
Regionales Ethnografisches Museum Plowdiw: Geschichte und Fakten
Blicke hinauf zu den prachtvollen Fassaden der Wiedergeburtszeit aus dem 19. Jahrhundert und den reich verzierten Holzerkern des Regionalen Ethnografischen Museums Plowdiw. Gelegen im historischen Altstadtbereich nahe dem antiken Osttor Hisar Kapija, ist dieses Haus das zweitgrößte spezialisierte ethnografische Museum Bulgariens. Es befindet sich im berühmten Kujumdschioglu-Haus, einem imposanten Herrenhaus von 1847, das für den wohlhabenden Textilhändler Argir Hristow Kujumdschioglu errichtet wurde.
Ein Meisterwerk des Plowdiwer Barock
Das vom Baumeister Hadschi Georgi Stantschowski entworfene, symmetrische Anwesen ist ein Paradebeispiel für die bulgarische Architektur der Nationalen Wiedergeburt Mitte des 19. Jahrhunderts, die häufig als Plowdiwer Barock bezeichnet wird. Das Gebäude nutzt die natürliche Hanglage geschickt aus, sodass es zur westlichen Hofseite hin zweigeschossig, zur Ostseite hin jedoch viergeschossig aufragt. Erstaunlicherweise ruht diese vierstöckige Ostwand direkt auf den steinernen Fundamenten der antiken römischen und mittelalterlichen Stadtmauer von Plowdiw.
Die Außenfassade besticht durch ihren geschwungenen westlichen Obergiebel, der sich über dem Eingangsportal nach außen wölbt. Diese geschwungene Welle greift die Form eines traditionellen hölzernen Tragejochs auf, einer sogenannten Kobilitsa. Im Inneren setzt sich die prunkvolle Kulisse fort: Zwei riesige Empfangssäle und 12 Räume erwarten dich, jeder mit einer einzigartig geschnitzten Holzdecke. Mehr als 130 Glasfenster schmücken das Anwesen, eine außergewöhnliche Architekturwahl, die den immensen Reichtum des Bauherren zur Schau stellen und die kunstvoll verzierten Salons mit natürlichem Licht durchfluten sollte.
Vom Adelssitz zur Essigfabrik
Das Kujumdschioglu-Haus wurde auf dem Höhepunkt des wirtschaftlichen Aufschwungs der Wiedergeburtszeit in Plowdiw in Auftrag gegeben. Nach der Befreiung Bulgariens im Jahr 1878 zog Argir Kujumdschioglu jedoch nach Wien. Seine Erben vermieteten das weitläufige Anwesen, was zu einem überraschend industriell geprägten Kapitel in der Geschichte des Gebäudes führte.
Trotz seines prunkvollen Erscheinungsbildes diente das berühmte Herrenhaus zu verschiedenen Zeiten als Mädchenpensionat, Hutfabrik, Mehllager und sogar als Essigfabrik. Im Jahr 1930 kaufte ein Tabakhändler das Grundstück, um es in ein Tabaklager umzuwandeln, doch finanzielle Probleme führten zur Versteigerung des Anwesens. Gerettet wurde das Herrenhaus schließlich 1938, als der Bürgermeister von Plowdiw, Boschidar Sdrawkow, die Rettungsbemühungen anführte und das Haus 1943 offiziell als städtisches Museumshaus eröffnete.
Das bulgarische Erbe bewahren
Heute steht das historische Gebäude als nationales Kulturdenkmal unter Schutz. Das Regionale Ethnografische Museum beherbergt über 40.000 Exponate, die die reiche Kulturgeschichte der Region dokumentieren. Seine Dauerausstellungen unterteilen sich in umfassende Bereiche zu Landwirtschaft, traditionellem Handwerk wie Kupferschmiedekunst und Töpferei, regionalen Textilien, historischen Möbeln, Musikinstrumenten und sakraler Kunst.
Über die Innenräume hinaus bleibt das Museum ein lebendiges Kulturzentrum in Plowdiw. Der Innenhof und die prachtvollen Salons bieten regelmäßig die Kulisse für Volks- und Kammermusikkonzerte, Handwerksvorführungen und saisonale Kulturfestivals, wodurch die Traditionen der bulgarischen Nationalen Wiedergeburt lebendig gehalten werden.
FAQ
Wer hat das Herrenhaus erbaut, in dem das Regionale Ethnografische Museum Plowdiw untergebracht ist?
Das Anwesen, bekannt als Kujumdschioglu-Haus, wurde 1847 vom Baumeister Hadschi Georgi Stantschowski für den reichen Textilhändler Argir Hristow Kujumdschioglu entworfen und erbaut.
Wie viele Exponate gibt es im Regionalen Ethnografischen Museum Plowdiw?
Das Museum ist das zweitgrößte spezialisierte ethnografische Museum Bulgariens und beherbergt eine Sammlung von über 40.000 Exponaten aus den Bereichen Landwirtschaft, Handwerk, Textilien und Ritus.
Wofür wurde das Kujumdschioglu-Haus genutzt, bevor es ein Museum wurde?
Nachdem der ursprüngliche Eigentümer 1878 nach Wien gezogen war, diente das Herrenhaus mehreren unerwarteten Zwecken, darunter als Mädchenpensionat, Hutfabrik, Mehllager und aktiver Essigherstellungsbetrieb.



