Breslauer Dom: Geschichte, Türme und Ostrów Tumski - Wrocaw
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Breslauer Dom: Geschichte, Türme und Ostrów Tumski

Wrocaw, Poland

Das architektonische Herz von Ostrów Tumski

Die Erzkathedrale St. Johannes der Täufer ist der Sitz des römisch-katholischen Erzbistums Breslau und die Mutterkirche Niederschlesiens. Sie thront über Ostrów Tumski, der historischen Dominsel und dem ältesten Viertel der Stadt. Bis zum 19. Jahrhundert war dieser Ort eine echte Insel, ehe man den nördlichen Oderarm zuschüttete. Rund um den Dombezirk erstrecken sich verkehrsberuhigte Kopfsteinpflastergassen, in denen noch heute jeden Abend ein traditioneller Laternenanzünder die städtischen Gaslaternen von Hand entzündet.

Die dreischiffige gotische Basilika aus rotem Backstein misst rund 98 Meter in der Länge und 44,5 Meter in der Breite. Ihre Westfassade wird von markanten Zwillingstürmen beherrscht, die etwa 97 bis 98 Meter in die Höhe ragen. Johannes der Täufer ist nicht nur der Patron der Kathedrale, sondern auch Schutzheiliger von Breslau. Sein Haupt auf einer Schale bildet das Zentrum des offiziellen Stadtwappens.

Ein Jahrtausend des Bauens und Erneuerns

Die heutige Basilika ist bereits das vierte Gotteshaus an dieser Stelle. Ihre Wurzeln reichen bis zur Gründung des Bistums Breslau im Jahr 1000 zurück, die den Bau vorromanischer und romanischer Vorgängerbauten im 10. und 11. Jahrhundert anstieß. Seine gotische Gestalt nahm das Bauwerk im 13. und 14. Jahrhundert mit der Errichtung von Chor und Langhaus an, gefolgt von der Vollendung der Westtürme im 15. Jahrhundert. Spätere Jahrhunderte brachten prachtvolle barocke Kapellen wie die Elisabethkapelle und die Kurfürstliche Kapelle hervor, die im 17. und 18. Jahrhundert in den Chorumgang integriert wurden.

1945, während der Schlacht um Breslau gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, zerstörten verheerende Bombardements rund 70 Prozent der Kathedrale. Die Gewölbe stürzten ein, die Innenausstattung wurde vernichtet und die Turmdächer brannten vollständig aus. Zwar ermöglichten erste Instandsetzungen zwischen den späten 1940er-Jahren und 1951 die Wiedereröffnung für Gottesdienste, doch Breslaus Skyline blieb jahrzehntelang unvollständig. Erst 1991 hievte man die neu rekonstruierten Turmhelme im gotischen Stil an ihren Platz und schenkte der Kathedrale ihre unverwechselbare Zwillingssilhouette zurück.

Sakrale Kunst und steinerne Kuriositäten

Zu den größten Kunstschätzen des Doms zählt der manieristische Silberhochaltar, den Bischof Andreas Jerin 1591 in Auftrag gab. 1945 baute die Geistlichkeit das Kunstwerk vorsorglich ab und versteckte es vor der anrückenden Roten Armee. Nach Jahrzehnten im Verborgenen wurden die erhaltenen Teile aufwendig restauriert und im Dezember 2019 schließlich wieder im Chorraum aufgestellt.

Auch die Außenmauern hüten einzigartige Bruchstücke der Regionalgeschichte. In das südliche Backsteinmauerwerk ist eine hebräische Grabstele (Mazewa) aus dem Jahr 1203 eingelassen, die an einen Kantor namens David erinnert. Bei Reparaturarbeiten im Jahr 1917 entdeckt, gilt dieser Stein als das früheste materielle Zeugnis jüdischen Lebens in Breslau. Weiter oben an der Südturmfassade blickt ein steinerner Menschenkopf mit offenem Mund herab. Während Architekturhistoriker darin eine mittelalterliche Spolie sehen, die bei späteren Ausbesserungen verbaut wurde, erzählt die lokale Sage eine andere Geschichte: Es sei das Antlitz eines Goldschmiedegesellen, der just in dem Moment zu Stein erstarrte, als er dem von ihm selbst gelegten Großbrand zusah.

Den Dom besuchen

Der Breslauer Dom ist bis heute eine aktive katholische Pfarrkirche und Schauplatz bedeutender erzbischöflicher Messen. Das Hauptschiff steht Gläubigen und Besuchern täglich kostenlos offen. Wenn du hoch hinaus willst, findest du im Nordturm eine Aussichtsplattform, die du bequem per Aufzug und über ein paar Treppenstufen erreichst. Oben breiten sich die Flussarme der Oder und die Dächer der Breslauer Altstadt vor dir aus. Für die Aussichtsplattform sowie die historischen Kapellen benötigst du separate Eintrittskarten.

FAQ

Ist der Eintritt in den Breslauer Dom kostenlos?

Der Zugang zum Hauptschiff des Doms ist für Gläubige wie für Besucher kostenlos. Für die historischen Kapellen und die Aussichtsplattform auf dem Turm wird ein kostenpflichtiges Ticket benötigt.

Wie gelangt man zur Aussichtsplattform des Breslauer Doms?

Die Aussichtsplattform befindet sich im Nordturm und ist mit einem Aufzug sowie über ein paar anschließende Stufen erreichbar. Oben erwartet dich ein weiter Panoramablick über die Oder und die Breslauer Altstadt.

Was hat es mit dem steinernen Kopf an der Außenwand des Doms auf sich?

Hoch an der Außenseite des Südturms ist ein steinerner Kopf mit offenem Mund ins Mauerwerk eingelassen. Architekturhistoriker sehen darin eine mittelalterliche Spolie, die bei Reparaturen wiederverwendet wurde. Einer Breslauer Sage nach handelt es sich jedoch um einen Goldschmiedelehrling, der zu Stein erstarrte.

Wann wurden die Turmhelme des Doms nach dem Zweiten Weltkrieg wiederhergestellt?

Obwohl der Dom 1945 schwer beschädigt und schon 1951 wieder für Gottesdienste eröffnet wurde, wurden die markanten gotischen Turmhelme erst 1991 rekonstruiert und aufgesetzt.

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