Palais du Commerce in Rennes: Geschichte und Architektur
Architektonischer Anker an der Place de la République
Das Palais du Commerce ist ein klassizistisches Wahrzeichen an der Place de la République im französischen Rennes. Aus Granit und Kalkstein erbaut, fungiert der Prachtbau als städtebauliches Scharnier zwischen zwei völlig unterschiedlichen Stadthälften: der mittelalterlichen, parlamentarisch geprägten Haute-Ville im Norden und der vom 19. Jahrhundert und der Eisenbahn gezeichneten Basse-Ville im Süden. Seine Errichtung fiel mit einer gewaltigen Ingenieursleistung des späten 19. Jahrhunderts zusammen, bei der das Flussbett der Vilaine kanalisiert und überdeckt wurde. So entstand überhaupt erst der Platz, über den der Palast heute wacht. Direkt unter dem Pflaster pulsiert der wichtigste Verkehrsknotenpunkt der Metropolregion mit der zentralen Station der Metrolinie A.
45 Jahre Bauzeit und das Feuer von 1911
Das Gebäude, das unter dem Bürgermeister Edgard Le Bastard ersonnen wurde, sollte als vielseitiges bürgerliches und kommerzielles Zentrum dienen. Stadtarchitekt Jean-Baptiste Martenot brachte das Projekt 1885 ins Rollen und entwarf einen Bau, der regionale Post-, Telegrafen- und Telefondienste, die städtische Börse, eine Kunsthochschule, ein Konservatorium und eine Bibliothek unter einem Dach vereinen sollte. Wegen massiver Rückschläge dauerte es jedoch fast 45 Jahre, bis das Monument endlich fertigstand.
Am 29. Juli 1911, noch vor der endgültigen Fertigstellung, schlug der Blitz in das Dach ein. Das Feuer fraß sich durch die oberen Stockwerke, vernichtete die dritte Etage des Mitteltrakts und legte den bereits vollendeten Ostflügel in Schutt und Asche. Die Katastrophe lockte Schaulustige in Scharen herbei, darunter auch uniformierte Postangestellte, die sich auf der Rue du Pré-Botté versammelten, um zusehen zu müssen, wie ihr Arbeitsplatz in Flammen aufging. Fotografen hielten das Inferno und die Trümmer fest. Ihre Aufnahmen wurden kurzerhand auf Postkarten gedruckt und in der ganzen Bretagne als Souvenirs vertrieben. Nach diesem Desaster und weiteren Verzögerungen durch den Ersten Weltkrieg übernahm der Architekt Emmanuel Le Ray den Wiederaufbau samt Erweiterung des Westflügels und vollendete das Ensemble schließlich im Jahr 1929.
Klassizistische Architektur und Mosaike von Odorico
Das Palais du Commerce öffnet sich mit seinem symmetrischen, U-förmigen Grundriss nach Norden zur Place de la République. Hinter der klassizistischen Fassade verbirgt sich ein Rhythmus aus steinernen Arkaden im Erdgeschoss, über denen sich korinthische Pilaster und Säulen über zwei stattliche Flügel mit jeweils elf Achsen erstrecken. Über dem Mittelpavillon thront ein markanter Dreiecksgiebel, flankiert von monumentalen Kartuschen mit der Inschrift Palais du Commerce. Gekrönt wird das Ganze von einem vierseitigen Mansarddach aus Zink und Schiefer samt Zierlaterne.
Als Verbindung zwischen der Place de la République und der Rue du Pré-Botté schneidet die Passage de la Légion d'Honneur als überdachte Fußgängergalerie mitten durch den Bau. Im Inneren zeugen kunstvolle Böden und Ornamente vom Können der berühmten Mosaikwerkstatt von Isidore Odorico aus Rennes, deren Handschrift das Stadtbild des frühen 20. Jahrhunderts vielerorts prägt.
Wandel und neue Nutzung
Im Laufe seiner Geschichte passte sich das Palais du Commerce immer wieder an die wechselnden Bedürfnisse von Stadt und Handel an. So beherbergte es unter anderem Postfilialen und im Erdgeschoss das traditionsreiche Café de la Paix. In den letzten Jahren begann für das Wahrzeichen ein neues Kapitel: Unter der Regie der in Rennes ansässigen Hotel- und Immobiliengruppe Vicartem verwandelt sich das Gebäude in ein vielseitiges Quartier für Hotellerie, Einzelhandel, Gastronomie und Wellness.
FAQ
Wofür wurde das Palais du Commerce ursprünglich erbaut?
Unter Bürgermeister Edgard Le Bastard als bürgerlicher und wirtschaftlicher Knotenpunkt konzipiert, sollte das Gebäude die regionale Börse, Post-, Telegrafen- und Telefondienste sowie eine Bibliothek, ein Konservatorium und eine Kunsthochschule beherbergen.
Warum dauerte der Bau des Gebäudes fast 45 Jahre?
Die Arbeiten begannen 1885 unter Architekt Jean-Baptiste Martenot, verzögerten sich jedoch drastisch durch einen blitzbedingten Brand im Jahr 1911 sowie den Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Architekt Emmanuel Le Ray stellte den Wiederaufbau und die Erweiterung schließlich 1929 fertig.
Welche besonderen Details verbergen sich im Inneren des Palais du Commerce?
Die Innenräume bestechen durch kunstvolle Böden und Mosaikmuster, die aus der berühmten Werkstatt des Mosaizisten Isidore Odorico aus Rennes stammen.
