
Römisches Forum von Philippopolis: Ruinen von Plowdiw
Im Schatten eines Postamts aus den 1970er-Jahren liegt der größte römische Stadtplatz Bulgariens, der seit über zwei Jahrtausenden das genaue Zentrum des städtischen Lebens markiert. Das Römische Forum von Philippopolis ist ein erstaunliches Beispiel für städtebauliche Kontinuität, denn der Hauptplatz des modernen Plowdiw nimmt exakt denselben geografischen Mittelpunkt ein wie einst bei den alten Römern.
Ein Zentrum antiken Stadtlebens
Mit einer Fläche von rund 20 Hektar, von denen derzeit 11 Hektar freigelegt sind, ist das Römische Forum von Philippopolis die größte römische Forum-Anlage Bulgariens. In ihrem Herzen liegt ein 143 mal 136 Meter großer freier Platz, der einst das administrative, kommerzielle und religiöse Herz der antiken Stadt bildete.
Der Komplex lag strategisch günstig nahe der Kreuzung der Hauptstraßenachsen der Stadt, Cardo Maximus und Decumanus Maximus, die unmittelbar vor dem Osteingang aufeinandertrafen. Am nördlichen Rand des Forums beherbergte die Anlage wichtige öffentliche Bauten, darunter das Odeon, die Antike Stadtbibliothek, das Schatzhaus und Reihen von Geschäften, die von prächtigen Marmorportiken eingerahmt wurden.
Architektonische Blüte und Niedergang
Der Bau des Forums begann Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. unter Kaiser Vespasian. Bis zum 4. Jahrhundert n. Chr. durchlief das Areal vier Hauptbauphasen. Die frühen Bauten unter Domitian besaßen römisch-dorische Kolonnaden aus Sandstein, die unter den Kaisern Trajan und Hadrian später durch aufwendige römisch-korinthische Marmorstrukturen ersetzt wurden.
Das Odeon an der Nordostecke des Komplexes diente im 2. Jahrhundert ursprünglich als Stadtratssaal, bevor es in ein Theater mit 350 Plätzen umgewandelt wurde. Während der Goteneinfälle im 3. Jahrhundert erlitt die Anlage schließlich schwere Schäden. Zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert wurden die Steine der Stätte anderweitig verbaut und das Areal von einer mittelalterlichen Nekropole überlagert, was die antiken Ruinen für Jahrhunderte verbarg.
Moderne Wiederentdeckung und Integration
Die Ruinen blieben bis 1971 verborgen, als man bei Ausgrabungen für das Zentrale Postamt von Plowdiw unverhofft auf sie stieß. Heute zerschneidet die Stadtinfrastruktur des 20. Jahrhunderts den antiken Komplex quer durch die Mitte. Das Postamt thront direkt auf dem westlichen Teil des Forums, während ein Straßentunnel und ein Boulevard das Odeon von Teilen des Hauptplatzes trennen.
Trotz dieser modernen Eingriffe funktioniert die Stätte als archäologischer Freilichtpark, der direkt in die Fußgängerzone des Stadtzentrums integriert ist. Die tiefer gelegenen Ausgrabungsstätten lassen sich vom modernen Pflaster des Zentralplatzes aus überblicken. Passanten können in die Senken hinabblicken und das raue Mauerwerk freigelegter römischer Steinmauern, rotes Ziegelwerk und unter dem Straßenniveau eingebettete Marmorsäulenbasen betrachten. Das restaurierte Odeon hat als Open-Air-Spielstätte für lokale Konzerte und Theateraufführungen neues Leben erhalten.
Verborgene Kuriositäten
Die archäologischen Ausgrabungen vor Ort brachten einige bemerkenswerte Funde zutage. Forscher entdeckten das Fragment einer Inschrift mit einer öffentlichen Bekanntmachung samt Einladung zu Gladiatorenkämpfen. Darüber hinaus beherbergte der Komplex die erste epigraphisch belegte offizielle Stadtkasse für die zusammengelegten römischen Provinzen Thrakien und Mösien.
Ein weiterer bemerkenswerter Fund gelang in einer Galerie des Odeons, wo Archäologen einen Schatz von 87 Silbermünzen entdeckten. Experten vermuten, dass ein Einheimischer diesen Schatz auf der Flucht vor den Goteneinfällen im 3. Jahrhundert versteckt hatte.
FAQ
Wo befindet sich das Römische Forum von Philippopolis?
Die Ausgrabungsstätte liegt am heutigen Zentralplatz in Plowdiw und bildet den südlichen Auftakt der Fußgängerzone entlang des Boulevard Knjas Alexander I., der zum Antiken Stadion führt.
Welche antiken Bauwerke gehörten zum Forum?
Der Komplex umfasste einen 143 mal 136 Meter großen zentralen Platz, das Odeon, die Antike Stadtbibliothek, das Schatzhaus und Reihen von Ladengeschäften, die von Marmorportiken eingerahmt wurden.
Wann wurde das Forum wiederentdeckt?
Die antiken Ruinen lagen unter einer mittelalterlichen Nekropole verborgen, bis sie 1971 bei Bauarbeiten für das Zentrale Postamt von Plowdiw wiederentdeckt wurden.



