
Ehemalige Synagoge Cochem und Gedenktafel
Ursprünge und Architektur in der Oberbachstraße
Die ehemalige Synagoge von Cochem entstand im historischen Taleinschnitt hinter dem Stadtzentrum in der Oberbachstraße, damals verzeichnet unter der Hausnummer 361. Vor ihrem Bau hielt die jüdische Gemeinde ihre Gottesdienste in privaten Wohnhäusern ab, so etwa 1853 im Haus von Isaac Haas. Nach dem Grundstückskauf im selben Jahr begannen die Bauarbeiten, und 1860, manchen Quellen zufolge 1861, wurde die Synagoge feierlich geweiht.
Das Gebäude war als traufständiger Bruchsteinbau im Rundbogenstil ausgeführt. Seine Fassade prägten markante Rundbogenfenster, eingebettet in zurückspringende Blendarkaden. 1897 erweiterte die Gemeinde das Anwesen und errichtete direkt neben dem Betsaal ein jüdisches Schulhaus samt Lehrerwohnung.
Jahrhunderte jüdischen Lebens in Cochem
Jüdisches Leben lässt sich in Cochem mindestens bis ins Jahr 1242 zurückverfolgen. Damals wurden jüdische Einwohner als kaiserliche und kurfürstliche Kammerknechte erwähnt, die vor allem im Handel und Finanzwesen tätig waren. Über die Jahrhunderte hinweg war die Gemeinde immer wieder schweren Verfolgungen ausgesetzt. Historische Quellen belegen die Ermordung von 17 jüdischen Menschen während des Ritualmordpogroms von Oberwesel im Jahr 1287. Es folgten die Armledererhebungen 1337, die Pestpogrome von 1348 und 1349 sowie Ausweisungen aus dem Erzstift Trier in den Jahren 1418 und 1589.
Im 18. und 19. Jahrhundert entstand wieder eine feste Gemeinde. Zählte sie 1808 noch 42 Mitglieder, erreichte sie 1895 mit 114 Personen ihren Höchststand. Die Gemeindemitglieder nahmen aktiv am bürgerlichen Leben teil: 1882 gehörten Angehörige der Familie Hein zu den Gründungsvorständen der Freiwilligen Feuerwehr Cochem. Als Gemeindevorsteher Salomon Hein 1901 seine Goldene Hochzeit beging, ehrte ihn der katholische Männergesangverein mit einem Ständchen, begleitet von einem Fackelzug des örtlichen Kriegervereins.
Zerstörung und Shoah
Von 1924 bis 1938 wirkte Paul (Pinkas) Goetzoff als letzter Lehrer und Kantor (Chasan) der Gemeinde. Während der Novemberpogrome am 9. und 10. November 1938 wurden das Innere der Synagoge und die angrenzende Schule geplündert und verwüstet. Goetzoff wurde verhaftet, seine Bibliothek zerstört und er selbst in das Konzentrationslager Dachau verschleppt. Unter der Auflage, Deutschland zu verlassen, kam er frei und emigrierte Anfang 1939 nach Mandats-Palästina. Seiner Frau Rosa und seiner Tochter Senta gelang die Flucht nicht: Sie wurden später in das Vernichtungslager Chełmno deportiert und 1944 ermordet. Zahlreiche weitere Angehörige alteingesessener Cochemer Familien, darunter Dahl, Haimann, Hein, Hirsch, Mayer und Simon, kamen im Holocaust ums Leben.
Durch Fliegerbomben Anfang 1945 weiter beschädigt, wurde die Synagogenruine nach Kriegsende vollständig abgetragen. Das Grundstück wurde später mit Neubauten überbaut.
Mahnmale und erhaltene Architekturfragmente
Auch wenn das Gebäude selbst verschwunden ist, halten sichtbare Spuren die Erinnerung an diesem Ort wach. Am 9. November 2016 wurde direkt gegenüber dem einstigen Grundstück an der Fassade des Hauses Zenz eine offizielle Gedenktafel eingeweiht. Im Straßenpflaster vor der Oberbachstraße 49–51 erinnern Stolpersteine aus Messing, geschaffen vom Künstler Gunter Demnig, an die Familie Goetzoff.
Bereits 1988, zum 50. Jahrestag der Novemberpogrome, war an den Außenarkaden der katholischen Pfarrkirche St. Martin eine Gedenktafel angebracht worden. Zudem konnte das originale Rundbogenportal der Synagoge aus Stein mit der hebräischen Inschrift „Wisse, vor wem du stehst“ aus dem Trümmerschutt geborgen und auf dem Neuen Jüdischen Friedhof in der Kelberger Straße wieder aufgestellt werden. Zwar stürzte das Portal 2013 bei einem Sturm ein, doch seine beschrifteten Steinfragmente wurden vor Ort gesichert, um sie dauerhaft zu konservieren.
FAQ
Wo befand sich die ehemalige Synagoge von Cochem?
Die Synagoge befand sich in der Oberbachstraße (historisch Oberbachstraße 361). Heute stehen dort Nachkriegsbauten, während eine offizielle Gedenktafel gegenüber am Haus Zenz an den Standort erinnert.
Was geschah mit dem ursprünglichen Synagogengebäude?
Die Synagoge wurde während der Novemberpogrome 1938 geschändet und verwüstet, Anfang 1945 durch Bombentreffer beschädigt und nach dem Zweiten Weltkrieg vollständig abgerissen.
Sind architektonische Elemente der Synagoge erhalten geblieben?
Ja. Das originale Rundbogenportal mit der hebräischen Inschrift „Wisse, vor wem du stehst“ wurde aus den Trümmern gerettet und auf den Neuen Jüdischen Friedhof an der Kelberger Straße versetzt. Nachdem es 2013 bei einem Sturm eingestürzt war, wurden seine Fragmente gesichert, um sie zu erhalten.



