
Palais des Papes: Der gotische Papstpalast von Avignon
Der Palais des Papes, der Papstpalast in Avignon, Frankreich, ist eine imposante gotische Festung, die im 14. Jahrhundert das Zentrum der westlichen Christenheit war. Als größter gotischer Palast der Welt und seit 1995 UNESCO-Weltkulturerbe verkörpert dieses Monument die immense weltliche und geistliche Macht des Papsttums in einer entscheidenden Epoche der europäischen Geschichte.
Ein monumentaler Bau
Der Bau dieses riesigen Komplexes, dessen Volumen dem von vier Kathedralen entspricht, erfolgte in zwei Hauptphasen. Die erste, bekannt als „Palais Vieux“ (Alter Palast), wurde 1335 vom strengen Papst Benedikt XII. initiiert, der den bestehenden Bischofspalast abreißen ließ, um eine stark befestigte Residenz zu errichten. Sein Architekt war Pierre Poisson.
Ab 1342 gab der prunkvollere Papst Clemens VI. eine noch größere Erweiterung in Auftrag, den „Palais Neuf“ (Neuer Palast). Der Architekt Jean de Louvres leitete diesen prächtigen Anbau, der unter Papst Urban V. bis 1363 weitgehend fertiggestellt wurde. Der Hauptbau des gesamten Komplexes wurde in weniger als 20 Jahren vollendet, eine für die damalige Zeit bemerkenswerte Leistung.
Der Sitz des Papsttums
Das Papsttum in Avignon begann 1309, als sich Papst Clemens V. unter Berufung auf die politische Instabilität in Rom und seine eigene angeschlagene Gesundheit in der Stadt niederließ. Neun Päpste, darunter Benedikt XII. und Clemens VI., sollten schließlich in Avignon residieren und den Palast zum offiziellen Sitz der westlichen Christenheit machen. Sechs Papstkonklaven wurden innerhalb seiner befestigten Mauern abgehalten.
Im Jahr 1348 festigte Clemens VI. die Kontrolle des Papsttums, indem er die Stadt Avignon für 80.000 Gulden kaufte. Der Palast beherbergte zu dieser Zeit auch die größte Bibliothek Europas mit über 2.000 Bänden und zog bedeutende Gelehrte wie Petrarca an. Der Pracht des Hofes stand die Furcht vor Intrigen in nichts nach. So läutete vor den päpstlichen Mahlzeiten eine silberne Glocke, die alle aufforderte, den Palast zu verlassen, um Giftanschläge zu verhindern.
Vom Schisma zur Revolution
Nachdem Papst Gregor XI. das Papsttum 1378 nach Rom zurückverlegt hatte, begann das Große Abendländische Schisma, eine Zeit, in der rivalisierende Päpste um die Macht kämpften. Während dieser Zeit residierten die Gegenpäpste Clemens VII. und Benedikt XIII. im Palast von Avignon.
Jahrhunderte später, während der Französischen Revolution, änderte sich die Rolle des Palastes dramatisch. Er wurde in ein Gefängnis und eine Militärkaserne umgewandelt. In diese Zeit fällt ein dunkles Ereignis, das als „Massacre de la Glacière“ bekannt ist, bei dem etwa sechzig politische Gefangene im Palast hingerichtet wurden.
Der Palast in der Neuzeit
Der 1840 als historisches Denkmal eingestufte Palais des Papes ist heute eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Frankreichs und empfing 2023 774.325 Besucher. Seit 1947 verwandelt sich sein Haupthof, der Cour d'Honneur, jeden Juli in eine spektakuläre Freilichtbühne und dient als Hauptspielort des weltberühmten, von Jean Vilar ins Leben gerufenen Festival d'Avignon.
Über das Festival hinaus fungiert der Palast als Kongresszentrum und beherbergt regelmäßig wechselnde Kunstausstellungen. Besucher können auch die kürzlich restaurierten päpstlichen Gärten genießen, die mit einem städtischen Obstgarten einen öffentlichen Raum zur Entspannung bieten. Aufgrund der zahlreichen Treppen ist die Barrierefreiheit im Gebäude möglicherweise eingeschränkt.
FAQ
Warum wurde der Palais des Papes in Avignon gebaut?
Das Papsttum verlegte seinen Sitz 1309 unter Papst Clemens V. wegen der politischen Instabilität in Rom nach Avignon. Der Bau des Palastes begann 1335, um als neuer, befestigter Sitz der westlichen Christenheit zu dienen.
Wie lange lebten die Päpste im Palais des Papes?
Das Papsttum in Avignon, in dessen Zeit sieben französische Päpste in der Stadt residierten, dauerte von 1309 bis 1378. Später wurde der Palast während des Großen Abendländischen Schismas von zwei Gegenpäpsten bewohnt.
Wofür wird der Palais des Papes heute genutzt?
Heute ist er eine wichtige Touristenattraktion, UNESCO-Weltkulturerbe, Kongresszentrum und ein Ort für Kunstausstellungen. Sein Haupthof, der Cour d'Honneur, wird für das jährliche Festival d'Avignon zur Freilichtbühne.
Wie lange dauerte der Bau des Palais des Papes?
Der Hauptbau des gewaltigen gotischen Komplexes, der den Palais Vieux und den Palais Neuf vereint, wurde in der erstaunlich kurzen Zeit von weniger als 20 Jahren, von 1335 bis 1352, fertiggestellt.



