
Kathedrale St. Maria Magdalena in Breslau
Die Kathedrale St. Maria Magdalena ist eine gotische Backsteinbasilika aus dem 14. Jahrhundert mitten in Breslau, eingepasst zwischen die Straßen Szewska und Łaciarska, nur wenige Schritte östlich des Großen Rings. An der historischen Route vom Marktplatz zum Dominikanerviertel gelegen, bildete sie einst zusammen mit St. Elisabeth das geistliche Rückgrat des mittelalterlichen Stadtlebens: zwei monumentale Bürgerpfarrkirchen auf Augenhöhe. Heute kennt man sie vor allem für ihre markanten Zwillingstürme, eine schwindelerregende Verbindungsbrücke und ein seltenes romanisches Portal, das wie selbstverständlich in die gotische Fassade eingelassen wurde.
Mittelalterliche Wurzeln und die Reformation
Ein romanischer Vorgängerbau stand bereits an dieser Stelle und wurde 1226 erstmals mit Pfarrrechten erwähnt, bevor der Mongolensturm von 1241 das Gebäude in Schutt und Asche legte. Nach einem verheerenden Stadtbrand im Jahr 1342 begann der Bau der heutigen gotischen Basilika. Baumeister Peschke vollendete die hohen Gewölbe um 1359–1360, und gegen Ende des 15. Jahrhunderts ragten schließlich auch die beiden Türme in den Himmel.
Im 16. Jahrhundert schrieb die Kirche dann Reformationsgeschichte: Im Oktober 1523 hielt der Reformator Johann Heß hier die allererste evangelische Predigt Schlesiens und machte die Gemeinde zum Epizentrum des religiösen und städtischen Umbruchs.
Das romanische Ołbin-Portal
Das architektonische Prunkstück der Kirche ist das Ołbin-Portal an der südlichen Außenwand. Im späten 12. Jahrhundert aus hellem Sandstein gehauen, hebt es sich fast dramatisch vom dunklen Rot des gotischen Backsteins ab. Sein tiefes Gewände wird auf jeder Seite von sechs skulptierten Säulen gerahmt, überzogen mit Pflanzen- und Tiermotiven, alttestamentlichen Szenen von Sündenfall und Vertreibung aus dem Paradies sowie kunstvollen Archivoltenreliefs aus dem Neuen Testament.
Das Portal ist ein Paradebeispiel für Spolien, also wiederverwertete Architektur. 1529 ließ der Breslauer Stadtrat die vor den Toren gelegene Vinzenzabtei in Ołbin kurzerhand abreißen, aus purer Furcht, heranrückende osmanische Truppen könnten das Kloster besetzen und als Festung gegen die Stadt nutzen. Die Ratsherren retteten das romanische Portal, lagerten die Steine siebzehn Jahre lang ein und setzten das Kunstwerk 1546 schließlich in die Südwand der Basilika ein.
Die Büßerinnenbrücke und der Wiederaufbau
In satten 45 Metern Höhe spannt sich die Büßerinnenbrücke zwischen den beiden Türmen, erstmals urkundlich erwähnt im Jahr 1459. Früher diente der luftige Steg bei Stadtfesten als Freiluftbühne für Blaskapellen oder als Abschussrampe für spektakuläre Feuerwerke. Die lokale Folklore dichtete dem Übergang freilich schaurigere Geschichten an: Angeblich müssen hier die Geister eitler Frauen, die sich zu Lebzeiten vor Heirat und harter Arbeit drückten, bis in alle Ewigkeit mit Besen den Steg fegen.
Im Mai 1945 beschädigte eine Munitionsexplosion den Südturm, riss die ursprüngliche Brücke in die Tiefe und brachte Schlesiens größte Glocke, die Armesünderglocke von 1386, zum Absturz, wobei sie zerbrach. Der aufwendige Wiederaufbau zog sich von 1947 bis 1970 hin, und um das Jahr 2000 kehrte schließlich auch die Verbindungsbrücke zurück. Seit Mai 1972 dient der Bau als Kathedrale der Polnisch-Katholischen Kirche, einer altkatholischen Gemeinschaft, die von Rom unabhängig ist. Heute fungiert die restaurierte Büßerinnenbrücke als Aussichtsplattform, die man sich über eine 247 Stufen lange Wendeltreppe im Nordturm allerdings erst erarbeiten muss.
FAQ
Was ist die Büßerinnenbrücke?
Die Büßerinnenbrücke ist ein Fußgängersteg, der in 45 Metern Höhe zwischen den beiden Türmen der Kathedrale schwebt. Erstmals 1459 erwähnt, wurde sie um das Jahr 2000 rekonstruiert und dient heute als offene Aussichtsplattform, die du über einen Aufstieg von 247 Stufen im Nordturm erreichst.
Warum hat eine gotische Kirche ein romanisches Portal?
Das Ołbin-Portal aus dem 12. Jahrhundert wurde aus der Vinzenzabtei gerettet, als das Kloster 1529 abgerissen wurde, damit anrückende osmanische Truppen es nicht als Festung gegen die Stadt nutzen konnten. Die Stadtväter verwahrten die Steine und bauten das Portal 1546 in die Südwand von St. Maria Magdalena ein.
Welche Konfession nutzt die Kathedrale St. Maria Magdalena?
Seit Mai 1972 dient das Gotteshaus als Kathedrale der Polnisch-Katholischen Kirche, einer altkatholischen Konfession, die von der römisch-katholischen Kirche unabhängig ist.




