
Aleksander-Fredro-Denkmal in Wrocław: Geschichte und Guide
Ein Wahrzeichen des Nachkriegs-Wrocław
Auf der Südseite des Großen Rings (Rynek), direkt vor dem Alten Rathaus (Stary Ratusz), steht das Aleksander-Fredro-Denkmal, eines der bekanntesten Wahrzeichen von Wrocław. Heute dient die Bronzeskulptur vor allem als lebendiger Treffpunkt und Kulisse für städtische Feste, doch hinter ihr verbirgt sich eine bewegte Geschichte, eng verwoben mit den europäischen Grenzverschiebungen und Zwangsumsiedlungen nach dem Zweiten Weltkrieg.
Das Standbild ehrt Graf Aleksander Fredro (1793–1876), einen gefeierten polnischen Komödiendichter und Lyriker der Romantik. Auf einem hellen Sandsteinsockel sitzt die Bronzefigur in einem Sessel, gekleidet in eine traditionelle polnische Adelstracht (czamara), in den Händen eine Pergamentrolle und ein Federkiel. Die dunkle, verwitterte Patina der Skulptur bildet einen markanten Kontrast zu den farbenfrohen, reich verzierten spätgotischen Fassaden des Rathauses im Hintergrund.
Die Reise von Lwów nach Wrocław
Entworfen vom Bildhauer Leonard Marconi im Auftrag der Literatur- und Kunstgesellschaft von Lwów, wurde das Denkmal am 24. Oktober 1897 auf dem dortigen Plac Akademicki (heute Lwiw, Ukraine) feierlich enthüllt. Über Jahrzehnte war es ein fester kultureller Bezugspunkt in Galizien und erinnerte an das tiefe bürgerliche wie schöpferische Wirken des Autors in der Region.
Infolge des Zweiten Weltkriegs und der auf der Konferenz von Jalta besiegelten Grenzverschiebungen fiel Lwów an die Sowjetunion. Auf Grundlage eines bilateralen Repatriierungsabkommens von 1945 wurden mehrere polnische Nationaldenkmäler nach Westen verlegt. Zusammen mit den Statuen von König Jan III. Sobieski (die nach Danzig kam) und Kornel Ujejski (nach Stettin) gelangte Fredros Denkmal 1950 nach Polen und wurde zunächst im Schlosspark von Wilanów vor den Toren Warschaus zwischengelagert.
Dass die Statue letztlich in Wrocław ihre dauerhafte Heimat fand, war von tiefer symbolischer Tragweite. Nach dem Krieg bestand ein Großteil der neuen polnischen Stadtbevölkerung aus vertriebenen Gelehrten, Künstlern und Bürgern aus Lwów. Die Aufstellung des Fredro-Denkmals im Herzen von Wrocław am 15. Juli 1956 schenkte dieser entwurzelten Gemeinschaft ein greifbares Zeichen kultureller Kontinuität. Es fand seinen Platz genau dort, wo bis zu ihrer Zerstörung 1945 eine monumentale bronzene Reiterstatue des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. gestanden hatte.
Historische Details und lokale Traditionen
Auf der Rückseite des Sockels hat sich eine authentische historische Spur erhalten: die galizische Originalinschrift von 1897, „Staraniem Koła Literacko-Artystycznego we Lwowie 1897“ („Dank der Bemühungen des Literatur- und Kunstkreises in Lwów 1897“).
Im Lauf der Jahrzehnte hat sich das Denkmal auch fest in moderne städtische Bräuche eingefügt. Jeden Januar versammeln sich angehende Abiturientinnen und Abiturienten (maturzyści) vor Fredro, um gemeinsam eine Polonaise zu tanzen. Einem lokalen Schülerglauben zufolge bringt der Tanz vor den Augen des Dramatikers Glück und eine „leichte Feder“ (lekkie pióro) für die anstehenden Abiturprüfungen. Zudem stand die Statue Pate für „Fredruś“, Wrocławs offenen Oldtimerbus für Stadtrundfahrten.
Ein kurioses Dauerthema im heutigen Leben des Denkmals ist der ständige Schwund von Fredros Schreibgerät. Der Federkiel wird regelmäßig von Souvenirjägern gestohlen oder abgebrochen, weshalb das städtische Straßen- und Instandhaltungsamt (ZDiUM) stets einen Vorrat an leichten Nachbildungen aus Verbundwerkstoff bereithält, um das fehlende Accessoire rasch zu ersetzen.
FAQ
Wo stand das Aleksander-Fredro-Denkmal ursprünglich?
Das Denkmal wurde ursprünglich 1897 auf dem Plac Akademicki in Lwów (dem heutigen Lwiw in der Ukraine) enthüllt, bevor es nach dem Zweiten Weltkrieg nach Polen überführt wurde.
Was stand vor dem Fredro-Denkmal an dieser Stelle in Wrocław?
Bis 1945 befand sich hier ein großes Reiterstandbild des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III., das gegen Ende des Krieges demontiert und zerstört wurde.
Warum muss die Schreibfeder am Denkmal immer wieder ersetzt werden?
Der Federkiel in der Hand des Dichters fällt regelmäßig Vandalismus und Diebstahl zum Opfer. Das städtische Straßen- und Instandhaltungsamt (ZDiUM) hält daher stets Nachbildungen aus leichtem Verbundwerkstoff auf Vorrat.
Welche Tradition pflegen Schüler am Denkmal?
Jeden Januar versammeln sich angehende Abiturienten vor der Statue, um eine traditionelle Polonaise zu tanzen, ein Ritual, das ihnen Glück und eine „leichte Feder“ für die anstehenden Abschlussprüfungen bescheren soll.




