Haus Cavazzen: Lindaus barockes Meisterwerk - Lindau-bodensee
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Haus Cavazzen: Lindaus barockes Meisterwerk

Lindau-bodensee, Germany

Ein hochbarockes Wahrzeichen am Marktplatz

Das Haus zum Cavazzen beherrscht unübersehbar die Nordseite des historischen Marktplatzes auf der Insel Lindau (Bodensee). Direkt gegenüber der katholischen Münsterkirche Unserer Lieben Frau und der evangelischen Kirche St. Stephan setzt das hochbarocke Patrizierhaus einen imposanten Akzent an der Schnittstelle vom Inselhafen zur Maximilianstraße. Der renommierte Kunsthistoriker Georg Dehio schwärmte einst, es zähle zu den schönsten barocken Bürgerhäusern der Bodenseeregion.

Die Ursprünge und das Erbe der Seutter von Loetzen

Seinen Namen verdankt das Anwesen der Familie de Kawatz, lombardischen Kaufleuten, die hier bereits im 16. Jahrhundert lebten. Nach einem verheerenden Stadtbrand entstand zwischen 1728/1729 und 1730 das heutige Stadtpalais für die wohlhabende Patrizier- und Handelsfamilie Seutter von Loetzen. Als herrschaftlicher Familiensitz und pulsierendes Kontor in einem blieb das Haus über fünf Generationen hinweg der Mittelpunkt der Familie, von dem aus sie den regionalen und transalpinen Handel steuerte.

1929 erwarb das Lindauer Fabrikantenehepaar Ludwig und Lydia Kick das Anwesen und ließ es umfassend restaurieren. Kurz darauf überführten sie es in eine städtische Stiftung, sodass das Haus im Juli 1930 als Lindauer Stadtmuseum seine Pforten öffnen konnte.

Grubenmanns pionierhafte Holzbaukunst

Entworfen wurde der Prachtbau vom Schweizer Baumeister Jakob Grubenmann aus Appenzell. Vor allem für seine kühnen Holzbrücken gefeiert, übertrug Grubenmann sein statisches Genie meisterhaft auf ein Wohngebäude. Gekrönt von einem geschwungenen Mansardwalmdach ragt der obere Dachstuhl fast elf Meter in die Höhe.

Das eigentliche Kunststück daran: Der gewaltige Dachstuhl kommt komplett ohne Stützpfeiler aus. Mit einem ausgeklügelten System aus Hängewerken, das er direkt aus dem Brückenbau übernahm, schuf Grubenmann eine freitragende Weite, die dem damaligen Holzbau um Jahrzehnte voraus war.

Trompe-l’Œil-Fassaden und wiederentdeckte Fresken

Berühmt ist das Haus Cavazzen vor allem für seine aufwendigen Trompe-l’Œil-Fassadenmalereien. Auf glattem Verputz gaukeln die Wandbilder steinerne Pilaster, verspieltes Rollwerk, Löwen und allegorische Figuren vor. Da Lindaus Bauakten aus jener Epoche verlorengingen, bleibt das Geheimnis um den Meister hinter dieser perfekten optischen Täuschung bis heute ungelöst.

Auch im Inneren kamen verborgene Schätze ans Licht: Bei den jüngsten Konservierungsarbeiten legten Restauratoren originale barocke Deckengemälde und feine Vergoldungen frei, die Generationen lang unter dicken Schichten alter Tünche geschlummert hatten.

Sanierung und das moderne Museum Lindau

Weil gravierende Absenkungen, Feuchtigkeit und marodes Gebälk der Bausubstanz schwer zusetzten, schloss das Wahrzeichen 2018 für eine umfassende sechsjährige Sanierung. Im Mai 2025 öffnete das Haus als modernisiertes Cavazzen, Museum Lindau wieder seine Türen.

Vom freigelegten Dachstuhl bis hinab in den historischen Gewölbekeller erstreckt sich heute eine interaktive Schau durch Lindaus Geschichte. Ein besonderes Schlaglicht fällt auf den Lindauer Bote, einen legendären Kurier- und Transportdienst zwischen Lindau und Mailand aus dem 15. Jahrhundert, der einst sogar Johann Wolfgang von Goethe beförderte. Neben wechselnden Kunstausstellungen und Kultur-Events lädt das Haus zudem in das lauschige Innenhofcafé Il Cavazzo ein.

FAQ

Warum heißt das Gebäude Haus Cavazzen?

Der Name geht auf die Familie de Kawatz zurück, lombardische Kaufleute, die im 16. Jahrhundert ein Gebäude auf diesem Grundstück besaßen und bewohnten.

Was macht die Architektur des Hauses Cavazzen so einzigartig?

Der Schweizer Baumeister Jakob Grubenmann übertrug modernste Methoden aus dem Brückenbau auf das Wohnhaus. Das Ergebnis ist ein elf Meter hoher Dachstuhl, der dank ausgeklügelter Hängewerke völlig ohne stützende Pfeiler auskommt.

Wie wird das Haus Cavazzen heute genutzt?

Seit der Wiedereröffnung im Mai 2025 beherbergt das Gebäude das modernisierte Cavazzen, Museum Lindau. Es bietet interaktive Ausstellungen zur Stadtgeschichte, wechselnde Kunstschauen, Kulturveranstaltungen und ein Innenhofcafé namens Il Cavazzo.

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