
Kirche St. Konstantin und Helena in Plovdiv
Unter den Dielen und Altären von Plovdivs ältester aktiver Kirche schlummern Überreste römischer Mauern, antiker Märtyrer und Jahrhunderte des Widerstands. In der Saborna-Straße 24 in der Altstadt gelegen, ist die Kirche St. Konstantin und Helena das älteste durchgehend genutzte christliche Heiligtum Plovdivs. Sechs bis acht Meter hohe Steinmauern schirmen den Garten von der Fußgängerzone ab und schaffen einen friedlichen, klosterähnlichen Rückzugsort, über dem ein strahlend weißer, 13 Meter hoher freistehender Glockenturm mit Kupferhaube ragt.
Römische Fundamente und antike Märtyrer
Bereits seit etwa 337 n. Chr. dient dieser Ort als christliche Stätte. Die ursprüngliche Kirche lag direkt an der Festungsmauer der Akropolis nahe dem Osttor der Stadt und ehrte 38 lokale Christen. Der Überlieferung nach gehörten dazu auch die heiligen Severian und Memnos, die hier im Jahr 304 n. Chr. während der Christenverfolgungen unter Kaiser Diokletian enthauptet wurden.
Der Ort macht Plovdivs Wandel von einer römischen Festung zu einem frühchristlichen Zentrum greifbar. Archäologische Ausgrabungen unter der Apsis förderten in den 1950er-Jahren die Fundamente eines antiken, rechteckigen Verteidigungsturms zutage. Dieser sicherte einst das angrenzende römische Tor Hisar Kapia.
Überleben unter osmanischer Herrschaft
Unter osmanischer Herrschaft galten strenge Auflagen für die Höhe und Größe christlicher Kirchen. Der deutsche Theologe Stephan Gerlach dokumentierte 1578 seinen Besuch und beschrieb das Gotteshaus als düster und winzig.
Nach Jahrhunderten voller Brände und Wiederaufbauarbeiten war die Kirche um 1830 schließlich eine dachlose Ruine. Die Wende kam, als die Gemeinde eine große Spendenaktion für einen Neubau auf die Beine stellte. Kirchenverwalter Todor Morawenow sammelte Gelder, während Gemeindeführer Walko Tschalakow den erforderlichen osmanischen Erlass erwirkte. Baumeister Petko Petkow errichtete zwischen 1832 und 1836 die heutige, 26 Meter lange Basilika.
Meisterwerke der Bulgarischen Wiedergeburt
Das Kircheninnere bildet einen spektakulären Kontrast zur schlichten, hellen Fassade. Es beherbergt eine vergoldete Ikonostase im Wiener Barockstil, was für orthodoxe Kirchen in dieser Region äußerst ungewöhnlich ist. Eine erhaltene Quittung vom 17. März 1836 belegt, dass die Holzschnitzarbeiten in Wien vom Schnitzmeister Joan Paschkula angefertigt wurden.
Das Heiligtum ist mit Ikonen berühmter Meister der Bulgarischen Wiedergeburt geschmückt, darunter Sachari Sograf, Dimitar Sograf und Stanislaw Dospewski. In den 1860er-Jahren ergänzten Stefan Andonow und Atanas Gjudschenow die Wandfresken. Zudem befindet sich im Inneren eine kleine Ikone der heiligen Konstantin und Helena, der nach lokalem Glauben Wundertätigkeit nachgesagt wird.
Lebendiger kultureller Ankerpunkt
Heute ist die Kirche St. Konstantin und Helena eine aktive bulgarisch-orthodoxe Kirche. Sie ist täglich kostenfrei für Besucher geöffnet und feiert regelmäßige Gottesdienste, darunter die göttliche Liturgie am Sonntagmorgen. Der Duft von Bienenwachskerzen und der Klang traditioneller orthodoxer Gesänge erfüllen regelmäßig den Raum.
Im geschützten Innenhof beherbergt der Steinbau eine kleine Dauerausstellung. Du kannst hier historische Ikonen vom 14. bis zum 18. Jahrhundert bewundern, darunter frühe Ikonostasenfelder, die aus früheren Bauten des Gotteshauses gerettet wurden.
FAQ
Wo befindet sich die Kirche St. Konstantin und Helena?
Die Kirche befindet sich in der Saborna-Straße 24 im Architekturreservat der Altstadt von Plovdiv, direkt neben dem antiken römischen Tor Hisar Kapia.
Ist die Kirche St. Konstantin und Helena noch aktiv?
Ja, sie ist eine aktive bulgarisch-orthodoxe Kirche, die täglich kostenfrei für Besucher geöffnet ist. Es finden regelmäßige Gottesdienste statt, darunter die göttliche Liturgie am Sonntagmorgen.
Was macht die Ikonostase der Kirche so besonders?
Ungewöhnlich für orthodoxe Kirchen in der Region ist die vergoldete Barock-Ikonostase aus Holz, die in Wien hergestellt wurde. Sie stammt vom Schnitzmeister Joan Paschkula, was durch eine erhaltene Quittung vom 17. März 1836 belegt ist.
Welche archäologischen Entdeckungen wurden an der Kirche gemacht?
Bei Ausgrabungen unter der Apsis wurden in den 1950er-Jahren die Fundamente eines antiken, rechteckigen römischen Verteidigungsturms freigelegt, der einst das Tor Hisar Kapia sicherte.



