
Brukenthal-Palais: Sibius barockes Museum und Kunstgalerie
Das Brukenthal-Palais dominiert den Großen Ring von Sibiu und ist eines der bedeutendsten Barockdenkmäler Rumäniens. Die prächtige ehemalige Residenz mit ihrer imposanten Fassade beherbergt heute das Nationale Brukenthal-Museum, eine zentrale Kulturinstitution mit einer reichen Geschichte, die Sibiu einst an die Spitze der europäischen Kulturentwicklung katapultierte.
Die Vision eines Gouverneurs
Das Palais wurde zwischen 1778 und 1788 als persönliche Residenz des Barons Samuel von Brukenthal erbaut. Als habsburgischer Gouverneur von Siebenbürgen von 1774 bis 1787 war Brukenthal persönlicher Berater von Kaiserin Maria Theresia und der einzige Sachse in der Geschichte, der in eine so hohe Position berufen wurde. Der von Wiener Palais inspirierte Entwurf wird dem Architekten Joseph Franz Martinelli zugeschrieben und zeigt einen eleganten spätbarocken Stil mit klassizistischen Elementen. Das Palais wurde eigens dafür gebaut, die umfangreiche und wertvolle Kunstsammlung des Barons zu beherbergen.
Ein Pionier der öffentlichen Kultur
In einem für die damalige Zeit bemerkenswerten Schritt machte Baron von Brukenthal seine Kunstgalerien bereits 1790 der Öffentlichkeit zugänglich, ganze drei Jahre, bevor der Louvre in Paris offiziell seine Pforten öffnete. Damit schuf er eines der ersten öffentlichen Museen in Europa. Nach Brukenthals Tod im Jahr 1803 gingen das Palais und seine Sammlungen testamentarisch an die Evangelische Kirche über. Dies führte 1817 zur offiziellen Eröffnung des Brukenthal-Museums. Das Engagement des Barons für die Aufklärung der Öffentlichkeit umfasste auch die Förderung der ersten lokalen wissenschaftlichen Zeitschrift und die Bereitstellung eines Saals für die Gesellschaft der Leser.
Das Palais heute: Ein nationales Juwel
Heute ist das Brukenthal-Palais das Hauptgebäude des Nationalen Brukenthal-Museums, eines Komplexes aus sechs Museen, die über Sibiu verteilt sind. Es beherbergt die Europäische Kunstgalerie mit etwa 1.200 Gemälden aus dem 15. bis 18. Jahrhundert und die riesige Brukenthal-Bibliothek mit rund 300.000 Medieneinheiten. Nach einer umfassenden Renovierung zwischen 2006 und 2009 setzt das Palais sein Erbe als zentraler Knotenpunkt für europäisches und rumänisches Kulturgut fort.
Künstlerische und botanische Kuriositäten
Die Sammlung des Museums birgt viele Schätze. Ein bemerkenswertes Werk ist das „Bildnis eines Mannes mit blauem Chaperon“ von Jan van Eyck. Das Gemälde enthält Ultramarin-Pigment, eine Farbe, deren Wert zur Zeit seiner Entstehung mit Gold aufgewogen wurde. Abgesehen von der Kunst war Baron von Brukenthal auch ein begeisterter Botaniker, der exotische Pflanzen wie Ananas und Orangen anbaute, die im Siebenbürgen des 18. Jahrhunderts äußerst selten waren. Diese seltenen Früchte sind manchmal in Stillleben seiner Sammlung abgebildet.
FAQ
Wann wurde das Brukenthal-Palais erbaut?
Das Brukenthal-Palais wurde zwischen 1778 und 1788 erbaut, wobei das Hauptgebäude bereits 1785 fertiggestellt war.
Was ist das Besondere an der Geschichte des Brukenthal-Museums?
Die Kunstgalerien im Brukenthal-Palais wurden bereits 1790 für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht, drei Jahre vor der offiziellen Eröffnung des Louvre in Paris. Das macht es zu einem der ersten öffentlichen Museen Europas.
Was gibt es heute im Brukenthal-Palais zu sehen?
Das Palais beherbergt die Europäische Kunstgalerie mit rund 1.200 Gemälden aus dem 15. bis 18. Jahrhundert sowie die Brukenthal-Bibliothek, die etwa 300.000 Medieneinheiten umfasst.
Wer war Baron Samuel von Brukenthal?
Baron Samuel von Brukenthal (1721–1803) war habsburgischer Gouverneur von Siebenbürgen und persönlicher Berater von Kaiserin Maria Theresia. Er war ein leidenschaftlicher Kunstsammler und der Gründer des Palais und seines Museums.



