Ziel

Stolperstein für Herbert Budzislawski in Berlin

Berlin, Germany

In der Großen Hamburger Straße 15/16 in Berlin erinnert eine kleine, in den Gehweg eingelassene Messingtafel an das Leben von Herbert Budzislawski. Dieser Stolperstein markiert den letzten bekannten Wohnsitz eines jungen deutsch-jüdischen Widerstandskämpfers, der im Alter von 22 Jahren vom NS-Regime hingerichtet wurde.

Frühes Leben und Verfolgung

Herbert Budzislawski wurde am 30. Dezember 1920 in Berlin in eine liberale jüdische Kaufmannsfamilie geboren. Nach dem Tod seines Vaters, als er 11 Jahre alt war, wurde sein Leben durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 von Grund auf verändert. Antisemitische Gesetze zwangen ihn, die Schule vorzeitig zu verlassen, woraufhin er eine Ausbildung zum Metall- und später zum Bauarbeiter machte. Er war in jüdischen Jugendorganisationen wie der „Jüdischen Jugendschar“ aktiv und feierte 1933 seine Bar-Mizwa in der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße. Er und seine Mutter, die als Geflügelhändlerin arbeitete, zogen schließlich an die Adresse in der Großen Hamburger Straße.

Widerstand, Verhaftung und Hinrichtung

Budzislawski kam in Kontakt mit der Herbert-Baum-Gruppe, einer kommunistisch orientierten jüdischen Widerstandsorganisation, und teilte deren politische Überzeugungen. Seine Situation wurde dadurch noch gefährlicher, dass er offen schwul war, was nach Paragraph 175 des deutschen Strafgesetzbuches strafbar war. Die Gestapo stellte ihn bereits 1938 wegen „kommunistischer Umtriebe“ und „homosexueller Sittlichkeitsvergehen“ unter Beobachtung, doch einer Bestrafung entging er damals, indem er die Vorwürfe vehement abstritt.

Die zunehmende Diskriminierung, die Deportation seiner Mutter im Jahr 1942 und seine früheren Erfahrungen mit der Gestapo trugen zu seiner Radikalisierung bei. Am 18. Mai 1942 beteiligte er sich an einem Brandanschlag auf die antisowjetische Propagandaausstellung „Das Sowjetparadies“ im Berliner Lustgarten. Nach einer Zeit im Untergrund wurde er verhaftet. Im Juni 1943 verurteilte ihn der Volksgerichtshof wegen Hochverrats zum Tode. Sein Gnadengesuch, in dem er den Wunsch seines Vaters anführte, Deutschland als seine Heimat zu betrachten, wurde abgelehnt. Herbert Budzislawski wurde am 7. September 1943 im Gefängnis Plötzensee hingerichtet.

Das Mahnmal Stolperstein

Der Stolperstein für Herbert Budzislawski wurde am 3. Juni 2004 im Rahmen eines Projekts verlegt, das der Künstler Gunter Demnig 1992 ins Leben gerufen hatte. Diese 10 mal 10 Zentimeter großen, messingplattierten Blöcke werden an den letzten frei gewählten Wohnorten von Opfern der NS-Verfolgung in den Bürgersteig eingelassen und bilden so das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Die Idee dahinter ist, Passanten im übertragenen Sinne über die Geschichte der Menschen „stolpern“ zu lassen, die einst in ihrer Nachbarschaft lebten. Das Projekt setzt einen starken Kontrapunkt zu abstrakten Mahnmalen. Es holt die Namen und persönlichen Schicksale zurück in den öffentlichen Raum und sorgt dafür, dass Opfer wie Herbert Budzislawski als Individuen in Erinnerung bleiben.

FAQ

Wer war Herbert Budzislawski?

Herbert Budzislawski war ein deutsch-jüdischer Widerstandskämpfer, der 1920 in Berlin geboren wurde. Er war Mitglied der kommunistisch orientierten Widerstandsgruppe Herbert Baum und lebte offen schwul, was ihn aus mehrfacher Sicht zur Zielscheibe des NS-Regimes machte.

Warum wurde Herbert Budzislawski hingerichtet?

Er wurde wegen seiner Teilnahme an einem Brandanschlag auf die NS-Propagandaausstellung „Das Sowjetparadies“ im Mai 1942 wegen Hochverrats zum Tode verurteilt. Am 7. September 1943 wurde er im Gefängnis Plötzensee hingerichtet.

Was ist ein Stolperstein?

Ein Stolperstein ist ein kleiner Betonwürfel mit einer Messingplatte, der in den Gehweg eingelassen wird. Er ist Teil eines Kunstprojekts von Gunter Demnig, das an die Opfer des Nationalsozialismus an ihrem letzten frei gewählten Wohnort erinnert.

Wo befindet sich der Stolperstein für Herbert Budzislawski?

Sein Stolperstein befindet sich in der Großen Hamburger Straße 15/16 in Berlin, seinem letzten bekannten Wohnsitz vor seiner Verhaftung durch die Gestapo.

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