Bedrohung durch osmanische Belagerungen zu begegnen.
Trotz dieser Verstärkungen fiel die Festung im 16. und 17. Jahrhundert zweimal an die osmanischen Truppen. Während der turbulenten Napoleonischen Kriege wechselte die Festung mehrfach den Besitzer: Sie ging an das französische Kaiserreich über, wurde von russischen Truppen unter Admiral Dmitri Senjawin besetzt und 1814 von den Briten erobert, bevor sie 1815 wieder unter österreichische Herrschaft fiel.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Befestigungsanlagen von den Österreichern aufgegeben. Später wurden sie im Zweiten Weltkrieg von den Achsenmächten besetzt, bis zur Befreiung der Stadt am 21. November 1944. An dieses Datum erinnert eine Inschrift über dem Meerestor, die Marschall Tito zugeschrieben wird. Ein schweres Erdbeben richtete 1979 erhebliche Schäden an, woraufhin die Region bis 2003 auf der UNESCO-Liste des gefährdeten Welterbes stand.
Architektonische Schichten im Wandel der Zeit
Die Festung ist ein Mosaik der Militärarchitektur und zeigt die Einflüsse ihrer illyrischen, byzantinischen, venezianischen und österreichischen Herrscher. Die steinernen Wälle, an manchen Stellen von unzähligen Händen glatt poliert, duften nach wildem Salbei und Thymian, der aus den Rissen im Kalkstein wächst. Im Ersten Weltkrieg fügten österreichische Soldaten dem Dach der Festung zwei Infanteriestellungen aus Beton hinzu, um die Verteidigung gegen den Artilleriebeschuss vom Berg Lovćen zu verstärken.
Dieses Verteidigungsnetzwerk reicht bis in die Stadt hinab. Das labyrinthische Netz aus engen, gewundenen Gassen in der Altstadt von Kotor wurde absichtlich so angelegt, um mögliche Eindringlinge zu verwirren. Zudem beherbergen viele Gebäude geheime Innenhöfe und Gänge, die bei Angriffen als strategische Fluchtwege dienten.
Die Festung heute
Heute ist die Festung San Giovanni eine wichtige Touristenattraktion, auch wenn sie heute eine von Erdbeben und Vegetation gezeichnete Teilruine ist. Die Hauptattraktion ist der anstrengende, aber lohnende Aufstieg zum Gipfel, für den man zwischen 1.350 und 1.500 Stufen überwinden muss. Auf dem Weg dorthin dient die 1518 erbaute Kirche Unserer Lieben Frau von der Gesundheit als markantes Wahrzeichen und Rastpunkt.
In der Hochsaison wird an den Zugangspunkten in der Altstadt ein Eintrittsgeld verlangt, montenegrinische Staatsbürger haben jedoch freien Eintritt. Oben gibt es keine öffentlichen Einrichtungen wie Toiletten oder Essensstände. Wer eine alternative Route sucht, kann den längeren, kostenlosen Weg namens „Leiter von Kotor“ nehmen, der außerhalb der nördlichen Stadttore beginnt und ebenfalls zur Festung führt.
FAQ
Wie alt ist die Festung San Giovanni?
Die Geschichte der Festung umfasst über ein Jahrtausend. Die ersten Befestigungsanlagen stammen aus der Zeit der Illyrer um 100 v. Chr., ein bedeutender Umbau erfolgte im 6. Jahrhundert durch den byzantinischen Kaiser Justinian I. Die Venezianer errichteten die meisten der heutigen Bauten zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert.
Wie viele Stufen sind es bis zur Spitze der Festung?
Der Aufstieg zum Gipfel der Festung San Giovanni ist eine anstrengende Wanderung über rund 1.350 bis 1.500 Stufen.
Gibt es eine Eintrittsgebühr für die Festung San Giovanni?
Ja, für den Aufstieg über die Hauptroute wird in der Hochsaison in der Regel eine Gebühr von rund 15 € erhoben. Für montenegrinische Staatsbürger ist der Eintritt jedoch kostenlos.
Was ist die Kirche Unserer Lieben Frau von der Gesundheit?
Die Kirche Unserer Lieben Frau von der Gesundheit ist ein bedeutendes, 1518 erbautes Wahrzeichen. Sie liegt etwa auf halber Höhe des Hauptaufstiegs zur Festung und dient Besuchern als beliebter Rastplatz.



