Lindau Altstadt: Geschichte und Laubengänge der Maximilianstraße - Lindau-bodensee
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Lindau Altstadt: Geschichte und Laubengänge der Maximilianstraße

Lindau-bodensee, Germany

Das historische Rückgrat der Lindauer Inselaltstadt

Die Maximilianstraße ist die zentrale Ost-West-Achse der historischen Lindauer Inselaltstadt. Auf rund 230 Metern Länge und an den breitesten Stellen bis zu 20 Metern Breite bildet dieser Straßenzug seit 1973 eine autofreie Fußgängerzone. Die Straße verkörpert die weltliche und kaufmännische Blütezeit Lindaus als Freie Reichsstadt und schlägt die Brücke zwischen dem vornehmen Damenstift am Marktplatz im Osten und den Hafenanlagen im Süden und Westen.

Anders als in vielen alpinen Handelsorten, in denen die Hauptstraßen direkte Transitachsen zwischen zwei gegenüberliegenden Stadttoren bildeten, wurde die Maximilianstraße als in sich geschlossene Marktpromenade angelegt. Sie endete bereits vor dem Stadtgraben, wodurch der schwere Durchgangsverkehr bewusst auf äußere Inselgassen wie die Ludwigstraße und »die Grub« abgeleitet wurde.

Bauliches Erbe: Laubengänge und Giebelkräne

Das Straßenbild besticht durch dichte, harmonische Zeilen aus Bürger- und Patrizierhäusern des 15. bis 17. Jahrhunderts. Diese mehrstöckigen Fassaden präsentieren Treppengiebel, Dachgauben, Erker und markant vorkragende Giebelkräne aus Holz. An diesen massiven Balken hievte man einst Getreidesäcke und schwere Handelsgüter direkt von den Fuhrwerken hinauf in die Dachlager.

Auf Straßenniveau prägen überdachte Arkaden, die sogenannten Laubengänge oder Bodenlauben, das Bild. Unter den Füßen wechselt der Belag: vom unebenen Kopfsteinpflaster der Fahrbahn zu glatten, geschützten Steinplatten unter den Kreuzgewölben. Neben dem Schutz vor Regen und den frischen Bodenseewinden erfüllten die Lauben zwei handfeste Funktionen: Sie dienten als wetterfeste Marktstände für empfindliche Waren und hielten die Kundschaft trocken über dem Schlamm und den tiefen Wagenspuren der Gasse.

Drei mittelalterliche Marktviertel

Im Mittelalter gliederte sich die Maximilianstraße in drei klar abgesteckte Handelsbereiche, die das Zunftwesen der Stadt widerspiegelten:

  • Die Mezg: Das westliche Straßenende, Revier der Metzgerzunft.
  • Der Brodplatz: Das Zentrum des Bäckerhandwerks rund um die Brotlaube (Haus zur Brotlaube), eines der ältesten erhaltenen Gebäude der Straße, urkundlich bezeugt seit 1386. Unter ihren gotischen Spitzbögen verkauften die Bäcker ihre Laibe direkt gegenüber dem Bäckerzunfthaus.
  • Der Alte Markt: Der östliche Abschnitt, dominiert von wohlhabenden Patrizierkaufleuten. Dreh- und Angelpunkt ist das »Haus zum Sünfzen« in der Maximilianstraße 1, erstmals 1358 als Versammlungshaus der adeligen Patriziergesellschaft »Zum Sünfzen« erwähnt und erkennbar an seiner vierbogigen Erdgeschosslaube.

Nachdem die Straße lange diese Zunftnamen trug und später schlicht als Hauptstraße firmierte, wurde sie um 1815 nach Lindaus Eingliederung in das Königreich Bayern zu Ehren von König Maximilian I. Joseph in Maximilianstraße umbenannt. Nach einer zwischenzeitlichen Umbenennung 1936 erhielt sie später im 20. Jahrhundert ihren königlichen Namen zurück.

Versteckte Gassen und pulsierendes Stadtleben

Die breite Flaniermeile wird in regelmäßigen Abständen von engen, mittelalterlichen Durchgängen und Gässchen durchbrochen. Historische Seitengassen wie das Zitronengässele, das Pfeiffergässele und die Schafgasse zweigen zwischen den hohen Fassaden ab und lassen die verwinkelte Dichte des mittelalterlichen Stadtgrundrisses spüren.

Neben dem Haus zum Sünfzen und der Brotlaube setzen weitere historische Wahrzeichen Akzente, darunter das Alte Rathaus, das Haus Zum Bären und die traditionsreiche Weinstube Frey. Bis heute ist die Straße die wichtigste Einkaufsmeile der Insel. In den gewölbten Lauben und Erdgeschossen finden sich inhabergeführte Geschäfte, Kunstgalerien, Cafés und traditionsreiche Lokale wie das Gasthaus Zum Sünfzen. Zudem bildet die Maximilianstraße die Bühne für Stadtfeste, lange Einkaufsnächte und den alljährlichen Lindauer Jahrmarkt im November.

FAQ

Welchen Zweck erfüllten die Laubengänge in der Maximilianstraße?

Die als Bodenlauben bekannten Arkaden dienten als wettergeschützte Marktstände für empfindliche Waren wie Brot. Zugleich boten sie erhöhte Gehwege, die Spaziergänger vor Schlamm und Fuhrwerksrillen auf der Straße bewahrten.

Warum wurde die Maximilianstraße als geschlossener Straßenraum und nicht als Durchgangsstraße angelegt?

Statt wie viele alpine Handelsrouten schnurgerade zwei Stadttore zu verbinden, wurde die Maximilianstraße als in sich geschlossener Binnenmarkt konzipiert. Sie endete vor dem Stadtgraben und leitete den Durchgangsverkehr gezielt über die Randgassen der Insel.

Wie war die Straße im Mittelalter gegliedert?

Die Straße war in drei Handelsbereiche aufgeteilt: die Mezg im Westen für die Metzger, der zentrale Brodplatz rund um die Brotlaube der Bäcker und der Alte Markt im Osten rund um das Patrizierhaus Zum Sünfzen.

Seit wann ist die Straße eine Fußgängerzone?

Die Maximilianstraße wurde 1973 offiziell zur autofreien Fußgängerzone.

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