Iwan-Turgenjew-Denkmal: Literarische Gedenkstätte in Baden-Baden - Baden-baden
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Iwan-Turgenjew-Denkmal: Literarische Gedenkstätte in Baden-Baden

Baden-baden, Germany

Ein literarischer Anker an der Lichtentaler Allee

Das Iwan-Turgenjew-Denkmal steht mitten im historischen Uferpark der Lichtentaler Allee in Baden-Baden. Ungefähr gegenüber dem Brenners Park-Hotel und Spa schmiegt sich die Gedenkstätte an das sanft plätschernde Wasser der Oos. Das Werk zeigt eine dunkel patinierte Bronzebüste auf einem hellen Sandsteinsockel. Geschaffen wurde sie vom russischen Künstler Juri Grigorjewitsch Orechow, der das Stück 1999 signierte; im Oktober 2000 wurde die Büste feierlich enthüllt.

Die Skulptur war ein Gemeinschaftsgeschenk des Kulturministeriums der Russischen Föderation, der russischen Botschaft in Deutschland, der Region Orjol, in der Turgenjew zur Welt kam, und der Stadt Baden-Baden. Der Bronzefuß der Büste trägt eine Inschrift in kyrillischer Schrift mit dem Namen des Schriftstellers und seinen Lebensdaten (1818–1883). Darunter nennt der Steinsockel auf Deutsch sowohl seine Lebensdaten als auch die Zeit seines Aufenthalts vor Ort von 1863 bis 1870.

Sieben Jahre in Baden-Baden: Salons und Hingabe

Iwan Turgenjew kam 1863 nach Baden-Baden, getrieben von seiner tiefen Zuneigung zur gefeierten französischen Mezzosopranistin Pauline Viardot und deren Ehemann Louis Viardot. Als sich die Viardots nach Paulines Abschied von der Bühne ein Anwesen an der Fremersbergstraße zulegten, kaufte Turgenjew prompt das Nachbargrundstück und baute die Villa Turgenjew, um ihrem Kreis ganz nah zu bleiben.

Zwischen 1863 und 1870 entwickelten sich die Anwesen der Viardots und Turgenjews zu einem einflussreichen europäischen Kultursalon. Bei ihren Soireen trafen sich künstlerische Größen wie der Komponist Johannes Brahms, die Pianistin Clara Schumann und hochrangige Gäste wie der preußische König Wilhelm und Königin Augusta. Dieses Kapitel weltmännischen Treibens endete 1870 jäh mit dem Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges, der die französische Familie Viardot zur Abreise aus Deutschland zwang. Turgenjew folgte ihnen nach London und später nach Bougival. Damit endeten seine sieben Jahre in Baden-Baden.

Literarische Reibereien und der Roman „Rauch“

Sein Aufenthalt in Baden-Baden prägte Turgenjews Schaffen nachhaltig, vor allem seinen Roman Rauch (Dym) von 1867. Vor der Kulisse mondäner Promenaden und den Terrassen des Kurhauses lieferte das Werk eine bissige Satire, die gleichermaßen gegen den reaktionären russischen Adel wie gegen die radikalen Slawophilen austeilte, die sich im Kurort versammelten.

Im selben Jahr wurde Baden-Baden zur Kulisse für ein explosives Dichter-Duell. Fjodor Dostojewski besuchte die Kurstadt und verspielte an den Roulettetischen beträchtliche Summen. Ein Treffen der beiden Schriftsteller eskalierte prompt: Turgenjews westeuropäischer Liberalismus prallte ungebremst auf Dostojewskis konservatives, antiwestliches Slawophilentum. Die Abreibung saß tief, so tief, dass Dostojewski Turgenjew in seinem späteren Roman Die Dämonen als eitlen, affektierten Schriftsteller Karmasinow karikierte.

Botanische Hommagen und der „Russische Baum“

Die Kulisse rund um das Denkmal birgt ganz bewusste historische und botanische Feinheiten. Direkt über dem Sockel breitet eine alte Linde schützend ihre Äste aus. Im Volksmund gilt ihr Blätterdach seit jeher als „Russischer Baum“, eine Erinnerung daran, wie sich russische Reisende und Emigranten im 19. Jahrhundert unter ihren Zweigen versammelten, um hitzig über Politik zu debattieren.

Rund um den Sandsteinsockel pflanzte das städtische Gartenamt gezielt Ebereschen. Eine gärtnerische Verbeugung vor Turgenjew, der in seinen Schriften ausdrücklich seine Vorliebe für diese Baumart festgehalten hatte. Heute ist das Denkmal am Fuß- und Radweg der Lichtentaler Allee das ganze Jahr über zugänglich und ein unverzichtbarer Halt auf literarischen Spaziergängen, die Baden-Badens Ruf als „Sommerhauptstadt Europas“ im 19. Jahrhundert nachspüren.

FAQ

Wo befindet sich das Iwan-Turgenjew-Denkmal?

Das Denkmal befindet sich am Fuß- und Radweg der Lichtentaler Allee entlang der Oos, ungefähr gegenüber dem Brenners Park-Hotel und Spa in Baden-Baden.

Warum lebte Iwan Turgenjew in Baden-Baden?

Turgenjew zog 1863 nach Baden-Baden, um der französischen Mezzosopranistin Pauline Viardot und ihrem Mann Louis Viardot nahe zu sein. Gleich neben ihrem Anwesen ließ er die Villa Turgenjew errichten.

Warum wurden Ebereschen um die Büste gepflanzt?

Das Baden-Badener Gartenamt pflanzte die Ebereschen rund um den Sockel als Hommage an Turgenjew, der in seinen Schriften seine persönliche Vorliebe für diesen Baum festgehalten hatte.

Was hat es mit dem „Russischen Baum“ beim Denkmal auf sich?

Der Überlieferung nach steht die mächtige Linde, die die Büste beschirmt, für den beliebten Treffpunkt, an dem sich russische Kurgäste im 19. Jahrhundert versammelten, um Neuigkeiten auszutauschen und über Politik zu debattieren.

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