
Rheintorturm: Konstanz' historisches Rheintor
Als Wächter über den „Rheinkilometer 0“ kontrollierte dieser Turm aus dem 13. Jahrhundert einst die einzige Brücke, die das deutsche Hinterland mit Italien verband. Direkt am Flussufer ragt der historische Rheintorturm empor, eine wehrhafte mittelalterliche Bastion, die früher die Flussquerung der Stadt sicherte.
Ein mittelalterlicher Wächter am Rhein
Ursprünglich um 1200 in der Stauferzeit errichtet und um 1360 verstärkt, war der Rheintorturm früher als Petershausener Tor bekannt. Neben Schnetztor und Pulverturm ist er einer von nur drei erhaltenen Türmen der mittelalterlichen Konstanzer Stadtmauer. Mit einer Grundfläche von neun mal neun Metern und einer Höhe von 30 bis 35 Metern ruht das Bauwerk auf Pfahlgründungen und Rorschacher Sandstein. Geprägt wird er von wuchtigem Mauerwerk, einem gewölbten Tordurchgang im Erdgeschoss und spätmittelalterlichen Staffelgiebeln.
Handel, Zölle und Belagerungen
Über Jahrhunderte hinweg kontrollierte der Turm die einzige Rheinbrücke der Region und lenkte den Fernhandel zwischen Schwaben und Italien. Die ursprüngliche Holzbrücke führte direkt durch den Torbogen, sodass Konstanz bequem Durchgangszölle auf Waren und Reisende erheben konnte. Um die Durchfahrt vollends abzuriegeln, ließen sich bei Bedarf schwere Eisenketten über den Fluss spannen und jeglichen Schiffsverkehr stoppen.
Auch militärisch und politisch war der Turm ein echtes Schwergewicht. Der römisch-deutsche Kaiser Friedrich II. passierte dieses Tor bei seinen Besuchen in der Stadt. Und am 6. August 1548 schlugen die Konstanzer Bürger von dieser Festung aus einen Angriff der spanischen Söldnertruppen Kaiser Karls V. erfolgreich zurück.
Fast zerstört und kurios zweckentfremdet
Während der Koalitionskriege gegen Frankreich zwischen 1796 und 1801 wurde das Gemäuer schwer beschädigt. 1861 lagen bereits städtische Abrisspläne auf dem Tisch, doch eine Bürgerinitiative um Stadtrat Ludwig Leiner und Archivar Johann Marmor rettete das Wahrzeichen. Siebzehn Jahre später, 1878, gab es den kuriosen Plan, den Turm komplett zu entkernen und in einen riesigen Hochwasserbehälter zu verwandeln. Die Idee verlief glücklicherweise im Sande.
Nach dem Zweiten Weltkrieg ordnete die französische Militärverwaltung an, den Turm in ein autonomes Jugendzentrum umzuwandeln. Da das vorhandene Mobiliar als unzureichend galt, beschlagnahmte der französische Gouverneur kurzerhand Möbel aus Konstanzer Privathaushalten, um die Räume auszustatten.
Das Fasnachtsmuseum heute
Heute wird der Turm vom Verein Initiative Rheintorturm e. V. gepflegt und beherbergt das Konstanzer Fasnachtsmuseum. Seit seiner Eröffnung im Jahr 2008 zeigt das Museum kunstvoll geschnitzte Holzmasken, Narrenhäser und die lebendigen Traditionen der schwäbisch-alemannischen Zünfte.
Im Inneren winden sich 134 Holzstufen zwischen den dicken Sandsteinmauern empor, bis auf 35 Meter über dem Wasserspiegel. Von April bis Oktober öffnen sich die historischen Turmstuben an den Wochenenden für Besichtigungen, Kulturveranstaltungen und Führungen.
FAQ
Wann wurde der Rheintorturm erbaut?
Der Rheintorturm wurde ursprünglich um 1200 in der Stauferzeit errichtet und im 14. Jahrhundert, um 1360, noch einmal verstärkt.
Was befindet sich heute im Rheintorturm?
Heute beherbergt der Turm das 2008 eröffnete Konstanzer Fasnachtsmuseum. Es präsentiert geschnitzte Holzmasken, traditionelle Narrenkleider und das Brauchtum der schwäbisch-alemannischen Zünfte.
Warum ist der Standort des Rheintorturms so bedeutend?
Historisch kontrollierte der Turm die einzige Rheinbrücke, die Schwaben mit Italien verband. Zudem steht er an genau der Stelle, an der sich der Bodensee zum Seerhein verengt, dem offiziellen „Rheinkilometer 0“.



