
SO36: Geschichte von Berlins legendärem Punk-Club
Der Musikclub SO36 in der Oranienstraße ist eine Ikone der Berliner Gegenkultur und Namensgeber für den umliegenden Kreuzberger Kiez. Der Name selbst leitet sich von der historischen Postleitzahl für diesen Teil der Stadt ab: „Südost 36“.
Ein Gebäude mit rebellischer Vergangenheit
Der Ort, an dem sich das SO36 heute befindet, hat eine lange und wechselvolle Geschichte. 1861 als Biergarten mit Ausschank gegründet, wurde er später zu einem Kino. Nach dem Ersten Weltkrieg lief der Kinobetrieb, bis das Gebäude 1966 ausbrannte. Überraschenderweise beherbergte das Gebäude in den 1970er Jahren einen Penny-Discounter, der jedoch scheiterte, weil die Anwohner angeblich zu arm waren, um dort einzukaufen. Dieser Leerstand ebnete den Weg für das nächste Kapitel.
Im Sommer 1978 mieteten drei Einwanderer das leere Gebäude und eröffneten es als Konzertsaal. Damit knüpften sie an die aufkeimende Hausbesetzerbewegung in Kreuzberg an. Die Identität des Clubs wurde ab 1979 maßgeblich von dem Künstler Martin Kippenberger geprägt, der eine Verbindung von Punk, New Wave und bildender Kunst förderte.
Das Herz des West-Berliner Untergrunds
In den 1970er Jahren wurde der West-Berliner Bezirk Kreuzberg, isoliert durch die nahegelegene Berliner Mauer, zu einem Zufluchtsort für linke und alternative Kreise. Die günstigen Lebenshaltungskosten zogen Künstler, Punks und Außenseiter an. Das SO36 entwickelte sich schnell zum zentralen Knotenpunkt der Punk- und New-Wave-Bewegung der Stadt und beeinflusste die Entwicklung deutscher Genres wie der Neuen Deutschen Welle und des Deutschpunk.
Sein Ruf wuchs international und man zog Vergleiche zum berühmten CBGB in New York. Während ihrer einflussreichen Berliner Jahre von 1976 bis 1978 waren David Bowie und Iggy Pop bekanntermaßen oft im SO36 zu Gast, um in das Untergrund-Nachtleben der Stadt einzutauchen.
Schließung, Besetzung und Wiedergeburt
Ein entscheidender Wendepunkt kam 1983, als der Club wegen Konkurs und Baufälligkeit schließen musste. Anschließend wurde das Gebäude von verschiedenen alternativen Gruppen besetzt, bis die Polizei es 1987 räumte.
Nach dem Fall der Berliner Mauer wurde das SO36 renoviert und 1990 offiziell wiedereröffnet. Unter der Leitung des türkischen Geschäftsmanns Hilal Kurutan erweiterte der Club sein Programm. Obwohl er seinen Punk-Wurzeln treu blieb, veranstaltete er nun auch türkische Hochzeiten, Gay-Abende, Discos und Hip-Hop-Events.
Das SO36 heute
Heute ist das SO36 nach wie vor ein äußerst aktiver und einflussreicher Veranstaltungsort in der Oranienstraße. Es führt sein Erbe als Zentrum für Berlins alternative Musik und Gegenkultur fort und ist bekannt für seine inklusive und antidiskriminierende Atmosphäre. Das Programm ist vielseitig und reicht von Punkkonzerten und elektronischer Musik über queere Partys wie Gayhane bis hin zu Roller-Discos und Lesungen. Der raue, mit Graffiti bedeckte Eingang und die schnörkellose Einrichtung des Clubs zeugen von seiner jahrzehntelangen Geschichte als Bastion des rebellischen Geistes.
FAQ
Warum heißt die Gegend SO36?
Die Gegend hat ihren Namen von der historischen Postleitzahl „Südost 36“, die für diesen Teil des Berliner Bezirks Kreuzberg verwendet wurde.
Was war in dem SO36-Gebäude, bevor es ein berühmter Club wurde?
Das Gebäude hat eine lange Geschichte. Ursprünglich war es 1861 ein Biergarten mit Ausschank, später ein Kino und in den 1970er Jahren für kurze Zeit sogar ein Penny-Discounter, bevor es in einen Konzertort umgewandelt wurde.
Waren berühmte Musiker mit dem SO36 verbunden?
Ja, David Bowie und Iggy Pop waren während ihrer Berliner Zeit zwischen 1976 und 1978 bekanntermaßen oft im SO36. Der Club wurde 1979 auch von dem einflussreichen Künstler Martin Kippenberger geleitet.
Ist das SO36 immer noch nur ein Punk-Club?
Obwohl das SO36 seine Punk-Wurzeln beibehält, bietet es heute ein sehr vielfältiges Programm. Auf dem Plan stehen elektronische Musik, queere Partys, Roller-Discos, Hip-Hop, Lesungen und verschiedene Gemeinschaftsveranstaltungen.
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