
Brunnen an der Praça do Giraldo: Évoras historisches Herz
Um den heutigen Renaissanceplatz zu schaffen, riss die Stadt Évora einst einen antiken römischen Triumphbogen ab und verwandelte einen mittelalterlichen Markt in eine Bühne für königliche Hinrichtungen. Heute bildet die Praça do Giraldo das geometrische Herzstück der ummauerten Altstadt. Seit 1910 als portugiesisches Nationaldenkmal geschützt, dient der langgestreckte Platz als wichtigster Treffpunkt und lebendiges Wohnzimmer von Évora.
Der Renaissancebrunnen
Blickfang des Platzes ist der Chafariz da Praça do Giraldo, manchmal auch Fonte Henriquina genannt. Entworfen vom königlichen Architekten Afonso Álvares und zwischen 1570 und 1571 aus strahlend weißem Marmor erbaut, hebt sich das Renaissancebauwerk markant vom dunklen Granitmuster des traditionellen portugiesischen Calçada-Pflasters ab.
Aus genau acht gemeißelten Maskenspeiern plätschert ununterbrochen Wasser in das zentrale Becken. Diese menschlichen und mythischen Fratzen stehen ganz bewusst für die acht Hauptstraßen, die vom Platz sternförmig durch die Altstadt verlaufen. Einer beliebten lokalen Legende nach besuchte König Philipp III. von Spanien die Stadt im Jahr 1619 und fand den Brunnen so majestätisch, dass er gekrönt gehörte. In Wahrheit war die kunstvolle Bronzekrone auf der Spitze von Anfang an Teil des ursprünglichen Entwurfs.
Eine finstere und dramatische Geschichte
Im 13. und 14. Jahrhundert noch als Terreiro oder Praça de Alconchel bekannt, begann der Ort als mittelalterlicher Marktplatz und Schauplatz für Stierkämpfe. Später wurde er zu Ehren von Geraldo Geraldes umbenannt, bekannt als Gerald der Furchtlose. Nachdem er Évora zwischen 1165 und 1167 durch einen listigen Handstreich der maurischen Herrschaft entrissen hatte, wurde er zum Statthalter ernannt. Sein Vermächtnis lebt im Stadtwappen weiter, das den Ritter zu Pferd über abgetrennten Köpfen zeigt.
Hinter seiner heutigen Schönheit verbirgt der Platz eine düstere Vergangenheit. 1483 ließ König João II. genau hier Fernando II., den Herzog von Braganza, wegen Hochverrats öffentlich enthaupten. Vom 16. bis zum 18. Jahrhundert diente der Platz als Schauplatz für öffentliche Hinrichtungen und Autodafés, die das Tribunal der portugiesischen Inquisition in Évora veranstaltete.
Bei einer umfassenden Neugestaltung in den 1570er-Jahren riss man kurzerhand einen antiken römischen Triumphbogen und einen mit Marmorlöwen verzierten Aquäduktbrunnen von 1537 ab. Dieser Kahlschlag schuf freie Sicht auf den neuen weißen Marmorbrunnen und die Renaissancekirche Igreja de Santo Antão am nördlichen Ende des Platzes.
Évoras Wohnzimmer heute
Unter den durchgehenden Steinarkaden aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, die den Platz säumen, trifft sich das Leben. Die hallenden Gewölbegänge spenden Schatten für Kunsthandwerk, Konditoreien, das städtische Tourismusbüro und belebte Terrassen wie die des Café Arcada. Als zentraler Orientierungspunkt verbindet der Platz ganz selbstverständlich den Weg nach Norden zur Kathedrale von Évora und dem Römischen Tempel mit den Gassen nach Süden, die zur Knochenkapelle führen.
FAQ
Warum hat der Brunnen an der Praça do Giraldo genau acht Wasserspeier?
Die acht aus Marmor gemeißelten Maskenspeier symbolisieren ganz bewusst die acht Hauptstraßen, die von der Praça do Giraldo sternförmig durch die Altstadt führen.
Nach wem ist die Praça do Giraldo benannt?
Der Platz ist nach Geraldo Geraldes benannt, auch bekannt als Gerald der Furchtlose, einem Ritter, der Évora zwischen 1165 und 1167 aus maurischer Hand eroberte.
Wann wurde der Brunnen an der Praça do Giraldo erbaut?
Der Renaissancebrunnen aus weißem Marmor wurde zwischen 1570 und 1571 vom königlichen Architekten Afonso Álvares erbaut.
Was geschah während der Inquisition auf der Praça do Giraldo?
Vom 16. bis zum 18. Jahrhundert nutzte das Tribunal der portugiesischen Inquisition in Évora den Platz als Schauplatz für öffentliche Hinrichtungen und Autodafés.



