
Neues Schloss: Baden-Badens Schloss über den Dächern
Das Neue Schloss thront 240 Meter hoch auf dem Florentinerberg und blickt herab auf Baden-Badens historische Altstadt und das Treiben auf dem Marktplatz. „Neu“ ist hier allerdings relativ, denn der Komplex hat bereits über sechshundert Jahre auf dem Buckel. Der Name diente schlicht dazu, das Schloss von Schloss Hohenbaden (dem Alten Schloss) zu unterscheiden, jener noch älteren Festungsruine oben auf den Battertfelsen. Als architektonische Brücke zwischen mittelalterlicher Feudalzeit und dem Aufstieg zum mondänen Kurbad im Tal sitzt der Palast direkt über einer geologischen Naturgewalt: Genau hier drängen Baden-Badens mineralstoffreiche Thermalquellen aus rund 2.000 Metern Tiefe empor, mit Temperaturen von bis zu 68,8 Grad Celsius.
Ursprünge und markgräflicher Herrschersitz
Die ersten Befestigungen auf dem Bergsporn gehen auf die Jahre zwischen 1388 und 1399 zurück. Um 1479 verlegte Markgraf Christoph I. den Hof von Hohenbaden hierher hinab und machte das Neue Schloss zur offiziellen Residenz der Markgrafen von Baden. Nach der badischen Erbteilung von 1535 avancierte das Schloss zum Hauptsitz der Linie Baden-Baden. Auch die Verwaltung zog ein: Ab 1529 lagerte hier das markgräfliche Zentralarchiv. Im Laufe des 16. Jahrhunderts folgten großzügige Umbauten, um den standesgemäßen Ansprüchen des Hofstaats gerecht zu werden.
Zerstörung, Wiederaufbau und neuere Geschichte
1689, im Pfälzischen Erbfolgekrieg, legten Truppen des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. die Festung in Schutt und Asche. Die Verwüstung bewog Markgraf Ludwig Wilhelm dazu, den Verwaltungssitz zu verlegen und im nahen Rastatt eine brandneue Barockresidenz zu errichten. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts baute man das Neue Schloss schließlich wieder auf, wobei die erhaltenen Außenmauern geschickt in den Neubau einbezogen wurden.
Im 19. Jahrhundert diente das Schloss den Großherzögen von Baden als Sommerresidenz. Zwischen 1843 und 1847 wurde das Anwesen unter der Leitung des Architekten Friedrich Theodor Fischer im historistischen Stil grundlegend modernisiert. Nach der Revolution von 1918/19 ging das Ensemble in den Privatbesitz des Hauses Baden über und beherbergte bis 1981 das Zähringer Museum. Im Oktober 1995 wurde die historische Ausstattung schließlich in alle Winde zerstreut, als Sotheby’s den gesamten Schlossinhalt in einer spektakulären Großauktion versteigerte.
Schlossarchitektur und Schlossterrasse
Der weitläufige Komplex vereint mehrere miteinander verbundene Trakte: ein dreigeschossiges Hauptschloss, einen Archivturm, eine Remise, einen Küchenbau und ein Kavalierhaus. Sie alle gruppieren sich um einen Innenhof, den du durch ein Torhaus aus dem 15. Jahrhundert betrittst.
Eingefasst wird das Areal von einer rund 130 Meter langen steinernen Balustradenterrasse, die um 1670 angelegt wurde. Hoch über dem Bäderviertel eröffnet sie ein fantastisches Panorama über die Altstadt. Der Blick schweift über das kupferne Dach und den Turm der katholischen Stiftskirche, die Giebel des Kurviertels, die Weite der Oberrheinischen Tiefebene und bis hinüber zu den französischen Vogesen.
Aktueller Zustand und öffentlicher Zugang
Ende 2003 verkaufte das Haus Baden die Immobilie an die kuwaitische Al-Hassawi-Gruppe. Die Pläne, das historische Denkmal in ein Luxushotel zu verwandeln, versandeten jedoch zusehends. Im Februar 2022 zog der Baden-Badener Gemeinderat schließlich die Reißleine und hob den Bebauungsplan für das Projekt offiziell auf.
Während die Innenräume und der historische Schlosspark für die Öffentlichkeit verschlossen bleiben, steht dir die 130 Meter lange Schlossterrasse das ganze Jahr über offen. Als frei zugänglicher Aussichtspunkt lässt sie sich über verschlungene Pfade und steile Steintreppen erklimmen, die vom Bäderviertel den Hang hinaufziehen.
FAQ
Kann man das Neue Schloss von innen besichtigen?
Nein, die Innenräume und der historische Schlosspark sind nach gescheiterten Umbauplänen für die Öffentlichkeit gesperrt. Die 130 Meter lange Balustradenterrasse aus Stein ist für Spaziergänger jedoch das ganze Jahr über frei zugänglich.
Warum heißt das Schloss eigentlich „Neues Schloss“, wenn es schon im Mittelalter erbaut wurde?
Die Anlage ist über 600 Jahre alt; die ersten Wehrmauern entstanden zwischen 1388 und 1399. Der Name „Neues Schloss“ sollte es lediglich von Schloss Hohenbaden (dem Alten Schloss) abgrenzen, jener noch älteren Burgruine oben auf den Felsen.
Welche geologische Besonderheit befindet sich direkt unter dem Neuen Schloss?
Das Schloss steht direkt auf dem Florentinerberg, wo Baden-Badens natürliche Thermalquellen aus rund 2.000 Metern Tiefe emporsteigen, mit Temperaturen von bis zu 68,8 Grad Celsius.



