Ziel

Plaza Nueva in Bilbao: Geschichte, Architektur und Kultur

Bilbao, Spain

Bilbaos neoklassizistisches Herz

Die Plaza Nueva, auf Baskisch offiziell Plaza Barria genannt, ist ein geschlossener, neoklassizistischer Platz mit 3.400 Quadratmetern Fläche mitten in Bilbaos Casco Viejo. Ursprünglich als offener, hygienischer Stadtraum fernab des dichten mittelalterlichen Straßengewirrs der Siete Calles konzipiert, fungiert der Platz als architektonisches Scharnier zwischen dem Kaufmannsviertel des 14. Jahrhunderts und dem bürgerlichen Ensanche des 19. Jahrhunderts jenseits der Nervión-Mündung. Sein Name grenzt ihn bewusst von der Plaza Vieja ab, dem historischen Platz am Flussufer nahe der Kirche San Antón.

Architektur und Einfassung

Vierstöckige Gebäudezeilen rahmen den Platz ein, getragen von 64 steinernen Rundbögen auf Pfeilern und vorgeblendeten dorischen Säulen. Fünf gewölbte Durchgänge, traditionell cuevas (Höhlen) genannt, führen ins Innere. Während vier davon Teil des ursprünglichen Entwurfs waren, kam der Durchgang zur Calle del Correo erst später hinzu, nachdem die Fassade im Spanischen Bürgerkrieg beschädigt worden war.

An der Nordseite steht das wichtigste Repräsentationsgebäude des Platzes, einst erbaut für die Diputación Foral de Bizkaia (die Provinzregierung von Biskaya), später von der Banco de Bilbao genutzt und heute Sitz der Euskaltzaindia, der Königlichen Akademie der Baskischen Sprache. Im Giebel tickt eine antike Uhr über dem in Stein gemeißelten Wappen der Herrschaft Biskaya (Señorío de Vizcaya). Unter dem gleichmäßigen Steinpflaster liegt eine 1966 errichtete Tiefgarage, der die früheren Gartenanlagen des 19. Jahrhunderts mit ihren Magnolien und Akazien weichen mussten.

Wandel und die venezianische Lagune von 1872

Bereits 1786 vom Architekten der Aufklärung Silvestre Pérez erdacht, brauchte die Plaza Nueva ganze 65 Jahre bis zu ihrer feierlichen Eröffnung im Jahr 1851 unter Antonio Echevarría und Avelino Goikoetxea. König Fernando VII. trieb den Bau gegen den Widerstand lokaler Grundbesitzer voran, doch eine geplante Statue des Monarchen im Zentrum wurde nach seinem Tod 1833 und Bilbaos Wende zur liberalen Politik verworfen. Von 1939 bis 1980 gab das Franco-Regime dem Areal offiziell den Namen Plaza de los Mártires, ehe der Platz seinen angestammten Namen zurückerhielt.

Die wasserdichte Bauweise des Platzes ermöglichte 1872 ein bemerkenswertes Schauspiel für den Besuch von König Amadeo I.: Die Stadtverwaltung ließ sämtliche Torbögen abdichten und flutete den Platz, um einen künstlichen venezianischen Kanal zu schaffen. Verkleidet als Gondoliere lieferten sich Einheimische in festlich geschmückten Gondeln ein Rennen über das Wasser auf dem Pflaster, eine Szene, die der Maler Manuel Losada später in seinem Werk Fiesta veneciana en la Plaza Nueva verewigte.

Moderne Kultur und Geselligkeit

Die Plaza Nueva ist bis heute einer der wichtigsten Treffpunkte Bilbaos geblieben. Unter den überdachten Säulengängen im Erdgeschoss verbergen sich bekannte Lokale wie das Café Bilbao, die Bar Sorginzulo und La Olla. Sie bilden das Zentrum der Txikiteo-Tradition, bei der man von Bar zu Bar zieht, um Pintxos und Wein zu genießen. Die 64 Sandsteinbögen bieten Schutz vor dem berüchtigten atlantischen Nieselregen, der hier sirimiri heißt, und werfen das Stimmengewirr und Klirren der Gläser als energiegeladene Akustik zurück.

Neben der täglichen Gastronomie dient der Platz als Bühne für städtische Konzerte, baskische Volkstänze und die alljährliche Landwirtschaftsmesse Santo Tomás im Dezember. 2008 und 2009 wurde hier das Finale des Grand Slam Chess Masters in einem eigens errichteten Glaskubus ausgetragen. Jeden Sonntagmorgen verwandelt sich das Steinpflaster zudem in einen Sammlermarkt unter freiem Himmel, auf dem alte Bücher, Münzen, Briefmarken, Mineralien und Vinylplatten den Besitzer wechseln.

FAQ

Warum heißt der Platz Plaza Nueva?

Er wurde Plaza Nueva (Neuer Platz) getauft, um ihn von Bilbaos historischer Plaza Vieja (Alter Platz) am Flussufer nahe der Kirche San Antón abzugrenzen.

Warum wurde die Plaza Nueva 1872 geflutet?

Anlässlich des Besuchs von König Amadeo I. im Jahr 1872 dichtete die Stadtverwaltung die Torbögen ab und setzte den Platz unter Wasser, um einen künstlichen venezianischen Kanal zu schaffen, auf dem Einheimische in Kostümen mit geschmückten Gondeln um die Wette fuhren.

Was findet sonntags auf der Plaza Nueva statt?

Jeden Sonntagmorgen findet auf dem Platz ein traditioneller Sammlermarkt statt, auf dem alte Bücher, Münzen, Briefmarken, Mineralien und Schallplatten angeboten werden.

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