
Guide zu Évoras Knochenkapelle und Franziskuskirche
Bewundere die imposante Architektur dieser geschichtsträchtigen Kirche, die vor allem für ihre berühmte Knochenkapelle bekannt ist. An der Praça 1º de Maio mitten im UNESCO-geschützten Altstadtkern von Évora gelegen, ist die Igreja de São Francisco ein unverzichtbarer Halt auf jedem Stadtrundgang. Sie grenzt direkt an den Stadtgarten und die Überreste des einstigen königlichen Palasts. Zwischen 1475 und Anfang des 16. Jahrhunderts im Auftrag der portugiesischen Könige João II. und Manuel I. neu errichtet, schmücken das Hauptportal noch heute stolz königliche Wappen wie der Pelikan und die Armillarsphäre.
Ein schauriges Memento Mori
Das berühmteste Highlight der Kirche, die Capela dos Ossos (Knochenkapelle), entstand zwischen dem 16. und 17. Jahrhundert während der Gegenreformation durch drei Franziskanermönche. Die Idee dazu entstammte einer handfesten städtischen Immobilienkrise: Im 16. Jahrhundert waren Dutzende kirchliche und städtische Friedhöfe in Évora hoffnungslos überfüllt und nahmen wertvollen Baugrund in Beschlag.
Um Platz für neue Gräber zu schaffen, wurden die Gebeine exhumiert. Doch statt sie einfach fortzuschaffen, arrangierten die Franziskaner die Knochen zu kunstvollen Mustern und architektonischen Elementen. Diese makabre Inszenierung diente als eindringliches Memento Mori, um die Menschen an die Vergänglichkeit des irdischen Lebens und die Eitelkeit materieller Besitztümer zu erinnern.
Im Inneren der Knochenkapelle
Das seit 1910 unter Denkmalschutz stehende Beinhaus ist 18,7 Meter lang und 11 Meter breit. Es gliedert sich in drei Schiffe, die von acht zentralen Pfeilern getragen werden. Wände, Pfeiler und Gewölbebögen sind lückenlos mit den Schädeln und Knochen von schätzungsweise 5.000 menschlichen Skeletten verkleidet, fixiert mit Zement und Mörtel.
Über dem Eingang prangt die berühmte portugiesische Inschrift „Nós ossos que aqui estamos pelos vossos esperamos“ („Wir Knochen, die wir hier liegen, warten auf die euren“). Im Inneren fällt gedämpftes Tageslicht durch drei kleine Maueröffnungen auf der linken Seite und bricht sich mit punktuellen Scheinwerfern, die die aufgeschichteten Knochen und freiliegenden Schädel anstrahlen.
Künstlerische Kontraste und historische Relikte
Auch die Decke der Kapelle hält weitere Mahnungen an die Sterblichkeit bereit. Das weiß verputzte Kreuzgewölbe aus dem Jahr 1810 ist mit allegorischen Fresken, Kreuzen und symbolischen Motiven bemalt. Zudem ziert das Gewölbe ein lateinisches Zitat aus Kohelet 7,1: „Melior est dies mortis die nativitatis“ („Besser ist der Tag des Todes als der Tag der Geburt“).
Im krassen Kontrast zum morbiden Beinhaus empfängt dich die moderne Eingangshalle mit kunstvollen Azulejo-Kachelpaneelen des Pritzker-Preisträgers Álvaro Siza Vieira, die Motive der Geburt und das Wunder des Lebens darstellen.
Neben dem Altar birgt ein Marmorsarkophag die Gebeine der drei Franziskanermönche aus dem 13. Jahrhundert, die das Kloster von Évora einst gründeten. Außerdem sind in Vitrinen zwei mumifizierte Leichen zu sehen, ein Erwachsener und ein Kind. Historische Untersuchungen belegen, dass es sich um ganz gewöhnliche Bestattungen handelte, die durch die besonderen Bodenverhältnisse auf natürliche Weise konserviert wurden. Früher hingen sie frei an den Wänden der Kapelle.
Heutiger Betrieb und Zugang
Heute wird der denkmalgeschützte Komplex gemeinsam vom Erzbistum Évora und dem portugiesischen Staat als Museum betrieben. Das reguläre Eintrittsticket umfasst den Zugang zur Knochenkapelle, zum Museum für sakrale Kunst im Kloster und zu einer ständigen Krippensammlung, der Galeria dos Presépios.
Die Igreja de São Francisco ist nach wie vor eine aktive katholische Pfarrkirche. Hier finden regelmäßig Messen statt, während derer der Besuchereinlass zur Knochenkapelle vorübergehend pausiert wird.
FAQ
Wie viele Skelette befinden sich in der Knochenkapelle?
Die Wände, Pfeiler und Bögen der Knochenkapelle sind mit den Schädeln und Gebeinen von schätzungsweise 5.000 menschlichen Skeletten verkleidet.
Warum wurde die Knochenkapelle gebaut?
Sie entstand im 16. und 17. Jahrhundert, um die akute Überfüllung der städtischen Friedhöfe in Évora zu lösen. Durch die Exhumierung der Gebeine wurde wertvoller Baugrund frei. Die Franziskanermönche arrangierten die Knochen daraufhin als Memento Mori, um an die Vergänglichkeit des irdischen Lebens zu erinnern.
Was bedeutet die Inschrift über dem Eingang der Knochenkapelle?
Die portugiesische Inschrift über dem Portal lautet „Nós ossos que aqui estamos pelos vossos esperamos“, was übersetzt so viel heißt wie: „Wir Knochen, die wir hier liegen, warten auf die euren.“
Wird die Igreja de São Francisco noch aktiv als Kirche genutzt?
Ja, die Igreja de São Francisco ist eine aktive katholische Pfarrkirche, in der regelmäßig Gottesdienste gefeiert werden. Während der Messen wird der Zugang zur Knochenkapelle vorübergehend ausgesetzt.



