
Iglesia de San Gil y Santa Ana: Granadas Mudéjar-Juwel
Die Iglesia de San Gil y Santa Ana ist ein Paradebeispiel für die vielschichtige Geschichte Granadas und zeigt eine bemerkenswerte Mischung verschiedener Baustile. Die Kirche wurde 1931 zum Kulturgut von besonderem Interesse erklärt und ihre Geschichte ist eine der Verwandlung, die den Wandel der Stadt von islamischer zu christlicher Herrschaft widerspiegelt.
Von der Moschee zur Kirche: Eine historische Verwandlung
Die Ursprünge der Kirche gehen auf einen Plan von Kardinal Pedro González de Mendoza aus dem Jahr 1501 zur Christianisierung Granadas zurück. Dazu gehörte die Gründung neuer Pfarreien, oft an den Standorten ehemaliger Moscheen. Die Iglesia de San Gil y Santa Ana wurde auf dem Gelände der Aljama-Almanzora-Moschee aus dem 11. Jahrhundert errichtet, die vom Ziridenkönig Badis gegründet worden war.
Eine erste Kirche wurde 1501 erbaut, doch der heutige Bau wurde von dem berühmten Architekten Diego de Siloé entworfen und zwischen 1537 und 1548 errichtet. Ihren Doppelnamen „Iglesia de Santa Ana y de San Gil“ erhielt die Pfarrei offiziell 1948, nachdem die ursprüngliche Kirche San Gil 1869 abgerissen wurde und Santa Ana deren Pfarrei übernahm.
Architektonisches Meisterwerk: Mudéjar und Renaissance
Die Kirche ist eine gefeierte Verschmelzung von Elementen des Mudéjar-Stils und der Renaissance. Die prächtige Hauptfassade im Platereskenstil ist das Werk von Sebastián de Alcántara und seinem Sohn Juan. Im Inneren ist der Mudéjar-Einfluss an den Kassettendecken deutlich sichtbar.
Ein herausragendes Merkmal ist der schlanke Mudéjar-Turm, der als einer der schönsten in ganz Spanien gilt. Er wurde zwischen 1561 und 1563 von Juan Castellar über dem Minarett der ehemaligen Moschee erbaut. Ein bemerkenswertes Detail: Auf dem Dach der Hauptkapelle ist ein Minarett der alten Moschee erhalten geblieben und ein weiteres Fragment wird im Alhambra-Museum aufbewahrt. Beides sind greifbare Zeugnisse der islamischen Vergangenheit des Ortes.
Ein Ort bemerkenswerter Persönlichkeiten und Ereignisse
Die Kirche ist mit mehreren bedeutenden historischen Persönlichkeiten verbunden. Hier heiratete Mariana Pineda, eine liberale Heldin des 19. Jahrhunderts. Die Kirche soll auch die sterblichen Überreste von Juan Latino beherbergen, einem versklavten Afrikaner, der im 16. Jahrhundert zu einem gefeierten Humanisten und Professor an der Universität von Granada aufstieg.
Der berühmte Dichter Federico García Lorca war von dem Turm der Kirche fasziniert und beschrieb ihn als „Türmchen, mehr für Tauben als für Glocken, mit all der Anmut und dem alten Charme Granadas geschaffen“. Die Sakristei birgt ebenfalls Schätze, darunter einen Kelch von Francisco Téllez aus dem Jahr 1568.
Die Kirche in der heutigen Zeit
Heute ist die Iglesia de San Gil y Santa Ana nach wie vor eine aktive römisch-katholische Kirche, in der regelmäßig Messen stattfinden. In den Sommermonaten ist sie ein sehr begehrter Ort für Hochzeiten und dient zwei bedeutenden Bruderschaften der Karwoche als Hauptsitz. Besucher können die Kirche außerhalb der Gottesdienstzeiten in der Regel kostenlos besichtigen.
FAQ
Welchen Baustil hat die Iglesia de San Gil y Santa Ana?
Die Kirche verbindet Mudéjar-Architektur, erkennbar am Turm und den Kassettendecken, mit Elementen der Renaissance, insbesondere an der Hauptfassade im Platereskenstil.
Wurde die Kirche auf dem Gelände einer Moschee erbaut?
Ja, sie wurde auf dem Gelände der Aljama-Almanzora-Moschee aus dem 11. Jahrhundert errichtet. Dies war Teil eines Plans, nach der Reconquista christliche Pfarreien in Granada zu gründen.
Welche berühmten Persönlichkeiten sind mit dieser Kirche verbunden?
In dieser Kirche heiratete die liberale Heldin des 19. Jahrhunderts, Mariana Pineda. Außerdem sollen hier die sterblichen Überreste von Juan Latino liegen, einem humanistischen Professor des 16. Jahrhunderts.
Kann man die Iglesia de San Gil y Santa Ana besichtigen?
Ja, der Eintritt für Besucher ist kostenlos, ist aber während der Messen und anderer Gottesdienste in der Regel eingeschränkt.



