Trinkhalle Baden-Baden: Säulengang, Geschichte und Wandbilder - Baden-baden
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Trinkhalle Baden-Baden: Säulengang, Geschichte und Wandbilder

Baden-baden, Germany

An der Kaiserallee am Rande des Kurgartens schmiegt sich die Trinkhalle neben Kurhaus und Oos an die Kulisse Baden-Badens. Zusammen mit Casino und Theater bildet sie das Herz des historischen Ensembles und markiert den Auftakt zur Flaniermeile Richtung Lichtentaler Allee. Als Schlüsselmonument des UNESCO-Welterbes „Bedeutende Kurstädte Europas“ zeigt die Trinkhalle bilderbuchartig, wie sich das Kurwesen im 19. Jahrhundert wandelte: weg vom reinen Heilbaden im stillen Kämmerlein, hin zur eleganten Selbstdarstellung beim Promenieren.

Ursprünge und Architektur des 19. Jahrhunderts

Erbaut zwischen 1839 und 1842, löste die Trinkhalle ein kleineres Vorgängergebäude von Friedrich Weinbrenner ab. Da Baden-Baden immer mehr internationales Publikum anzog, platzte Weinbrenners Bau schlicht aus allen Nähten, als der Hype um die morgendliche Trinkkur seinen Höhepunkt erreichte.

Also musste ein repräsentativerer Neubau her. Heinrich Hübsch, ein Meisterschüler Weinbrenners, übernahm die Planung. Herzstück seines Entwurfs war ein 90 Meter langer, überdachter Wandelgang auf 16 korinthischen Säulen. Hier flanierten die Kurgäste wettergeschützt, nippten am Mineralwasser und widmeten sich der gepflegten Konversation. Vor dem Gebäude erinnert eine Marmorbüste von Bildhauer Joseph von Kopf an Kaiser Wilhelm I., der dem Kurort vier Jahrzehnte lang die Treue hielt.

Die Wandbilder der Schwarzwaldsagen

1844 schmückte der Maler Jakob Götzenberger die Wandelhalle mit 14 großformatigen Fresken zu Mythen und Volkssagen der Region. Neben der kulturellen Zerstreuung für Spaziergänger erfüllten die Szenen einen ganz handfesten Zweck: Sie funktionierten als frühe Bildwerbung, die Lust auf Tagesausflüge und Kutschfahrten in die Täler und Höhen des Schwarzwalds machen sollte.

Die Wandbilder greifen bekannte regionale Sagen auf:

  • Burkart Keller von Yburg: Ein junger Edelmann lässt sich an einem heidnischen Altar von einer verschleierten Erscheinung betören, der Weißen Frau, die ihm schließlich mit einem Kuss die Lebensgeister aussaugt.
  • Der Mummelsee: In mondhellen Sommernächten steigen Nymphen empor und tanzen über den Wellen, bis der Seekönig sie wieder in die Tiefe ruft.
  • Schloss Hohenbaden: Markgräfin Katharina von Österreich betet während eines Pestausbruchs, woraufhin aufsteigende Thermaldämpfe den schwarzen Tod in der Stadt erstickt haben sollen.
  • Kloster Lichtenthal: Die Äbtissin legt im Dreißigjährigen Krieg die Klosterschlüssel in die Hände einer Marienstatue. Daraufhin werden schwedische Truppen mit Blindheit geschlagen und das Kloster entgeht der Zerstörung.

Der Thermalbrunnen und moderne Richtlinien

Obwohl die Trinkhalle einst eigens für den rituellen Schluck heilenden Thermalwassers erbaut wurde, sieht die Realität heute anders aus. Zwar speist noch immer echtes Quellwasser das Brunnenbecken im Inneren. Nach modernen städtischen Gesundheitsrichtlinien gilt das Wasser jedoch als ungeeignet zum Trinken, und Hinweisschilder mahnen Gäste unmissverständlich, keinen Schluck zu nehmen.

Heutige Nutzung und Service

Heute dient die Trinkhalle als frei zugänglicher, prachtvoller Flanierweg zwischen Stadtzentrum und Kurhausgärten. Beim Schritt über den historischen Steinboden fängt sich das wechselnde Licht zwischen den hohen Säulen, untermalt vom Blätterrauschen des Kurgartens.

Im Inneren des Gebäudes befinden sich Baden-Badens Tourist-Information und der Ticket-Service. Ein Café samt Bar, Lounge und Außenterrasse lädt mit Blick ins Grüne zum Verweilen ein. Die geschützte 90-Meter-Kolonnade verwandelt sich zudem regelmäßig in eine lebendige Bühne für Kunst-, Handwerks- und Antikmärkte oder abendliche Feste und Empfänge.

FAQ

Kann man das Thermalwasser in der Trinkhalle heute noch trinken?

Obwohl noch immer echtes Thermalwasser in das Brunnenbecken der Halle fließt, gilt es nach aktuellen Hygienevorgaben als nicht trinkbar. Schilder raten Besuchern ausdrücklich vom Verzehr ab.

Wer hat die Trinkhalle und die Wandbilder gestaltet?

Die Trinkhalle wurde von Heinrich Hübsch, einem Schüler Friedrich Weinbrenners, entworfen und zwischen 1839 und 1842 erbaut. Die 14 Wandgemälde mit regionalen Sagen entlang des Säulengangs schuf Jakob Götzenberger im Jahr 1844.

Welchen Zweck erfüllten die Wandbilder damals?

Die Wandbilder sollten nicht nur die flanierenden Kurgäste mit regionalen Sagen unterhalten, sondern dienten ganz pragmatisch als frühe Bildwerbung: Sie machten Lust auf Kutschfahrten und Ausflüge zu beliebten Ausflugszielen im Schwarzwald.

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