
Celles ältestdatiertes Haus: Geschichte und Architektur
In den Mauern von Celle mögen noch ältere Balken schlummern, aber nur ein einziges Haus trägt die Jahreszahl 1526 mit Stolz direkt im Holz eingeschnitzt. Das Gebäude an der Adresse Am Heiligen Kreuz 26 steht unter Denkmalschutz und ist ein echter Meilenstein unter den rund 400 erhaltenen Fachwerkhäusern der Stadt.
Ein Meisterwerk des frühen Fachwerkbaus
Erbaut im stilistischen Übergang von der Spätgotik zur Renaissance, präsentiert sich das zweigeschossige, giebelständige Fachwerkhaus mit einem steilen Satteldach. Seine markanten Vorkragungen und die stockwerkweise vorspringende Fassade ruhen auf profilierten Knaggen. Dadurch neigt sich das Gebäude fast spürbar über das Kopfsteinpflaster der Gasse. Die historische Schauseite blickt direkt auf den Steinbrunnen auf dem Platz Am Heiligen Kreuz, einer der Hauptschlagadern im intakten, mittelalterlichen Stadtgrundriss von 1292.
Was hinter der Jahreszahl steckt
Es gibt in Celle zwar noch ältere, undatierte Bauhölzer aus der Zeit um 1480, doch dieses Haus sichert sich den Titel als ältestdatiertes Gebäude, weil sein Baujahr unübersehbar im Gebälk verewigt ist. Die originale Inschrift aus dem Jahr 1526 prangt auf der Stockwerksschwelle. In gotischen Minuskeln steht dort geschrieben: „ano dm m ccccc xxvi iar“. An der Fassade finden sich außerdem frühe Beispiele des sogenannten Celler Treppenfrieses, ein typisches Schnitzornament der Region, das im Volksmund gern als Sinnbild für die Lebensstufen des Menschen gedeutet wird.
Jahrhunderte voller Geschichte und Umbauten
Im Jahr 1634 wurde das Anwesen seitlich deutlich erweitert. Die damaligen Eigentümer, der Brauer Curdt Gronhagen und Dorothea Catrina, bauten kurzerhand einen traufständigen Westflügel direkt über eine damals genutzte, schmale öffentliche Gasse. 1652 ging das Haus an ihren Sohn Andreas von Dey über, der als angesehener Tuchhändler und Stadtleutnant Karriere machte.
Das ältestdatierte Haus heute
In jüngerer Zeit wurde das Innere behutsam für den Einzelhandel umgestaltet, während das historische Tragwerk und die Fassade sorgsam geschützt blieben. Heute beherbergen die unteren Etagen ein Modegeschäft für Wäsche und Dessous. Von außen präsentiert sich das Haus weiterhin makellos erhalten und zeigt eindrucksvoll die frühe bürgerliche Baukunst, noch bevor die verspielten Ornamente der Renaissance das Celler Stadtbild eroberten.
FAQ
Warum gilt es als ältestdatiertes Haus in Celle?
Obwohl es in Celle undatierte Bauhölzer von etwa 1480 gibt, ist dieses Gebäude das älteste, in dessen Balken ein eindeutiges Baujahr (1526) eingeschnitzt ist.
Was steht auf dem ursprünglichen Fachwerkbalken?
Die originale Inschrift von 1526 auf dem Schwellenbalken ist in gotischen Minuskeln verfasst und lautet: „ano dm m ccccc xxvi iar“.
Wie wurde das Gebäude 1634 erweitert?
Im Jahr 1634 erweiterten die Eigentümer Curdt Gronhagen und Dorothea Catrina das Anwesen seitlich, indem sie einen westlichen Anbau direkt über eine bestehende öffentliche Gasse errichteten.
Wie wird das Gebäude heute genutzt?
Heute beherbergt das Baudenkmal in den unteren Etagen ein Geschäft für Damenmode und Dessous, während die denkmalgeschützte Fassade ein markanter historischer Blickfang geblieben ist.



