
Urban-Turm: Košices historischer Glockenturm
Der Urban-Turm steht als markanter, prismatischer Renaissance-Glockenturm in der Hlavná ulica, gleich nördlich des Elisabeth-Doms. Mit einer Höhe zwischen 45 und 58 Metern wird das Bauwerk von einem Pyramidendach gekrönt, auf dem ein eisernes Doppelkreuz thront. Zusammen mit dem Elisabeth-Dom und der St.-Michaels-Kapelle bildet der Turm das architektonische Dreigestirn im historischen Zentrum von Košice. Seit 1970 steht er als Nationales Kulturdenkmal unter Schutz und legt Zeugnis ab vom Durchhaltevermögen und dem steten Wandel der Stadt.
Eine Geschichte von Feuer und Wiederaufbau
Ursprünglich im 16. Jahrhundert als freistehender Glockenturm für den benachbarten gotischen Dom errichtet, hat der Urban-Turm so manchen Wandel durchgemacht. Der Baumeister Martin Lindtner aus Prešov leitete 1628 einen Umbau im Stile des Manierismus. Später, im Jahr 1775, verpasste man dem Turm eine barocke Zwiebelhaube, bevor im frühen 19. Jahrhundert Modifikationen im Empire-Stil folgten. Im Dezember 1966 schlug dann das Schicksal zu: Ein verheerendes Feuer zerstörte das Dach und ließ die historische, sieben Tonnen schwere St.-Urbans-Glocke von 1557 zerspringen. Nach dem Brand wurde der Turm zwischen 1967 und 1971 wiederaufgebaut. Eine spätere, mehrstufige Außenrestaurierung, die Anfang 2026 abgeschlossen wurde, verhalf den Fassaden zu neuem Glanz und modernisierte die Räumlichkeiten im Erdgeschoss.
Das Arkaden-Lapidarium und der Römerstein
Am Fuß des Turms zieht sich ein gewölbter Arkadengang entlang, der 1911 bis 1912 errichtet wurde. Dieser Bereich dient als Freiluft-Lapidarium und beherbergt 36 historische Grabsteine, die direkt in die Wände eingelassen sind. Seit der Restaurierung von 2026 schützt eine verglaste Front die jahrhundertealten Steine vor dem Verfall. Während 35 dieser Denkmäler aus dem 14. bis 17. Jahrhundert stammen, ist ein besonders bemerkenswertes Stück noch viel älter: Der sogenannte Römerstein reicht bis ins 3. oder 4. Jahrhundert n. Chr. zurück. Bei jüngsten Arbeiten machten Restauratoren zudem eine spannende Entdeckung: Die Steinblöcke, die das Eckmauerwerk des Turms verstärken, stammten von einer früheren, abgebrochenen mittelalterlichen Kirche.
Glocken und Ausstellungen im Inneren
Der Turm ist dem heiligen Urban geweiht, dem Schutzpatron der Winzer. Das unterstreicht die einst enorme wirtschaftliche Bedeutung des Weinhandels und der Tokajer Weinstraßen für das mittelalterliche Košice. Heute liegen die wieder zusammengefügten Trümmer der ursprünglichen Bronzeglocke von 1557 direkt vor dem Turm unter freiem Himmel. Sie bilden einen eindrucksvollen Kontrast zum Klang der funktionsfähigen Stahlreplik von 1996, die hoch oben in der Glockenstube läutet. Im Inneren des Turms widmen sich historische Ausstellungen Themen wie der Messweinproduktion, mittelalterlichen Wallfahrten und dem eucharistischen Wunder von Košice aus dem 14. Jahrhundert. Übrigens: Der lokalen Legende nach bleibt jeder, der die Urbansglocke läutet, ein ganzes Jahr lang unverheiratet.
FAQ
Warum ist der Urban-Turm dem heiligen Urban geweiht?
Der Turm ist dem heiligen Urban, dem Schutzpatron der Winzer, geweiht. Dies spiegelt die historische Bedeutung des Weinhandels und der Tokajer Weinstraßen für die Wirtschaft des mittelalterlichen Košice wider.
Was geschah mit der ursprünglichen Glocke des Urban-Turms?
Die ursprüngliche, sieben Tonnen schwere St.-Urbans-Glocke von 1557 zersprang bei einem verheerenden Brand im Dezember 1966. Ihre zusammengefügten Fragmente sind heute dauerhaft im Freien vor dem Turm ausgestellt, während eine Stahlreplik aus dem Jahr 1996 oben in der Glockenstube hängt.
Was hat es mit dem Römerstein am Urban-Turm auf sich?
Der Römerstein ist ein historischer Grabstein, der im Lapidarium im Erdgeschoss des Turms eingelassen ist. Während die meisten der 36 Grabsteine im Arkadengang aus dem 14. bis 17. Jahrhundert stammen, reicht der Römerstein bis ins 3. oder 4. Jahrhundert n. Chr. zurück.



