Martzana Kaia: Bilbaos Kai und literarische Spuren
Am linken Ufer der Mündung von Bilbao, zwischen den Brücken San Antón und Ribera gelegen, schlägt Martzana Kaia (Muelle de Marzana) eine Brücke zwischen dem mittelalterlichen Casco Viejo und Bilbaos industrieller Vergangenheit, sowohl räumlich als auch kulturell. Einst eine rußgeschwärzte Laderampe, präsentiert sich der Kai im Viertel Bilbo Zaharra heute als Flaniermeile, geprägt vom sanften Plätschern des Wassers an den Steinmauern und dem lebhaften Gemurmel auf den Uferterrassen.
Die Shakespeare-Verbindung
Im Pflaster der Promenade sind Stahlbänder und gravierte Platten mit historischen Texten auf Baskisch, Spanisch und Englisch eingelassen. Darunter findet sich auch ein Zitat aus William Shakespeares Hamlet, das von „bilboes“ spricht. Im elisabethanischen Zeitalter war das Eisen aus Bilbao in ganz Europa so berühmt, dass der englische Seemannsjargon das Wort „bilboes“ für eiserne Fußfesseln an Bord und „bilbo“ für herausragende, aus der Stadt exportierte Schwertklingen übernahm.
Neben dem englischen Dramatiker erinnern die Metallbänder an Bilbaos Gründungsurkunde aus dem Jahr 1300 von Don Diego López de Haro V., an Kommentare des Juristen Licenciado Poza aus dem 16. Jahrhundert über das Eisen aus Bizkaia sowie an Verse des baskischen Dichters Gabriel Aresti aus dem 20. Jahrhundert.
Industrielles Erbe und überraschende Architektur
Benannt nach der mittelalterlichen Familie Marzana, blickt der Kai auf eine lange maritime und industrielle Geschichte zurück. Bereits im 14. Jahrhundert gab es hier eine Slipanlage für Schiffe, und nach einer schweren Flut im Jahr 1762 wurden die Kaianlagen direkt in die felsige Steilwand gehauen und befestigt. Nach den Karlistenkriegen im späten 19. Jahrhundert entwickelte sich die Gegend zu einem florierenden Umschlagplatz. Loren transportierten Eisenerz durch unterirdische Stollen aus dem nahegelegenen Bergwerk San Luis und kippten ihre Fracht direkt in rostige Lastkähne auf der Ría.
Über dem steinernen Kai ziehen sich bunte Fassaden an der Felswand empor, verbunden mit dem Ufer durch freiliegende Metalltreppen. Über ein Jahrhundert lang waren diese malerischen, heute pastellfarbenen Bauten eigentlich die dunklen, rußgeschwärzten Rückwände von Wohnhäusern, die man nur von den höher gelegenen Straßen aus betrat. Unten am Wasser ragen bei Ebbe noch immer die Fundamente der einstigen Erzverladerampen aus dem Flussbett hervor, während eine unscheinbare Tür an der Muelle Marzana Nr. 2 den letzten verbliebenen Stolleneingang zur Mine San Luis verbirgt.
Ein modernes Zentrum für Kultur und Genuss
Nach dem Niedergang des Bergbaus in den 1970er-Jahren verwandelte ein Sanierungsprojekt im Jahr 2002 das Industriegelände in eine lebendige Fußgängerzone mit Betonsitzbänken und Bäumen, die im Frühling rosa blühen.
Heute ist Martzana Kaia ein beliebter Treffpunkt zum Verweilen, für den Drink am Nachmittag und für Pintxos. Entlang des Wassers reihen sich gut besuchte Bars und erstklassige Restaurants aneinander, darunter das mit einem Michelin-Stern ausgezeichnete Restaurante Mina, benannt nach dem historischen Bergwerk. Doch der Kai ist längst mehr als nur eine Gourmetmeile: Als pulsierendes Herz des Kreativviertels Bilbao La Vieja beherbergt er zeitgenössische Galerien wie den Espacio Marzana und unabhängige Designstudios nahe der Kulturstiftung BilbaoArte.
FAQ
Woher stammt der Name Martzana Kaia?
Der Kai ist nach dem mittelalterlichen Geschlecht der Familie Marzana und ihrem einstigen Wohnturm benannt, der früher nahe der San-Antón-Brücke stand. 1884 wurde der Kai offiziell Muelle de Marzana genannt und 2003 in Martzana kaia umbenannt.
Warum wird William Shakespeare am Martzana Kaia erwähnt?
In die Promenade eingelassene Stahlbänder zeigen ein Zitat aus Shakespeares Hamlet, in dem von „bilboes“ die Rede ist. Im elisabethanischen Zeitalter bezeichnete dieser Begriff im englischen Seemannsjargon hochwertige eiserne Fußfesseln und Schwertklingen, die aus Bilbao exportiert wurden.
Welche historischen Überreste des Bergbaus sind am Kai zu sehen?
Bei Ebbe sind die Pfeiler und Fundamente der ursprünglichen Erzverladerampen im Flussbett zu sehen. Zudem verbirgt eine unauffällige Tür an der Muelle Marzana Nr. 2 den letzten erhaltenen Stolleneingang des historischen Eisenerzbergwerks San Luis.
