
Schnetztor: Historisches Stadttor aus dem 14. Jahrhundert in Konstanz
Stell dich unter eines der letzten erhaltenen mittelalterlichen Stadttore von Konstanz, einen wehrhaften Festungsturm, den lokale Narren vor dem Zerfall retteten. Das Schnetztor erinnert eindrucksvoll an das mittelalterliche Gesicht der Stadt und markiert die südliche Grenze der einstigen inneren Ringmauer. Seine Bauhölzer stammen laut dendrochronologischer Datierung aus den Wintern von 1325 bis 1328. Neben dem Rheintorturm und dem Pulverturm ist es einer von gerade einmal drei erhaltenen Wehrtürmen der ursprünglichen Konstanzer Stadtbefestigung.
Mittelalterliches Bollwerk
Erbaut während einer Erweiterung der Stadtbefestigung im 14. Jahrhundert, sicherte das Schnetztor die wichtige Handelsroute vom Rhein in Richtung Schweiz. Ursprünglich als reine Verteidigungsanlage gedacht, kamen am sechsstöckigen Steinturm später eine Vorburg und eine Türmerwohnung hinzu. Im 19. Jahrhundert riss Konstanz den Großteil seiner mittelalterlichen Ringmauer ab, zu der einst über zwanzig Türme und Tore gehörten, um Platz für das Stadtwachstum zu schaffen. Das Schnetztor hatte Glück und blieb verschont. Während alte Volkssagen behaupteten, das Tor sei nach einer lokalen Bezeichnung für kleine Fische benannt, führen Historiker den Namen heute auf das mittelalterliche Geschlecht der Schnetz zurück.
Architektonische Gegensätze
Das Schnetztor überrascht mit zwei völlig unterschiedlichen Gesichtern. Die nach Süden zur Schweizer Grenze gerichtete Außenfassade besteht aus wuchtigem Bruchsteinmauerwerk, gebaut, um Angreifern die Stirn zu bieten. Die nach Norden gewandte Stadtseite hingegen blickt mit leuchtend rot-weißem Sichtfachwerk auf die Fußgängerzone der Hussenstraße. Gekrönt wird das Bauwerk von einem pyramidenförmigen Walmdach samt Dachlaterne, in der eine 700 Kilogramm schwere Glocke aus dem 14. Jahrhundert hängt. Ende 2022 brach diese historische Glocke aus dem Glockenstuhl, wurde aber aufwendig restauriert und im Dezember 2025 wieder eingesetzt.
Gerettet von den Narren
Obwohl der Turm 1978 zum Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung erklärt wurde, verkam er im 20. Jahrhundert lange Zeit zum verstaubten Lagerraum und Taubenverschlag. Die Rettung brachte schließlich die Konstanzer Blätzlebuebe-Zunft, eine traditionsreiche Zunft der schwäbisch-alemannischen Fasnacht. Die Mitglieder sammelten Startkapital und bauten das Innere in unzähligen Arbeitsstunden wieder auf. Heute dient der Turm als Zunfthaus, öffnet zu saisonalen Anlässen, privaten Feiern oder Führungen, während Fußgänger wie eh und je durch den zentralen Torbogen flanieren.
Historische Spuren ringsum
Auch die Umgebung des Schnetztors atmet Stadtgeschichte. Auf dem angrenzenden Löwenplatz zeichnet das Pflaster den Grundriss der einstigen, längst abgerissenen Vorburg nach. Nur wenige Schritte stadteinwärts liegt das Hussenhaus. Der Überlieferung nach logierte hier 1414 der böhmische Reformator Jan Hus, bevor er während des Konstanzer Konzils verhaftet und hingerichtet wurde.
FAQ
Warum ist das Schnetztor historisch so bedeutsam?
Das Schnetztor ist ein Torturm aus dem 14. Jahrhundert und einer von nur drei erhaltenen Wehrtürmen der mittelalterlichen Konstanzer Stadtmauer. Es markierte einst die südliche Grenze der Altstadt und sicherte die Handelsroute in die Schweiz.
Wie wird das Gebäude heute genutzt?
Heute dient der Turm als Zunfthaus der Konstanzer Blätzlebuebe-Zunft, einer traditionsreichen Narrenzunft der schwäbisch-alemannischen Fasnacht. Die Zunft hat das Innere restauriert und nutzt es für Zusammenkünfte, Veranstaltungen und Führungen.
Woher stammt der Name Schnetztor?
Historiker führen den Namen heute auf das mittelalterliche Konstanzer Geschlecht Schnetz zurück und widerlegen damit alte Sagen, die den Namen von einer lokalen Bezeichnung für kleine Fische ableiteten.



