Der Zimmermannsturm in Hermannstadt: Die Festung einer mittelalterlichen Zunft - Sibiu
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Der Zimmermannsturm in Hermannstadt: Die Festung einer mittelalterlichen Zunft

Sibiu, Romania

Der Zimmermannsturm, auf Rumänisch Turnul Dulgherilor, ist ein eindrucksvoller Überrest der mittelalterlichen Stadtmauern von Hermannstadt (Sibiu). Das robuste Bauwerk aus Ziegeln und Stein ist ein Zeugnis des mächtigen Zunftwesens der Stadt und ihrer ausgedehnten Verteidigungsanlagen, die heute Teil des UNESCO-Weltkulturerbes sind.

Eine von Handwerkern geprägte Geschichte

Nach dem verheerenden Mongolensturm von 1241 unternahm die Stadt Hermannstadt gewaltige Anstrengungen zur Befestigung. Der Zimmermannsturm war Teil des dritten Befestigungsrings, dessen Bau zwischen 1357 und 1366 begann. Im mittelalterlichen Hermannstadt wurde jeder Handwerkszunft die Pflicht übertragen, einen bestimmten Turm oder Abschnitt der Stadtmauer zu errichten, zu unterhalten und zu verteidigen. Die Zimmermannszunft war somit für diesen Turm verantwortlich.

Im 15. Jahrhundert, nach mehreren Belagerungen, wurde der Turm mit Pechnasen verstärkt, auskragenden Wurferkern, die es den Verteidigern ermöglichten, Angreifer am Fuß der Mauer zu attackieren. Als seine militärische Bedeutung während der Habsburgerherrschaft schwand, diente der Turm als Beobachtungsposten und Lager. Umfangreiche Renovierungen wurden 1967-1972 und erneut 2007 durchgeführt.

Architektur und Verteidigung

Man geht davon aus, dass die heutige Form des 20 bis 21,65 Meter hohen Turms aus dem frühen 16. Jahrhundert stammt. Er zeichnet sich durch ein besonderes Design aus, mit einer kreisförmigen Basis, die in ein achteckiges Prisma übergeht. Der obere Teil kragt nach außen vor, getragen von Konsolen mit Bögen und „guri de păcură“ (Pechnasen), durch die Substanzen auf Angreifer geschüttet werden konnten. Seine Fassade erinnert manche an einen Schiffsbug, ein ungewöhnliches Merkmal für einen Wehrturm. Das Bauwerk wird von einem achteckigen Pyramidendach aus Holz und Ziegeln abgeschlossen, gekrönt von einer Wetterfahne mit dem Zunftemblem der Zimmerleute: zwei gekreuzte Äxte.

Der Turm heute

Heute dient der Zimmermannsturm als Museum. Gegen eine geringe Gebühr können Besucher sein Inneres erkunden und zu einer Aussichtsplattform aufsteigen, die einen Panoramablick auf die Ziegeldächer von Hermannstadt und die fernen Berge bietet. Im Inneren zeigen Exponate Modelle alter Festungsanlagen, historische Waffen und Werkzeuge der Zimmermannsmeister, ergänzt durch Tafeln, die die Geschichte der städtischen Handwerker beleuchten.

Der Turm befindet sich in der Burggasse (Strada Cetății) und ist der nördlichste von drei erhaltenen mittelalterlichen Türmen in dieser Straße. Er ist durch einen rekonstruierten Wehrgang mit dem Töpferturm verbunden und Teil einer beliebten Fußgängerroute. Der Turm ist in der Regel von Dienstag bis Sonntag geöffnet und beherbergt im Sommer gelegentlich Sonderausstellungen und Handwerker-Workshops.

FAQ

Wer erbaute den Zimmermannsturm in Hermannstadt?

Der Zimmermannsturm wurde von der sächsischen Zunft der Zimmerleute erbaut, instand gehalten und verteidigt. Dies war Teil ihrer bürgerlichen und militärischen Pflicht, die Stadt Hermannstadt zu schützen.

Kann man den Zimmermannsturm von innen besichtigen?

Ja, der Turm ist als Museum für die Öffentlichkeit zugänglich. Gegen eine geringe Gebühr können Besucher den Turm besteigen, historische Ausstellungsstücke besichtigen und eine Aussichtsplattform mit Panoramablick genießen.

Welches Symbol befindet sich auf der Spitze des Zimmermannsturms?

Auf der Turmspitze befindet sich eine Wetterfahne aus Blech. Sie trägt das Emblem der Zimmermannszunft: zwei gekreuzte Äxte.

Wo befindet sich der Zimmermannsturm?

Der Turm befindet sich in der Strada Cetății (Burggasse) in Hermannstadt (Sibiu), Rumänien. Er ist Teil des historischen dritten Befestigungsrings der Stadt und in das zum UNESCO-Weltkulturerbe zählende historische Zentrum integriert.

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