
Kensington Market: Torontos historisches und lebendiges Zentrum
Der Kensington Market ist eine nationale historische Stätte Kanadas, die 2005 für ihre Darstellung der ethnischen Vielfalt des Landes gewürdigt wurde. Seine lebendige, scheinbar chaotische Mischung aus Geschäften und Wohnhäusern steht in krassem Gegensatz zu seinen Anfängen als weitläufiger, aristokratischer Landsitz.
Vom aristokratischen Anwesen zum urbanen Markt
Die Geschichte des Viertels beginnt 1815, als George Taylor Denison, Mitglied der kanadischen Miliz, das 40 Hektar große Anwesen Bellevue erwarb. Zum Besitz gehörten ein Herrenhaus im georgianischen Stil, ein Obstgarten und Weideflächen. In den 1850er Jahren wurde das Anwesen parzelliert, was zum Bau von Reihenhäusern im viktorianischen Stil für eingewanderte irische und schottische Arbeiter führte. Viele dieser Häuser wurden später umgebaut, um im Erdgeschoss Läden einzurichten.
Der Jüdische Markt und die Einwanderungswellen
Ein tiefgreifender Wandel vollzog sich Anfang des 20. Jahrhunderts mit der Ankunft jüdischer Einwanderer aus Osteuropa, die vor der Verfolgung flohen. Sie eröffneten Geschäfte in den vorderen Zimmern ihrer Wohnhäuser und das Viertel wurde als „Jüdischer Markt“ bekannt. In den 1920er und 1930er Jahren zählte die jüdische Bevölkerung in und um Kensington etwa 60.000 Menschen, für die es über 30 Synagogen gab. Nachdem diese Gemeinschaft nach dem Zweiten Weltkrieg zu Wohlstand kam und in andere Stadtteile zog, kamen neue Einwanderungswellen von den Azoren, aus der Karibik, Ostasien und Lateinamerika, von denen jede dem einzigartigen kulturellen Gefüge des Marktes eine weitere Schicht hinzufügte.
Ein Zentrum für Kultur und Gemeinschaft
Der unabhängige und multikulturelle Geist des Kensington Market ist seit jeher ein prägendes Merkmal. Im Jahr 1969 wehrte sich die Gemeinschaft erfolgreich gegen städtische Sanierungspläne, die den Charakter des Viertels bedrohten. Die Identität des Viertels wurde durch die CBC-Serie „King of Kensington“ (1975–1980) berühmt, und ihrem Star, Al Waxman, ist eine Statue im Bellevue Square Park gewidmet. Zu den weiteren Persönlichkeiten mit Verbindungen zur Gegend gehört der Komponist Percy Faith, der als Kind in der Baldwin Street 171 wohnte.
Der Markt heute: Zwischen Lebendigkeit und Herausforderungen
Heute ist der Kensington Market ein belebtes Viertel mit rund 3.500 Einwohnern. Er ist bekannt für seine unabhängigen Läden, Vintage-Bekleidungsgeschäfte, Kunstgalerien, vielfältigen Restaurants und eine ausgeprägte Street-Art-Szene. Von Mai bis Oktober werden an den „Fußgänger-Sonntagen“ am letzten Sonntag des Monats die Straßen für Autos gesperrt und von Künstlern und Händlern belebt. Der Markt sieht sich jedoch auch mit Gentrifizierung konfrontiert. Dies führt zu einem Rückgang der traditionellen Frischwarenhändler und einer Zunahme von Bars und Cannabis-Läden, was eine lokale Debatte über seine Zukunft entfacht hat.
Verborgene Geschichte unter den Straßen
Unter dem modernen Markt liegt eine verborgene Geschichte. Das erste urkundlich erwähnte Geschäft in der Gegend war die Spadina-Brauerei, die in den 1830er Jahren gegründet wurde und Wasser aus dem Russell Creek bezog. Dieser Bach wurde Mitte des 19. Jahrhunderts unter die Erde verlegt und kanalisiert, aber in der Nähe der Kreuzung von Kensington Avenue und St. Andrew Street kann man manchmal noch das leise Rauschen seines fließenden Wassers hören. Von den mehr als 30 Synagogen aus der Zeit des Jüdischen Marktes sind heute nur noch zwei in Betrieb: die Kiever Synagoge und die Anshei-Minsk-Synagoge.
FAQ
Warum ist der Kensington Market eine nationale historische Stätte?
Der Kensington Market wurde 2005 zur nationalen historischen Stätte Kanadas erklärt, weil seine Geschichte der aufeinanderfolgenden Einwanderungs- und Siedlungswellen ihn zu einem bedeutenden Abbild der ethnischen Vielfalt Kanadas macht.
Was war der Kensington Market, bevor er ein Markt wurde?
Bevor das Gebiet zu einem Markt wurde, war es das Anwesen Bellevue, ein 40 Hektar großes Gut, das 1815 von George Taylor Denison gegründet wurde. Es wurde in den 1850er Jahren parzelliert, um viktorianische Reihenhäuser für eingewanderte Arbeiter zu bauen.
Was sind die Fußgänger-Sonntage im Kensington Market?
Die Fußgänger-Sonntage sind eine monatliche Veranstaltung von Mai bis Oktober, bei der die Straßen des Marktes für Fahrzeuge gesperrt sind. Dies ermöglicht es Fußgängern, Straßenkünstlern und Händlern, am letzten Sonntag jedes Monats die Straßen zu erobern.



