Reichsburg Cochem: Die Geschichte der Burg - Cochem
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Reichsburg Cochem: Die Geschichte der Burg

Cochem, Germany

Ursprünge der kaiserlichen Höhenburg

Rund 100 Meter über der Mosel thront die Reichsburg Cochem auf einem markanten Kegelberg und bildet das architektonische Herzstück des rheinland-pfälzischen Städtchens. Erstmals taucht die Anlage 1130 in einer Urkunde auf. Bereits 1151 erhob König Konrad III. die Festung zur Reichsburg. Im Hochmittelalter fungierte sie als strategisch wichtiger Stützpunkt des Reiches und als Zollburg, die den Schiffsverkehr auf der Mosel kontrollierte.

Diese mittelalterliche Blütezeit fand im Pfälzischen Erbfolgekrieg ein jähes Ende. Am 19. Mai 1689 machten französische Truppen kurzen Prozess: Sie unterminierten die Wehranlage, steckten sie in Brand und sprengten sie in die Luft. Nach dieser Zerstörung ragte die Festung fast 180 Jahre lang nur noch als verkohlte, überwucherte Ruine über der Stadt empor.

Der neugotische Wiederaufbau im 19. Jahrhundert

Ihre heutige Gestalt verdankt die Burg dem Berliner Großkaufmann und Geheimen Kommerzienrat Louis Fréderic Jacques Ravené. Als er in den 1860er-Jahren den Bau der Moselstrecke von Koblenz nach Metz mitfinanzierte, verliebte er sich in das Flusstal und verfiel der zeittypischen Burgenromantik. 1868 kaufte er dem preußischen Staat die Ruine für einen symbolischen Betrag ab.

Ravené beauftragte die renommierten Architekten Hermann Ende und Julius Carl Raschdorff mit dem Entwurf eines fantasievollen neugotischen Sommersitzes, statt eine historisch strenge Rekonstruktion anzustreben. Zwischen 1868 und 1877 verbanden die Architekten die verbliebenen romanischen und spätgotischen Mauerreste zu einer dramatischen Silhouette, vollendet mit Zinnen, Erkern, Gauben und spitzen Türmchen.

Louis Ravené starb 1879, kurz nach der Fertigstellung des Rohbaus. Sein Sohn Louis Auguste Ravené übernahm die Vollendung der historistischen Innenausstattung um 1890 und stattete die Räume mit einer vielseitigen Sammlung aus Renaissance- und Barockstücken aus. Die Familie Ravené behielt die Burg bis 1942/1943 im Besitz. Seit 1978 gehört das Wahrzeichen der Stadt Cochem, die es liebevoll pflegt und erhält.

Architektur, Kunst und kuriose Geschichten

Die Fassade der Reichsburg verbindet bewusst authentisches mittelalterliches Mauerwerk mit architektonischen Verzierungen des 19. Jahrhunderts. Eines der bemerkenswertesten Details ziert die Südseite des Bergfrieds: ein vier mal acht Meter großes Mosaik des heiligen Christophorus, Schutzpatron der Reisenden und Moselschiffer. Bei dem heutigen Mosaik handelt es sich um eine Neuschöpfung aus der Nachkriegszeit, die das Original von 1870 ersetzt.

Im Inneren erwarten dich prunkvoll ausgestattete historische Räume wie der Rittersaal, der Speisesaal, das Jagdzimmer und die Kemenate. Schwere Balkenwerke, geschnitzte Holzdecken, kühle Steintreppen und wuchtige offene Kamine prägen die Atmosphäre. Zu den Exponaten zählen auch gewaltige Zinnkrüge mit einem Fassungsvermögen von drei bis fünf Litern, die Burgführer gern mit einem Augenzwinkern als angebliche Tagesration eines Ritters präsentieren. Und wie es sich für eine echte Burg gehört, erzählt man sich von der „Weißen Dame“, einem Gespenst, das der Sage nach über die oberen Wehrgänge spukt.

Der Wiederaufbau war zudem mit einem handfesten Berliner Gesellschaftsskandal verknüpft: Bei der Einweihungsfeier der Burg 1877 glänzte Ravenés deutlich jüngere Ehefrau Elisabeth durch Abwesenheit. Der Grund war eine Affäre mit einem jüngeren Bankbeamten. Der gesellschaftliche Wirbel um die Familie Ravené lieferte Theodor Fontane die direkte Vorlage für seinen berühmten Roman L'Adultera.

Besuch auf der Reichsburg Cochem

Heute wird die Anlage im Auftrag der Stadt von der Reichsburg Cochem GmbH betrieben und ist der größte Besuchermagnet der Region. Hinauf zur Höhenburg gelangst du vom historischen Marktplatz aus, vorbei an mittelalterlichen Toren wie dem Balduinstor und dem Enderttor. Folge einfach der Schloßstraße, die sich durch Weinberge und an Schiefermauern entlang den Berg hinaufzieht.

Die Burg ist täglich geöffnet. Regelmäßige Führungen auf Deutsch und Englisch werden durch fremdsprachige Audio- und Textangebote ergänzt. Neben Rundgängen durch die Höfe und Prunkgemächer lädt die rustikale Burgschänke zur Einkehr ein. Zudem finden das ganze Jahr über historische Veranstaltungen statt, etwa zünftige Rittermahle oder das alljährliche mittelalterliche Burgfest im August.

FAQ

Wer baute die Reichsburg Cochem im 19. Jahrhundert wieder auf?

Der Berliner Eisenwarenhändler Louis Fréderic Jacques Ravené kaufte die Ruine 1868 und beauftragte die Architekten Hermann Ende und Julius Carl Raschdorff mit dem Bau einer romantischen neugotischen Sommerresidenz zwischen 1868 und 1877. Die Innenausstattung vollendete sein Sohn Louis Auguste Ravené um 1890.

Wie wurde die mittelalterliche Burg zerstört?

Am 19. Mai 1689 unterminierten, verbrannten und sprengten französische Truppen die Festung im Pfälzischen Erbfolgekrieg. Fast 180 Jahre lang blieb sie eine Ruine, bis sie gekauft und wiederaufgebaut wurde.

Welches literarische Werk wurde von den Ereignissen um die Reichsburg Cochem inspiriert?

Theodor Fontanes Roman *L’Adultera* basiert auf einem echten Gesellschaftsskandal um Louis Ravenés jüngere Ehefrau Elisabeth, deren Liebesaffäre der Grund war, warum sie beim Einweihungsfest der Burg im Jahr 1877 fehlte.

Was befindet sich an der Südseite des Bergfrieds?

An der Südseite des Bergfrieds befindet sich ein vier mal acht Meter großes Mosaik des heiligen Christophorus, Schutzpatron der Reisenden und Moselschiffer. Das heutige Mosaik ist eine Nachbildung aus der Nachkriegszeit, die das Original von 1870 ersetzt.

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