Stechinellihaus: Celles klassizistisches Wahrzeichen - Celle
© Wikimedia Commons | CC-BY-SA
Ziel

Stechinellihaus: Celles klassizistisches Wahrzeichen

Celle, Germany

Die historische Fassade des Stechinellihauses am Großen Plan erzählt von einer bewegten Stadtgeschichte. An der Westseite des Platzes in der Celler Altstadt bildet dieses klassizistische Palais das elegante Bindeglied zwischen dem Residenzschloss und den lebhaften Einkaufsstraßen der Fußgängerzone.

Vom Kammerdiener zum Postimperium

Benannt ist das Palais nach Francesco Maria Capellini (1640–1694), der in Rimini geboren wurde und Herzog Georg Wilhelm zu Braunschweig-Lüneburg in Rom kennenlernte. Ursprünglich trat Capellini als Kammerdiener in die Dienste des Herzogs, folgte ihm 1665 nach Celle und legte dort einen rasanten gesellschaftlichen Aufstieg hin.

Er häufte ein enormes Vermögen an und erlangte einen Adelstitel, indem er sich Monopole für den Wein- und Tuchimport sicherte und ein Postnetz im gesamten Welfenland aufbaute. Schließlich avancierte er zum Hofbankier und Generalerblichen Postmeister der Welfenherzöge.

Wie „Stechinelli“ zu seinem Namen kam

Trotz seines hohen Status war Capellini am Hof vor allem unter seinem liebevollen Spitznamen „Stechinelli“ bekannt. Abgeleitet vom italienischen Wort stecchino für Zahnstocher, nahm dieser Name seine auffallend dünnen Beine aufs Korn.

Das Familienwappen der Capellinis zeigte einen breitkrempigen schwarzen Hut (italienisch cappello) als sprechendes Wappensymbol, das auf den Nachnamen anspielte. Auch über Celle hinaus hinterließ Stechinelli architektonische Spuren: Im nahen Wieckenberg stiftete er eine Gutskapelle, die er geschickt als Fachwerkscheune tarnen ließ, um den damaligen religiösen Vorgaben zu genügen.

Architektonischer Wandel und Kultursalon

Auf dem Grundstück am Großen Plan 14 standen ursprünglich zwei Bürgerhäuser aus dem 16. Jahrhundert, die 1668 einem Stadtbrand zum Opfer fielen. Nach dem Wiederaufbau ging das Anwesen 1675 an Capellini über.

Das heutige Gebäude gab jedoch zwischen 1795 und 1798 der Wachswarenfabrikant Jacob Christian Lampe in Auftrag. Lampe errichtete die helle, symmetrische klassizistische Steinfassade mit dem markanten Dreiecksgiebel ganz bewusst „zur Zierde der Stadt“ und behielt dabei den Namen Stechinelli bei. Das stattliche Palais bildet einen spannenden Kontrast zu den umliegenden, reich verzierten Fachwerkhäusern.

1836 erwarb der Industriepionier und Privatbankier Christian Hostmann das Anwesen. Unter seiner Ägide verwandelte sich das Haus in einen glanzvollen Kultursalon, in dem gefeierte Künstler wie der Geiger Niccolò Paganini und der Komponist Johannes Brahms verkehrten.

Stechinellis Erbe heute

Heute ist das Stechinellihaus ein lebendiges Geschäftsgebäude am verkehrsberuhigten Großen Plan. Mit Ladenlokalen im Erdgeschoss sowie Büros und Kanzleien in den oberen Etagen bleibt Capellinis Name bis heute ein lebendiger Teil des modernen Celle.

FAQ

Wo befindet sich das Stechinellihaus?

Das Stechinellihaus steht am Großen Plan 14 in der historischen Altstadt von Celle. Es markiert den westlichen Abschluss des zentralen Platzes zwischen dem Residenzschloss und den Haupteinkaufsstraßen der Fußgängerzone.

Wer war Stechinelli?

„Stechinelli“ war der Spitzname von Francesco Maria Capellini, einem aus Italien stammenden Kammerdiener, der im 17. Jahrhundert zum wohlhabenden Adligen, Hofbankier und Generalerblichen Postmeister der Welfenherzöge aufstieg.

Warum heißt es Stechinellihaus?

Das Gebäude ist nach Francesco Maria Capellini benannt, dessen Spitzname „Stechinelli“ (Zahnstocher) auf seine dünnen Beine anspielte. Obwohl das heutige klassizistische Bauwerk in den 1790er-Jahren von Jacob Christian Lampe errichtet wurde, behielt dieser den traditionsreichen Namen bei.

Wie wird das Stechinellihaus heute genutzt?

Heute dient das Stechinellihaus als lebendiges Geschäftshaus mit Ladenlokalen und Reisebüro im Erdgeschoss sowie Büros und Kanzleien in den oberen Stockwerken.

More places in Celle