Ziel

Lessing-Denkmal im Berliner Tiergarten

Berlin, Germany

Das Lessing-Denkmal steht am südöstlichen Rand des Großen Tiergartens in Berlin und ist dem einflussreichen deutschen Philosophen, Dramatiker und Kunstkritiker der Aufklärung, Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781), gewidmet. Das bedeutende Denkmal wurde am 14. Oktober 1890 enthüllt und ist im Park frei zugänglich.

Gestaltung und Kunstfertigkeit

Das Denkmal wurde vom Bildhauer Otto Lessing, einem Großneffen des Geehrten, im neobarocken Stil der Berliner Bildhauerschule entworfen. Die zentrale, überlebensgroße Statue von Gotthold Ephraim Lessing ist aus weißem Laaser Marmor gefertigt, drei Meter hoch und steht auf einem vier Meter hohen Sockel aus rötlichem und grauem Granit. So erreicht das Denkmal eine Gesamthöhe von sieben Metern.

Der Sockel, der vom Architekten Wilhelm Rettig nach Skizzen von Otto Lessing gestaltet wurde, ist mit allegorischen Bronzefiguren und Zierreliefs geschmückt. Dazu gehören Porträtreliefs von Lessings Freunden, dem Philosophen Moses Mendelssohn, dem Dichter Ewald Christian von Kleist und dem Schriftsteller Friedrich Nicolai. An der Vorderseite befindet sich eine Tafel mit Zeilen aus Lessings Drama „Nathan der Weise“, während die Rückseite eine allegorische Darstellung der „Kritik“ zeigt. Der ursprüngliche Entwurf umfasste auch zwei Brunnenbecken mit bronzenen Wasserspeiern in Form von Delfinköpfen.

Ein lang erwartetes Denkmal

Die Idee, Lessing zu ehren, geht auf einen Beschluss des Berliner Magistrats aus dem Jahr 1863 zurück, drei großen deutschen Geistesgrößen zu gedenken: Friedrich Schiller, Johann Wolfgang von Goethe und Lessing. Das Lessing-Denkmal wurde als letztes der drei errichtet. 1886 rief ein Komitee unter der Leitung von Carl Robert Lessing, einem weiteren Großneffen des Dichters, einen Gestaltungswettbewerb ins Leben. Aus 27 Einsendungen wurde der Entwurf von Otto Lessing ausgewählt.

Der Bau fand von 1887 bis 1890 statt. Die Enthüllungszeremonie war ein großes bürgerschaftliches Ereignis, bei dem der Literaturhistoriker Erich Schmidt eine Rede hielt und die Stadt Berlin das Denkmal offiziell übernahm.

Ehrung für einen Vordenker der Aufklärung

Gotthold Ephraim Lessing war eine zentrale Figur der deutschen Aufklärung. Seine Dramen und theoretischen Schriften, wie „Nathan der Weise“, prägten die deutsche Literatur nachhaltig, indem sie die etablierten Theatermodelle herausforderten. Er gilt als der erste Dramaturg der Geschichte und war ein glühender Verfechter von religiöser Toleranz, geistiger Freiheit und dem Streben nach Wahrheit. Sein Werk und seine Freundschaft mit Moses Mendelssohn fanden weite Verbreitung und warben für die Ideale der Toleranz und des Humanismus.

Ein Denkmal im Grenzland

Das Lessing-Denkmal blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Nach dem Bau der Berliner Mauer 1961 stand das Denkmal unmittelbar am sogenannten „Niemandsland“ und war somit ungeschützt und verwundbar. Dies führte zu weitreichendem Vandalismus und dem Diebstahl seiner Bronzeteile, von denen viele zur sicheren Aufbewahrung entfernt werden mussten.

Zwischen 1987 und 1992, also sowohl vor als auch nach der deutschen Wiedervereinigung, wurden umfassende Restaurierungsmaßnahmen durchgeführt, um die Schäden zu beheben. Trotz dieser Bemühungen gingen Diebstahl und Vandalismus weiter, und selbst neu gegossene Bronzeteile wurden gestohlen. Dieser fortwährende Kampf unterstreicht die Rolle des Denkmals als stiller Zeuge der Teilung Berlins im 20. Jahrhundert und verdeutlicht die Herausforderungen bei der Erhaltung von Kunst im öffentlichen Raum.

FAQ

Wer war Gotthold Ephraim Lessing?

Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781) war ein führender deutscher Philosoph, Dramatiker, Publizist und Kunstkritiker der Aufklärung. Er ist bekannt für Werke wie „Nathan der Weise“ und gilt als der erste Dramaturg der Theatergeschichte.

Wo befindet sich das Lessing-Denkmal in Berlin?

Das Lessing-Denkmal befindet sich am südöstlichen Rand des Großen Tiergartens, in der Nähe der Lennéstraße, im Berliner Ortsteil Tiergarten.

Wer hat das Lessing-Denkmal entworfen?

Das Denkmal wurde vom Bildhauer Otto Lessing entworfen, einem Großneffen von Gotthold Ephraim Lessing. Der Sockel wurde vom Architekten Wilhelm Rettig nach Skizzen von Otto Lessing gestaltet.

Warum wurde das Lessing-Denkmal immer wieder beschädigt?

Durch seine Lage direkt am „Niemandsland“ der Berliner Mauer war das Denkmal nach 1961 Vandalismus und Diebstahl schutzlos ausgesetzt. Viele seiner dekorativen Bronzeteile wurden im Laufe der Jahre gestohlen, ein Problem, das auch nach Restaurierungsbemühungen fortbestand.

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