
Das Phantom von Blus ‚Pink Man‘-Mural in Berlin
An einer Hauswand in Berlin-Kreuzberg klafft eine schwarze Leere, wo einst ikonische Streetart blühte. Es ist das Phantom des ‚Pink Man‘, eines monumentalen Wandgemäldes des anonymen italienischen Künstlers Blu, das sein Schöpfer in einem kraftvollen Protestakt bewusst übermalte.
Die ikonischen Kreuzberg-Murals
Zwischen 2007 und 2008 schuf Blu in der Cuvrystraße, nahe der Oberbaumbrücke, drei bedeutende Murals, die zu Symbolen für Berlins alternative Identität als „arm, aber sexy“ wurden. Das berühmteste war der ‚Pink Man‘, auch ‚Leviathan‘ genannt, eine fünf Stockwerke hohe Kreatur, die sich akribisch aus Hunderten kleiner, ineinander verschlungener menschlicher Figuren zusammensetzte.
Daneben befand sich eine Zusammenarbeit mit dem französischen Künstler JR: zwei maskierte Gestalten, die versuchten, sich gegenseitig zu demaskieren, während sie die Gang-Zeichen für „Ost“ und „West“ formten. Das dritte Wandbild zeigte einen Geschäftsmann, dessen goldene Uhren wie Handschellen aneinandergekettet waren, eine Kritik an der kapitalistischen Gier. Diese Werke erregten weltweit Aufmerksamkeit und standen für den rebellischen Geist und die kreative Energie der Stadt.
Ein künstlerischer Protestakt
Doch mit der wachsenden Beliebtheit Berlins begann genau die Gegenkultur-Ästhetik, für die Blus Kunst stand, die Gentrifizierung in Kreuzberg anzufachen. Ironischerweise wurden die Murals mit ihren antikapitalistischen Botschaften auf Grußkarten, Buchumschlägen und sogar in den Marketingkampagnen der Stadt ausgeschlachtet. Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, war die geplante Bebauung des gegenüberliegenden Grundstücks mit Luxuswohnungen.
Im Dezember 2014 trafen Blu und seine Mitstreiter, darunter Lutz Henke, eine umstrittene Entscheidung. Um zu verhindern, dass ihre Kunst zur Steigerung von Immobilienwerten und zur Verdrängung der Anwohner missbraucht wird, übermalten sie alle drei Wandbilder mit schwarzer Farbe. Der Akt war ein direktes politisches Statement gegen die Kommerzialisierung, ein Bekenntnis zur künstlerischen Integrität statt zum Profit.
Eine letzte, trotzige Geste
Während sie die Wandbilder übermalten, ließen die Künstler vorübergehend ein Detail unbedeckt: eine Hand mit ausgestrecktem Mittelfinger. Diese flüchtige Geste wurde weithin als Blus letzte, trotzige Botschaft an die Immobilienentwickler und die Mächte der Gentrifizierung interpretiert, die den Kiez veränderten.
Die Wand heute: Eine bewusste Leere
Die Murals sind jetzt verschwunden, ersetzt durch eine komplett schwarze Wand. Der Ort in der Falckensteinstraße 47/48 ist kein Ziel mehr für Streetart-Fans, sondern ein Mahnmal für das, was verloren ging. Die leere Fläche dient als eine bewusste Leere, als permanenter Kommentar des Künstlers zum Spannungsfeld zwischen Kunst, Stadtentwicklung und sozialem Wandel im modernen Berlin.
FAQ
Warum hat der Künstler Blu seine eigenen Murals in Berlin zerstört?
Blu übermalte seine Murals im Dezember 2014 aus Protest gegen die Gentrifizierung des Berliner Bezirks Kreuzberg. Er war der Meinung, dass seine antikapitalistische Kunst kommerziell ausgeschlachtet wurde, um genau die Stadtentwicklung voranzutreiben, die er ablehnte.
Kann man das ‚Pink Man‘-Mural in Berlin noch sehen?
Nein, das ‚Pink Man‘-Mural und zwei benachbarte Werke von Blu wurden im Dezember 2014 vom Künstler vollständig mit schwarzer Farbe übermalt. Die Wand in der Falckensteinstraße 47/48 ist heute eine leere, schwarze Fläche.
Wie sah das ‚Pink Man‘-Mural aus?
Der ‚Pink Man‘, auch ‚Leviathan‘ genannt, war ein fünf Stockwerke hohes Wandbild, das eine monströse Kreatur darstellte. Bei genauerem Hinsehen erkannte man, dass die riesige Gestalt kunstvoll aus Hunderten kleiner, ineinander verschlungener menschlicher Figuren zusammengesetzt war.
Wer ist der Künstler Blu?
Blu ist das Pseudonym eines anonymen italienischen Streetart-Künstlers, der für seine großformatigen, politisch aufgeladenen Murals bekannt ist. Zusätzliche Berühmtheit erlangte er, als er seine eigenen ikonischen Berliner Werke in einem Protestakt bewusst übermalte.
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