
Stadtkirche St. Marien Celle: Geschichte und Besucherinfos
Lass deinen Blick vom Kopfsteinpflaster der Altstadt an der historischen Architektur der Stadtkirche St. Marien hinaufwandern. Direkt an der Schnittstelle zwischen dem historischen Marktplatz und der Stechbahn, einer ehemaligen mittelalterlichen Turnierstätte, steht die Kirche gegenüber kunstvoll restaurierten Fachwerkfassaden. 1308 vom Bischof von Hildesheim der Heiligen Maria geweiht, ist das Bauwerk die evangelisch-lutherische Hauptkirche von Celle.
Baugeschichte und barocke Pracht
Der Bau der dreischiffigen Hallenkirche aus Backstein und Feldstein begann um 1292 unter Herzog Otto II., dem Strengen. Ursprünglich als rein gotisches Gebäude konzipiert, erlebte das Innere zwischen 1676 und 1698 eine tiefgreifende Wandlung. In dieser Zeit gestaltete der italienische Künstler Giovanni Tornielle den Raum um, zog ein Tonnengewölbe ein und fügte kunstvollen barocken Stuck hinzu.
Das barocke Erbe der Kirche wird durch den Hochaltar aus den Jahren 1613 bis 1615 zusätzlich unterstrichen. Im Innenraum finden sich außerdem prunkvolle herzogliche Epitaphien, Emporenbilder aus dem 17. Jahrhundert und ein historischer Orgelprospekt, der ursprünglich 1687 von Hermann Kröger erbaut und 1999 sorgfältig rekonstruiert wurde.
Die Fürstengruft und eine tragische Königin
Über Jahrhunderte hinweg diente die Stadtkirche den Welfenherzögen von Braunschweig-Lüneburg als Hof- und Begräbniskirche. 1576 ließen die Herzöge unter dem Chor die Fürstengruft als Gewölbe anlegen. Heute finden mittwochs und donnerstags Führungen durch die Gruft statt.
In der Gruft steht der reich verzierte Sarkophag von Caroline Mathilde, der britischen Prinzessin und dänischen Königin. Nach der Hinrichtung ihres Leibarztes und Geliebten Johann Friedrich Struensee wurde ihre Ehe geschieden und sie 1772 in das nahegelegene Celler Schloss verbannt. Die einstige Königin starb dort nur drei Jahre später im Alter von gerade einmal 23 Jahren an Scharlach.
Der Turm und der Turmbläser
Der Kirchturm entwickelte sich aus einem Glockenstuhl von 1530 und späteren Dachreitern zu seiner heutigen, 74,5 Meter hohen Spitze, die 1913 fertiggestellt wurde. Sein oberer Holzglockenstuhl beherbergt vier Glocken, darunter eine Friedensglocke, die 2008 zum 700-jährigen Bestehen der Kirche gegossen wurde.
Auf dem Turm wird eine lebendige Tradition gepflegt: der Celler Turmbläser. Ohne Aufzug steigt der Bläser die 235 Stufen zu Fuß hinauf, um einen Blechbläserchoral in alle vier Himmelsrichtungen erschallen zu lassen. Das geschieht täglich um 16:45 Uhr sowie samstags und sonntags zusätzlich um 09:45 Uhr. Diese Aufgabe wird seit Generationen von einheimischen Familien bei jedem Wetter fortgeführt, während die klaren, schallenden Töne an den Fachwerkgiebeln der Stadt widerhallen.
Von April bis Ende Oktober ist die Aussichtsgalerie für Besucher geöffnet. Der Aufstieg über die 235 Stufen belohnt dich mit einem 360-Grad-Panorama über die roten Ziegeldächer von Celle, den Schlosshof und die fernen Ausläufer der Lüneburger Heide.
FAQ
Kann man den Turm der Stadtkirche St. Marien besteigen?
Ja, die Aussichtsgalerie des Turms ist saisonal von April bis Ende Oktober zugänglich. Nach einem Aufstieg über 235 Stufen eröffnet sich ein 360-Grad-Blick über die Stadt und die umliegende Lüneburger Heide.
Wann spielt der Turmbläser an der Kirche?
Der Turmbläser spielt täglich um 16:45 Uhr einen Choral vom Turm. An Samstagen und Sonntagen gibt es zusätzliche Vorführungen um 09:45 Uhr.
Wer ist in der Gruft der Kirche bestattet?
Die Fürstengruft dient als Begräbnisstätte der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg. Hier steht auch der Sarkophag von Caroline Mathilde, der verbannten britischen Prinzessin und dänischen Königin, die 1775 in Celle starb.



