
Schloss der pommerschen Herzöge in Stettin: Geschichte und Rundgang
Auf dem Schlossberg thronend und mit weitem Blick über die Oder bildet das Schloss der pommerschen Herzöge das historische Herzstück von Stettin. Mehr als 500 Jahre lang war es die Hauptresidenz der slawischen Greifendynastie. Im Zweiten Weltkrieg in weiten Teilen zerstört, wurde es später gezielt wiederaufgebaut, um an eine glanzvolle Ära anzuknüpfen. Heute verbindet die weitläufige Anlage als lebendiges Kulturzentrum das tiefer gelegene Flussufer und die Altstadt mit den Prachtboulevards des 19. Jahrhunderts.
Fünf Jahrhunderte der Greifendynastie
Was im Frühmittelalter als slawische Burganlage begann, wuchs 1346 unter Herzog Barnim III. zum ersten steinernen Wohnsitz heran. Um 1490 bis 1491 ließ Herzog Bogislaw X. die Anlage anlässlich seiner Vermählung mit der polnischen Königstochter Anna Jagiellonica noch einmal beträchtlich ausbauen.
Gegen Ende des 16. Jahrhunderts engagierte Herzog Johann Friedrich italienische Steinmetze, um den Komplex in ein manieristisches Residenzschloss zu verwandeln. Herzog Philipp II. stiftete später einen eigenen Flügel für Kunstsammlungen und eine Bibliothek. Als 1637 mit Bogislaw XIV. der letzte Greifenherzog kinderlos starb, wurde das Herzogtum aufgeteilt. In der Folgezeit residierten hier schwedische Statthalter, ein verbannter polnischer König sowie preußische und deutsche Verwaltungsbeamte, die dem Schloss für den nüchternen Kasernenbetrieb einen Großteil seines Renaissance-Zierschmucks nahmen.
Wiederaufbau der Nachkriegszeit und slawisches Erbe
Im Zweiten Weltkrieg zerstörten alliierte Luftangriffe im Jahr 1944 rund 60 Prozent der Bausubstanz. Bei den aufwendigen Restaurierungsarbeiten zwischen 1958 und 1980 trafen die polnischen Denkmalpfleger eine ganz bewusste kulturpolitische Entscheidung.
Statt die zuletzt preußisch-deutsche Verwaltungsfestung wiederzuerrichten, versetzten sie das Schloss in den Zustand des 16. und 17. Jahrhunderts zurück. Damit rückten sie das vorpreußische, slawische Erbe der Region wieder ins Bewusstsein. Heute ragt das markante Zusammenspiel aus weiß verputzten Fassaden und grünen Kupferdächern wieder weithin sichtbar über dem Oderufer auf.
Schlosshöfe, Grüfte und Kulturschätze
Heute dient das Schloss als wichtigster regionaler Kulturknotenpunkt. Es beherbergt die Schlossoper, Konzertsäle wie den Herzog-Bogislaw-X.-Saal, eine Rüstkammer sowie wechselnde Museumsausstellungen. Der Große Schlosshof und der Münzhof stehen Besuchern frei offen, beide gesäumt von mehrstöckigen Bogengängen und verzierten Manierismus-Giebeln.
Ebenfalls zugänglich sind die herzogliche Dachterrasse, die Aussichtsplattform auf dem Glockenturm und die Fürstengruft mit den kunstvollen Zinn- und Bronzesarkophagen der Greifenherzöge.
Sagen und die astronomische Uhr
Das rhythmische Schlagen der Glocken lenkt den Blick hinauf zum Uhrturm im Großen Schlosshof, der eine barocke astronomische Uhr aus dem Jahr 1693 birgt. Das Kunstwerk zeigt einen grün bemalten Maskaron, dessen rollende Augen der Zeit folgen, während ein Zeiger aus seiner Nase ragt und eine bewegliche Narrenfigur die Glocken schlägt.
Auch die Mythen der Region leben hier weiter. Dem Volksglauben nach geht das Erlöschen der Greifendynastie auf den Fluch der Adligen Sidonia von Borcke zurück, die 1620 als Hexe hingerichtet wurde. Eine eigene Ausstellung in der Hexenzelle widmet sich diesem düsteren Kapitel. Ganz in der Nähe steht der mittelalterliche Siebenmäntelturm. Um ihn rankt sich die Anekdote eines Hofschneiders, der eingekerkert wurde, weil er den für herzogliche Prachtgewänder bestimmten Stoff heimlich unterschlug.
FAQ
Wann wurde das Schloss der pommerschen Herzöge zerstört und wiederaufgebaut?
Das Schloss wurde 1944 durch alliierte Bombardements schwer beschädigt und verlor dabei rund 60 Prozent seiner Bausubstanz. Zwischen 1958 und 1980 wurde es aufwendig rekonstruiert, um ihm seine Renaissance-Gestalt aus dem 16. und 17. Jahrhundert zurückzugeben.
Was gibt es im Schloss der pommerschen Herzöge zu sehen?
Das Schloss beherbergt Museumsausstellungen, eine Rüstkammer, Konzertsäle und die Schlossoper. Zu den zugänglichen Bereichen zählen der Große Hof und der Münzhof, die herzogliche Dachterrasse, die Aussichtsplattform auf dem Glockenturm sowie die Fürstengruft mit den Sarkophagen der Greifendynastie.
Wer war Sidonia von Borcke?
Sidonia von Borcke war eine pommersche Adlige, die 1620 wegen angeblicher Hexerei hingerichtet wurde. Der Legende nach verfluchte sie die Greifendynastie und besiegelte so deren Untergang. An diese Geschichte erinnert heute eine eigene Ausstellung in der Hexenzelle des Schlosses.
Wie funktioniert die astronomische Uhr des Schlosses?
Die barocke mechanische Uhr aus dem Jahr 1693 am Uhrturm zeigt einen grün bemalten Maskaron, dessen rollende Augen der Zeit folgen, während ein Uhrzeiger aus seiner Nase ragt und ein beweglicher Hofnarr die Glocken schlägt.



