Ziel

Plaza Barria: Bilbaos Platz, der zu Venedig wurde

Bilbao, Spain

Entdecke diesen klassizistischen Platz aus dem 19. Jahrhundert, der einst absichtlich geflutet und mit Gondeln bestückt wurde, um für einen Tag Venedig nach Bilbao zu holen. Mitten im Herzen der mittelalterlichen Altstadt (Casco Viejo) schlägt die Plaza Barria, auch bekannt als Plaza Nueva, eine lebendige Brücke zwischen den historischen „Sieben Straßen“ und der Stadterweiterung des 19. Jahrhunderts jenseits der Mündung.

Ein klassizistisches Meisterwerk

In der Aufklärung erdacht und 1851 vom Architekten Antonio de Echevarría feierlich eingeweiht, umfasst das geschlossene Geviert stolze 3.400 Quadratmeter. Es entstand als eleganter Ersatz für die hoffnungslos überfüllte, mittelalterliche Plaza Vieja. Eingerahmt wird der Platz von einheitlichen vierstöckigen Gebäuden, getragen von 64 Rundbögen und dorischen Säulen. Den Weg ins Innere bahnst du dir durch gewölbte Torbögen, die man hier schlicht „cuevas“ nennt, Höhlen.

Der stattliche Prachtbau an der Nordseite diente bis 1890 als Sitz der Provinzregierung von Bizkaia. Heute hat hier Euskaltzaindia ihr Zuhause, die Königliche Akademie der Baskischen Sprache. Die architektonische Harmonie des Platzes bildet seit jeher die Kulisse des alltäglichen Lebens, und schon der Philosoph und Schriftsteller Miguel de Unamuno tobte hier als kleiner Junge über das Pflaster.

Das venezianische Spektakel von 1872

Der Platz hat ein herrlich bizarres Kapitel in Bilbaos Geschichtsbüchern sicher: Am 5. August 1872 verwandelte das städtische Festkomitee die Plaza anlässlich des Besuchs des italienischstämmigen Königs Amadeus I. von Savoyen kurzerhand in eine venezianische Lagune. Damals lag das Innere des Platzes noch etwas tiefer als die Arkadengänge. Die Organisatoren verstopften sämtliche Abflüsse und Schleusen und setzten das gesamte Becken unter Wasser.

Einheimische warfen sich in Gondoliere-Kostüme und ruderten in geschmückten Booten über den festlich erleuchteten Platz. Was wie reinstes Seemannsgarn klingt, ist im Stadtarchiv penibel belegt, mit Rechnungen für Bootsmieten, Zimmerleute und Wasserspiele. Der Maler Manuel Losada aus Bilbao, der direkt an der Plaza geboren wurde, hielt das Spektakel sogar in seinem Gemälde „Góndolas en la Plaza Nueva“ fest.

Pintxos und Sonntagsmärkte

Heute wirken die umlaufenden Steinarkaden wie ein riesiger Resonanzkörper, der das Gemurmel angeregter Gespräche und das Klirren der Gläser verstärkt. Unter den Bogengängen bleibt man wunderbar geschützt vor dem typischen feinen Nieselregen, dem Sirimiri. Rund um den Platz reihen sich traditionsreiche Tavernen und moderne Bars aneinander, in denen man sich zu baskischen Köstlichkeiten und spritzigem Txakoli-Wein trifft.

Sonntagmorgens verwandelt sich die Platzfläche in einen quirligen Freiluft-Flohmarkt. Sammler stöbern nach alten Büchern, Münzen, Briefmarken, Postkarten und Blumen. Regelmäßig finden hier auch baskische Folkloretänze und Konzerte statt. Dass der Platz ein Faible für ungewöhnliche Ereignisse behalten hat, bewies er 2008 und 2009 beim Grand Slam Masters Finale im Schach: Die Großmeister traten mitten auf dem Platz in einem schalldichten, transparenten Glaskubus gegeneinander an.

FAQ

Warum heißt die Plaza Barria auch Plaza Nueva?

Plaza Barria ist der baskische Name für Plaza Nueva (Neuer Platz). Die Plaza erhielt diesen Namen, weil sie als moderner Ersatz für Bilbaos überfüllte, mittelalterliche Plaza Vieja (Alter Platz) gebaut wurde.

Wurde der Platz in Bilbao wirklich geflutet und mit Gondeln befahren?

Ja. Um 1872 den Besuch des italienischstämmigen Königs Amadeus I. von Savoyen zu ehren, verstopften die Organisatoren die Abflüsse des Platzes und setzten das tiefer gelegene Zentrum unter Wasser. Einheimische verkleideten sich als Gondoliere und fuhren mit geschmückten Booten über das Wasser, ein Ereignis, das durch städtische Rechnungsbelege belegt ist.

Was passiert sonntags auf dem Platz?

Jeden Sonntagmorgen verwandelt sich die Plaza Barria in einen beliebten Freiluft-Flohmarkt mit alten Büchern, Münzen, Briefmarken, Kuriositäten und Blumen.

More places in Bilbao