
Mangturm: Lindaus erster Leuchtturm aus dem Mittelalter
Lindaus mittelalterliches Signalfeuer
Direkt an der Hafenpromenade auf der Insel Lindau steht der Mangturm, ein wuchtiger, quadratischer Steinwachturm, der einst als erster Leuchtturm des Hafens diente. Erbaut wurde er zwischen dem späten 12. und frühen 13. Jahrhundert. Die Geschichtsbücher sind sich uneins und nennen Daten um 1180, das 12. Jahrhundert oder das Jahr 1230. Fest steht: Zusammen mit Wehranlagen wie dem Peters- und dem Diebsturm bildete er das schlagkräftige Rückgrat der südlichen Stadtmauer.
Zu seiner Entstehungszeit flanierte hier freilich noch niemand über eine gepflasterte Uferpromenade. Stattdessen ragte der Mangturm als freistehende Bastion mitten aus dem Bodensee empor, ringsum von Wasser umspült. Nur über eine hölzerne Zugbrücke zugänglich, sicherte er die Seegrenze der Freien Reichsstadt Lindau. Über sechs Jahrhunderte lang diente er als wichtigstes Signalfeuer des Hafens und lotste herannahende Handels- und Transportschiffe über den See, indem man lodernde eiserne Feuerkörbe an Außenstangen emporzog.
Architektur und der Wandel im 19. Jahrhundert
Der Mangturm spiegelt die bauliche Verwandlung des Lindauer Hafens wider. 1856 veränderten der Bau des Neuen Leuchtturms und das Denkmal des Bayerischen Löwen die Hafeneinfahrt grundlegend, da die Hafenanlagen weiter in den See hinaus verlegt wurden. Mit einem Schlag war der Mangturm für die Schifffahrt überflüssig und ging als Signalfeuer in den wohlverdienten Ruhestand.
Doch statt der Abrissbirne zum Opfer zu fallen, spendierte man dem mittelalterlichen Turm einen kräftigen Umbau. Er wurde aufgestockt und erhielt ein steiles Zeltdach, gedeckt mit farbenfrohen, glänzend glasierten Ziegeln. Offizielle Denkmallisten führen eine Gesamthöhe von 35 bis 37 Metern auf, auch wenn Reiseführer immer wieder von bescheidenen 20 Metern berichten. Im Inneren führt eine enge Stiege aus 89 bis 91 hohlen Holzstufen durch das dicke Mauerwerk nach oben. Die ehemalige Türmerstube wurde 1914 zum Aussichtssalon umgestaltet, verziert mit einem historischen Wandfries, der Lindaus Weg von der kaiserlichen Damenstiftsstadt zur bayerischen Stadt illustriert.
Namensursprung und lokale Legenden
Eine Steintafel an der Fassade erinnert an seine historische Bestimmung: „Dieser Turm der Mangenturm genannt ward im XII. Jahrhundert erbaut zu Leuchte, Schutz und Trutz unseres Seehafens; ein kräftig Wahrzeichen der ehemaligen freien Reichsstadt Lindau.“
Auch wenn der Volksmund den Turm gern mit dem heiligen Magnus in Verbindung bringt, ist der Name profaner Natur. Er geht auf das mittelalterliche Tuch- und Mangenhaus zurück, das einst ganz in der Nähe stand. Dort glätteten Weber und Tuchscherer ihre Stoffe mit einer riesigen mechanischen Presse, der Mange.
Heute: Panoramablick und Rapunzelstunden
Heute dient der Mangturm in Kooperation mit der Lindau Tourismus und Kongress GmbH als saisonaler Kulturort und Aussichtsplattform. Wer die Holzstufen erklimmt, genießt von oben ein weites Panorama über den Bodensee, das Hafenbecken und die nahen Alpen. Bei Renovierungsarbeiten am Neuen Leuchtturm hält er zudem gern als erprobte Ausweichplattform her.
Zudem finden im Turm regelmäßig Lesungen und Märchenstunden statt. Zu diesen Gelegenheiten hängt ein langer, künstlicher blonder Zopf aus einer der oberen Schießscharten an den verwitterten Steinquadern hinab und verwandelt die altehrwürdige Bastion für kurze Zeit in Lindaus ganz eigenen Rapunzelturm.
FAQ
Wie wurde der Mangturm als Leuchtturm genutzt?
Über 600 Jahre lang wies der Turm Schiffen auf dem Bodensee den Weg, indem brennende Feuerkörbe an Außenstangen gehisst wurden. Bis 1856 war er Lindaus wichtigstes Seezeichen.
Woher hat der Mangturm seinen Namen?
Der Name geht auf das historische Tuch- und Mangenhaus zurück, ein nahegelegenes Lagerhaus, in dem Stoffe mit einer mechanischen Textilpresse, der sogenannten Mange, geglättet wurden.
Warum hängt manchmal ein Haarzopf am Turm herab?
Bei Märchenstunden wird ein langer blonder Kunstzopf aus einer oberen Schießscharte über die Steinfassade herabgelassen, der den Wachturm in einen echten Rapunzelturm verwandelt.



