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Detlev-Rohwedder-Haus: Eine Berliner Geschichtsstunde

Berlin, Germany

Das Detlev-Rohwedder-Haus in Berlin ist ein monumentaler Zeuge der turbulenten deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert. Heute beherbergt es das Bundesministerium der Finanzen, doch seine Mauern dienten bereits drei grundverschiedenen politischen Systemen, angefangen mit seiner Rolle als Symbol der NS-Macht.

Ein Monument der NS-Macht

In unglaublicher Geschwindigkeit zwischen 1935 und 1936 erbaut, war das Gebäude ursprünglich das Reichsluftfahrtministerium. In Auftrag gegeben von Hermann Göring, dem Oberbefehlshaber der Luftwaffe, diente es als Hauptquartier für den Aufbau der deutschen Luftwaffe, ein direkter Affront gegen den Versailler Vertrag. Der von Architekt Ernst Sagebiel entworfene, imposante Stil wird als „nationalsozialistische Einschüchterungsarchitektur“ bezeichnet.

Bei seiner Fertigstellung war es das größte Bürogebäude Europas, ein weitläufiger Komplex mit einem Stahlbetonskelett, das mit Muschelkalk und Travertin verkleidet war. Das Gebäude umfasst rund sieben Kilometer Korridore und über 2.000 Büros. Von dieser Kommandozentrale aus wurden nicht nur Teile der NS-Kriegsmaschinerie gesteuert, hier planten auch Mitglieder der Widerstandsgruppe ‚Rote Kapelle‘ ihre Aktionen.

Überleben und Wandel

Wie durch ein Wunder überstand das Gebäude den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschadet. Es wurde sofort umfunktioniert, zuerst als Hauptquartier der Sowjetischen Militäradministration und später als Sitz der Deutschen Wirtschaftskommission für die sowjetische Besatzungszone. Ein entscheidender Moment ereignete sich am 7. Oktober 1949, als in seinen Hallen die Deutsche Demokratische Republik (DDR) offiziell gegründet wurde.

In der DDR-Zeit als ‚Haus der Ministerien‘ bekannt, wurde es zu einem zentralen Regierungssitz. Das Gebäude war auch der Schauplatz des Volksaufstands vom 17. Juni 1953: Am 16. Juni versammelten sich protestierende Arbeiter davor, was am folgenden Tag zu einer landesweiten Revolte führte.

Eine Ikone des wiedervereinigten Deutschlands

Nach der deutschen Wiedervereinigung beherbergte das Gebäude die Treuhandanstalt, die mit der Privatisierung der volkseigenen Betriebe der DDR beauftragt war. 1992 wurde es zu Ehren des ersten Präsidenten der Anstalt, der 1991 einem Attentat zum Opfer fiel, in Detlev-Rohwedder-Haus umbenannt.

Seit 1999 dient das Gebäude nach umfangreichen Sanierungsarbeiten als Hauptsitz des Bundesministeriums der Finanzen. Gedenkstätten in der Eingangshalle erinnern heute an den Widerstand der ‚Roten Kapelle‘ und den Volksaufstand von 1953. Ein markantes Merkmal an der Fassade ist das 18 Meter lange Wandbild ‚Aufbau der Republik‘ von Max Lingner. Dieses sozialistische Kunstwerk aus Meißner Porzellanfliesen wurde während der DDR-Zeit angebracht und steht in krassem ideologischem Kontrast zur ursprünglichen Bestimmung des Gebäudes.

FAQ

Wofür wurde das Detlev-Rohwedder-Haus ursprünglich genutzt?

Es wurde ursprünglich als Reichsluftfahrtministerium für das nationalsozialistische Deutschland erbaut und diente als Hauptquartier für Hermann Görings Luftwaffe.

Warum heißt das Gebäude Detlev-Rohwedder-Haus?

Es wurde 1992 zu Ehren von Detlev Rohwedder umbenannt, dem ersten Präsidenten der Treuhandanstalt, der 1991 von der Rote Armee Fraktion ermordet wurde.

Was ist das große Wandbild an der Fassade des Gebäudes?

Das Wandbild trägt den Titel ‚Aufbau der Republik‘ und stammt vom Künstler Max Lingner. Es wurde zur Zeit der DDR angebracht und stellt mit Fliesen aus Meißner Porzellan sozialistische Ideale dar.

Wofür wird das Gebäude heute genutzt?

Heute ist das Detlev-Rohwedder-Haus der Hauptsitz des Bundesministeriums der Finanzen.

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