Ziel

Umspannwerk Buchhändlerhof: Berlins elektrische Geschichte

Berlin, Germany

Das Umspannwerk Buchhändlerhof in der Mauerstraße 78-80 in Berlin-Mitte, auch als E-Werk bekannt, ist ein Wahrzeichen der Industriearchitektur und des kulturellen Wandels. Dieses expressionistische Backsteingebäude, das seit 1987 unter Denkmalschutz steht, umfasst über ein Jahrhundert Berliner Geschichte, von seinen industriellen Anfängen bis zu seiner modernen, kreativen Identität.

Die Geburtsstunde der Elektrizität

Die Geschichte des Ortes beginnt 1885 mit dem Bau eines der ersten zentralen Kraftwerke Berlins nach Plänen von Oskar von Miller. Dieses Kraftwerk war wegweisend, versorgte Gebiete wie die Leipziger Straße mit Strom und trieb später die erste elektrische Straßenbahn und die S-Bahn der Stadt an. Ein Teil dieses ursprünglichen Baus von 1885 ist noch erhalten und gilt als ältestes erhaltenes Baudenkmal der deutschen Elektrizitätswirtschaft. 1887 wurde das Werk zum Schauplatz eines technologischen Meilensteins: der ersten Zusammenschaltung zweier getrennter Stromnetze in Deutschland überhaupt.

Eine Ikone der Architektur

Als der Strombedarf Berlins wuchs, wurde das ursprüngliche Kraftwerk unzureichend. Zwischen 1924 und 1928 wurde der Standort unter der Leitung des Architekten Hans Heinrich Müller zu einem großen Umspannwerk umgestaltet. Er entwarf ein markantes Gebäude im Stil des Backstein-Expressionismus mit roten Klinkersteinen an der Fassade und glasierten Keramikelementen im Inneren. Der Komplex umfasste ein neunstöckiges Schalthaus, ein für das dichte Stadtgebiet innovatives, platzsparendes Design. Der Name „Buchhändlerhof“ wurde von den nahegelegenen Büros der „Korporation der Berliner Buchhändler“ übernommen.

Krieg und ein neuer Beat

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Umspannwerk 1944 und 1945 durch Bomben schwer beschädigt, obwohl wichtige Elemente wie die markante, viertelkreisförmige Schaltwarte erhalten blieben. Mitte der 1980er Jahre wurde die Anlage schließlich stillgelegt. In der Nachwendezeit fand das Gebäude eine neue Bestimmung. Von 1992 bis 1997 wurde es zum „E-Werk“, einem der berühmtesten Techno-Clubs Europas, der als Symbol für die kreative Energie des Berlins der 1990er Jahre internationalen Ruhm erlangte.

Das Gebäude heute

Nach der Schließung des Clubs wurde das Gebäude von 2004 bis 2006 umfassend saniert. Heute ist das Umspannwerk Buchhändlerhof ein vielseitiger, gemischt genutzter Komplex. Er beherbergt moderne Büroräume, zwölf Wohnungen und große Veranstaltungshallen für bis zu 2.000 Personen. Bemerkenswerterweise dient der Standort auch heute noch seinem ursprünglichen Zweck, wenn auch in moderner Form: Er beherbergt nach wie vor ein Gleichrichterwerk, das die U-Bahn der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) mit Strom versorgt.

FAQ

Was ist das Umspannwerk Buchhändlerhof?

Es ist ein historisches ehemaliges Umspannwerk in Berlin-Mitte, das ursprünglich 1885 als eines der ersten Kraftwerke der Stadt erbaut wurde. Heute ist es ein denkmalgeschütztes Gebäude und ein gemischt genutzter Komplex mit Büros, Wohnungen und Veranstaltungsräumen.

Warum ist das Umspannwerk Buchhändlerhof berühmt?

Es ist berühmt für seine architektonische Bedeutung und seine wechselvolle Geschichte. Nach seiner Zeit als Umspannwerk wurde es in den 1990er Jahren zum international bekannten Techno-Club „E-Werk“ und damit zu einem Symbol des Berlins der Nachwendezeit.

Wer hat das heutige Gebäude des Umspannwerks Buchhändlerhof entworfen?

Der heutige Bau im Stil des Backstein-Expressionismus wurde von dem Architekten Hans Heinrich Müller während eines großen Umbaus zwischen 1924 und 1928 entworfen.

Wird das Umspannwerk Buchhändlerhof noch zur Stromversorgung genutzt?

Ja. Es dient zwar nicht mehr als primäres Umspannwerk, aber auf dem Gelände befindet sich nach wie vor ein Gleichrichterwerk der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), das die U-Bahn mit Strom versorgt.

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