
Kathedrale von Canterbury: Geschichte, Martyrium und Architektur
Die Kathedrale von Canterbury ist ein atemberaubendes Meisterwerk englischer Baukunst, ein Monument der Geschichte, in dem seit Jahrhunderten Erzbischöfe residierten und Monarchen wandelten. Offiziell als „Cathedral and Metropolitical Church of Christ, Canterbury“ bekannt, verkörpert dieses ikonische Bauwerk „England in Stein“ und seine Entwicklung spiegelt die religiöse und politische Geschichte des Landes wider.
Gründung und Baustile
Die Ursprünge der Kathedrale gehen auf das Jahr 597 zurück, als der vom Papst Gregor dem Großen entsandte Heilige Augustinus seinen Sitz in Canterbury einrichtete, um die Bekehrung der Angelsachsen zu beginnen. Das ursprüngliche Gebäude wurde 1067 durch einen Brand zerstört. Unter Erzbischof Lanfranc wurde es zwischen 1070 und 1077 größtenteils im romanischen Stil wieder aufgebaut.
Ein weiterer Großbrand im Jahr 1174 führte zu einem bedeutenden Umbau des Ostteils, diesmal im aufkommenden gotischen Stil unter der Leitung des französischen Baumeisters Wilhelm von Sens. Das Langhaus und die Querschiffe wurden später, zwischen dem späten 14. und späten 15. Jahrhundert, im Perpendicular Style ersetzt. Obwohl der Innenraum heute aus kahlem Stein zu bestehen scheint, haben jüngste Restaurierungen Spuren seiner mittelalterlichen Vergangenheit freigelegt, die zeigen, dass die Wände einst mit farbenfrohen Malereien und kunstvollen Mustern lebendig geschmückt waren.
Das Martyrium des Thomas Becket
Das prägende Ereignis in der Geschichte der Kathedrale war die Ermordung von Erzbischof Thomas Becket am 29. Dezember 1170. Beckets ständige Auseinandersetzungen mit König Heinrich II. über die Rechte und die Macht der Kirche gegenüber dem Staat schufen enorme Spannungen. Der frustrierte Ausruf des Königs, „Wer wird mich von diesem aufrührerischen Priester befreien?“, wurde von vier Rittern als königlicher Befehl interpretiert, die Becket daraufhin in den Mauern der Kathedrale ermordeten.
Nur drei Jahre später, 1173, wurde Becket heiliggesprochen. Sein Grab machte Canterbury zu einem der bedeutendsten Pilgerziele des mittelalterlichen Europas, das mit Rom und Jerusalem wetteiferte. Im Jahr 1174 leistete König Heinrich II. selbst an diesem Ort öffentlich Buße. 1220 wurden Beckets sterbliche Überreste in einen prächtigen neuen Schrein in der Trinity-Kapelle überführt, was den Status der Kathedrale zementierte.
Reformation und spätere Geschichte
Die Ära der Pilgerfahrten und der Verehrung Beckets endete abrupt mit der englischen Reformation. 1538 erklärte König Heinrich VIII. Becket zum Verräter und befahl die Zerstörung seines prunkvollen Schreins. Das zur Kathedrale gehörende Benediktinerkloster wurde 1540 aufgelöst. Während des Englischen Bürgerkriegs in den 1640er-Jahren erlitt das Gebäude durch puritanische Bilderstürmer weitere Schäden. Jahrhunderte später überstand die Kathedrale wie durch ein Wunder die schweren Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs, dank des engagierten Einsatzes von „Feuerwachen“, die sie schützten.
Die Kathedrale heute
Heute ist die Kathedrale von Canterbury eine lebendige Kirche, in der täglich Gottesdienste stattfinden, und sie dient als Mutterkirche der weltweiten Anglikanischen Gemeinschaft. Sie ist nach wie vor der Sitz des Erzbischofs von Canterbury. Als UNESCO-Weltkulturerbe zieht sie weiterhin Besucher und Pilger aus aller Welt an, die ihre historische Architektur, ihre Kreuzgänge und Gärten erkunden.
Die Archive und die Bibliothek der Kathedrale beherbergen umfangreiche und bedeutende Sammlungen, darunter 8.000 Urkunden, die bis ins 8. Jahrhundert zurückreichen, und ein seltenes Exemplar von Shakespeares Zweiter Folio-Ausgabe aus dem Jahr 1632. In einer einzigartigen historischen Kontinuität wird die Krypta, die im späten 16. Jahrhundert der hugenottischen Gemeinde überlassen wurde, noch heute für deren Gottesdienste genutzt.
FAQ
Warum ist die Kathedrale von Canterbury so berühmt?
Die Kathedrale von Canterbury ist vor allem als Ort des Martyriums von Erzbischof Thomas Becket im Jahr 1170 berühmt, was sie zu einem der wichtigsten Pilgerorte Europas machte. Sie ist außerdem die Mutterkirche der weltweiten Anglikanischen Gemeinschaft.
Wann wurde die Kathedrale von Canterbury gegründet?
Die Kathedrale von Canterbury wurde 597 n. Chr. vom Heiligen Augustinus gegründet, der von Rom ausgesandt wurde, um die Angelsachsen zu bekehren, und der erste Erzbischof von Canterbury wurde.
Was geschah mit dem Schrein von Thomas Becket?
Der Schrein des Heiligen Thomas Becket wurde 1538 auf Befehl von König Heinrich VIII. während der englischen Reformation zerstört. Der König erklärte Becket zum Verräter, und das Benediktinerkloster wurde 1540 aufgelöst.
Ist die Kathedrale von Canterbury ein UNESCO-Weltkulturerbe?
Ja, die Kathedrale von Canterbury ist zusammen mit der Abtei St. Augustinus und der St. Martin's Church als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt, was ihren tiefgreifenden universellen Wert und ihre Bedeutung in der Geschichte des Christentums unterstreicht.



