
Bomann-Museum: Guide zur Kulturgeschichte von Celle
Während das benachbarte Celler Schloss vom Leben der regierenden Herzöge erzählt, fängt das Bomann-Museum den Alltag der Celler Bürger und Bauern ein. Auf dem Schloßplatz zwischen Altstadt und Residenz bildet dieses weitläufige Kulturinstitut ein lebendiges Denkmal für das Erbe der Lüneburger Heide.
Ein „Architekturpudding“
Erbaut zwischen 1903 und 1907 auf dem Areal der einstigen Schlossvorburg, präsentiert sich das Museumsgebäude als markante Collage regionaler Baustile. Der hannoversche Architekt Alfred Sasse und Museumsgründer Wilhelm Bomann vereinten massiven Naturstein, gotische und Renaissance-Elemente sowie traditionelles Fachwerk in ihrem Entwurf. Diese bunte Mischung verleitete den Heidedichter Hermann Löns zu der spöttischen Bemerkung, das Gebäude sei ein „wahrer Architekturpudding“. An der Fassade prangt eine Sandsteinskulptur von Herzog Otto II. dem Strengen, der ein Miniaturmodell des Celler Schlosses und ein Richtschwert in Händen hält. Ursprünglich besaß der Bau einen hohen Nordturm, der jedoch 1929 wegen Bauschäden abgetragen werden musste und einer offenen Dachterrasse wich.
Das Erbe der Lüneburger Heide
1892 als „Vaterländisches Museum“ gegründet, um im Zuge der rasanten Industrialisierung das schwindende Brauchtum zu bewahren, wurde die Institution 1928 zu Ehren von Wilhelm Bomann umbenannt. Heute bietet das Haus 3.500 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Die Schau spannt einen Bogen von regionaler Volkskunde über die Stadtgeschichte bis zur Militärvergangenheit des Königreichs Hannover. Schon früh fand die Sammlung kaiserliche Gunst: Wilhelm II. besuchte das Museum persönlich und stiftete für die Ehrenhalle ein monumentales Wandgemälde von Carl Röchling, das die Schlacht an der Göhrde von 1813 zeigt.
In einem Bauernhaus des 16. Jahrhunderts
Zu den eindrucksvollsten Höhepunkten zählt der begehbare Nachbau eines niederdeutschen Hallenhauses von 1571 aus Narjesbergen. Der Schritt von den glatten, modernen Museumsräumen auf den rauen Stein- und Holzfußboden einer dämmrigen Bauernküche mit offener Feuerstelle ist ein faszinierender Bruch. Komplett mit authentischen Stallungen und historischem Hausrat lässt diese Kulisse die frühe bäuerliche Lebenswelt greifbar werden.
Ein modernes Kulturzentrum
Geöffnet von Dienstag bis Sonntag, versteht sich das Bomann-Museum als aktiver Kultur- und Lernort mit sieben ständigen Themenbereichen, wechselnden Sonderausstellungen und Spezialsammlungen wie der Miniatur-Sammlung Tansey. Durch moderne Erweiterungsbauten ist das historische Gebäude direkt mit dem Kunstmuseum Celle verbunden, das als erstes 24-Stunden-Kunstmuseum der Welt gilt. Der architektonische Kontrast zwischen historischer Fassade und dem leuchtenden Glaskubus zeitgenössischer Kunst spiegelt Celles gelungene Verbindung aus Denkmalpflege und moderner Kultur wider.
FAQ
An welchen Tagen hat das Bomann-Museum geöffnet?
Das Bomann-Museum ist von Dienstag bis Sonntag geöffnet.
Wer hat das Bomann-Museum gegründet?
Das Museum wurde 1892 vom Fabrikanten Wilhelm Bomann als „Vaterländisches Museum“ gegründet und 1928 ihm zu Ehren umbenannt.
Welche Architekturstile prägen die Außenfassade des Museums?
Das Gebäude ist eine eklektische Mischung aus Gotik-, Renaissance- und traditionellen Fachwerkelementen, die Heidedichter Hermann Löns einst spöttisch als „Architekturpudding“ bezeichnete.
Was hat es mit dem Hallenhaus von 1571 im Museum auf sich?
In den Museumsräumen befindet sich der vollständige ebenerdige Nachbau eines niederdeutschen Hallenhauses von 1571 aus Narjesbergen, inklusive offener Feuerstelle und historischem Hausrat.



