Kalevipoeg: Tartus Denkmal für den Unabhängigkeitskrieg - Tartu
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Kalevipoeg: Tartus Denkmal für den Unabhängigkeitskrieg

Tartu, Estonia

Überblick über das Denkmal

Das Denkmal für den estnischen Unabhängigkeitskrieg in Tartu (Tartu Vabadussõja mälestussammas), in ganz Estland schlicht als Kalevipoeg bekannt, ist eine markante Bronzestatue im Herzen der Stadt. Am rechten Ufer des Emajõgi im Park an der Freiheitsallee (Vabaduse puiestik) gelegen, wacht sie zwischen der Fußgänger-Bogenbrücke (Kaarsild) und der Freiheitsbrücke (Vabadussild). Das Denkmal bildet den grünen Auftakt vom Rathausplatz (Raekoja plats) hinunter zum Fluss und erinnert an Tartus Schlüsselrolle beim nationalen Erwachen und bei der Verteidigung der ersten estnischen Republik.

Das Monument zeigt Kalevipoeg, jenen mythischen Riesen, den Friedrich Reinhold Kreutzwald aus estnischen Volkssagen zu einer nationalen Heldenfigur formte. Die Bronzegestalt thront auf einem gestuften Granitsockel mit den Jahreszahlen „1918–1920“. Die Lenden nur von einem Tierfell bedeckt, blickt der Hüne entschlossen nach vorn, aufgestützt auf ein in die Erde gerammtes Zweihandschwert. Ein kraftvolles Sinnbild für nationale Widerstandskraft, physische Stärke und Selbstbestimmung.

Ursprünge und das Original von 1933

Errichtet wurde das Denkmal zum Gedenken an die gefallenen Soldaten des estnischen Unabhängigkeitskriegs (1918–1920), der dem jungen Staat seine Souveränität sicherte. Der Bildhauer Amandus Adamson schuf die Bronzefigur, während Aleksander Eller den Sockel entwarf. Am 17. September 1933 wurde das Monument feierlich enthüllt.

Sowjetische Verbannung und der Kreutzwald-Tausch

Unter sowjetischer Besatzung geriet das Denkmal schnell ins Visier der Zensur. Ende 1940 ließen die Machthaber die Jahreszahlen des Krieges kurzerhand vom Sockel meißeln, Ende April 1950 schließlich die gesamte Statue abtransportieren. Den Erzählungen nach landete die Bronze auf einem Bauhof an der Kroonuaia-Straße, um als Altmetall eingeschmolzen zu werden. Zugleich hält sich hartnäckig die Legende, ein Passant habe den Kopf der Figur heimlich abgesägt und versteckt.

Trotz der Zerstörung kamen Tartus Einwohner und Studierende weiterhin zu stillen Mahnwachen an der leeren Stelle zusammen, stellten heimlich Kerzen auf und legten Blumen nieder. Um diesem stillen Protest den Boden zu entziehen, stellten die sowjetischen Behörden 1952 ein Denkmal für den Schriftsteller Friedrich Reinhold Kreutzwald exakt auf denselben Sockelplatz. Der mythische Held wurde so durch seinen literarischen Schöpfer ersetzt.

Wiederaufbau und heutige Traditionen

Nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit begannen die Bemühungen, das verlorene Wahrzeichen zurückzuholen. Da der Originalgips 1950 zerstört worden war, musste der Bildhauer Ekke Väli jede Muskelpartie und jeden Gesichtszug rein anhand zweidimensionaler Archivfotografien nachbilden, beraten von seinem Kollegen Endel Taniloo. Den neuen Granitsockel entwarf Tiit Kaljundi. Um dem Krieger seinen angestammten Platz zurückzugeben, zog Kreutzwalds Statue ein Stück flussabwärts an die Uferpromenade um. Am 22. Juni 2003 wurde der neugeschaffene Kalevipoeg feierlich enthüllt. Seither trennt den Dichter und seine Schöpfung nur ein kurzer Spaziergang.

Heute ist der Platz Tartus zentrale Bühne für staatliche Gedenkfeiern. Am Unabhängigkeitstag (24. Februar) und am Siegestag (23. Juni) finden hier offizielle Kranzniederlegungen und Bürgerversammlungen statt. Bei diesen Anlässen versammeln sich studentische Verbindungen in voller Couleur und mit traditionellen Studentenmützen (tekkel) am Fuße des Denkmals.

FAQ

Wer hat das ursprüngliche Kalevipoeg-Denkmal in Tartu geschaffen?

Die ursprüngliche Bronzestatue wurde vom Bildhauer Amandus Adamson geschaffen, der Sockel stammte von Aleksander Eller. Am 17. September 1933 wurde das Denkmal feierlich enthüllt.

Was geschah mit dem Denkmal während der Sowjetzeit?

Ende 1940 meißelten die Behörden die Kriegsdaten vom Sockel, Ende April 1950 ließen sie das Denkmal komplett abbauen. Um heimliche Mahnwachen zu unterbinden, stellten die sowjetischen Machthaber 1952 exakt an dessen Stelle eine Statue des Schriftstellers Friedrich Reinhold Kreutzwald auf.

Wie wurde die Kalevipoeg-Statue im Jahr 2003 rekonstruiert?

Da die Originalgussform zerstört war, rekonstruierte der Bildhauer Ekke Väli die Figur anhand erhaltener Archivfotos, beraten von Endel Taniloo. Der neue Sockel wurde von Tiit Kaljundi entworfen. Am 22. Juni 2003 wurde das Monument feierlich neu eingeweiht.

Welche öffentlichen Feierlichkeiten finden heute am Denkmal statt?

Am Denkmal finden offizielle Feierstunden der Stadt zum Unabhängigkeitstag (24. Februar) und zum Siegestag (23. Juni) statt. Zu diesen Anlässen versammeln sich Vertreter der Stadt und studentische Verbindungen in voller Couleur.

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